"November"

    1. Jänner 2007, 16:27
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    Das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem charismatischen Sänger der englischen Band And Also the Trees und dem Schlagzeuger der Young Gods

    Seit Anfang der 80er ist Simon Huw Jones die Stimme von And Also the Trees. Der berühmte mandolinenartige Gitarrensound der Band, vereint mit der typischen Stimme ihres Sängers, gereichte ihr in der englischen Underground-Szene zu Ruhm. Affiliiert an die Cold Wave- Bewegung waren And Also the Trees, geführt von Jones Gesang, und ähnlich wie Nick Caves Birthday Party, annähernd einzigartig darin, explosive Songs aus einer beharrlichen Spannung zu kreieren. Was sich eindrucksvoll auf The Evening of the 24th (1986) manifestiert. Mit dem schönen Album The Klaxon (1993) startete die Band eine Rock’n’roll Phase, die aber auf den folgenden Werken nicht mehr wirklich überzeugte, bis es 2003 zu einer stilistischen Erneuerung mit Further from the Truth kam.

    Ebenfalls in den 80ern beglückten die Young Gods die europäische Musikszene mit ihrer innovativen Art, Sampling-Techniken in eine Rock-Formation zu integrieren. Bernard Trontin arbeitete in den ersten Jahren der 1985 gegründeten Band bereits mit. Erst 1997 wurde er Schlagzeuger des Schweizer Trios, nachdem das experimentelle Nebenprojekt Heaven Deconstruction (1996) veröffentlicht wurde, ein Tonträger, der Auftakt einer durch und durch elektronisch-sonoren Phase der Band war, in der Franz Treichlers Stimme oftmals völlig verschwand.

    Ein fast zufälliges Duo

    Trontin ist der Initiator von November. Wie Treichler auf seinem bemerkenswerten rhythmischen Solo-Project Braindance (2001) hat auch er einige rein instrumentell-elektronische Stücke komponiert. Für eine schlussendliche Verwirklichung wollte er auf jedem Track mit einem anderen Sänger kollaborieren. Und, wie der Zufall es will, erfuhr er, dass auch Simon Huw Jones – einer der Vokalisten, mit denen er unbedingt zusammenarbeiten wollte - sich ebenfalls in Genf niedergelassen hatte. Der erste musikalische Austausch war für beide so überzeugend, dass sie beschlossen, das ganze Album gemeinsam fertig zu machen. Einige Jahre vergingen, sind doch beide Musiker auch mit ihren eigenen Bands beschäftigt, bis 2005 das Projekt in Form eines Konzertes in Genf (gemeinsam mit zwei anderen Musikern) sichtbare Gestalt annahm, und schlussendlich auf diesem 11-Track Album, nach dem Namen des Duos nüchtern November genannt, verewigt wurde.

    "Musik der Elemente"

    November wird für diejenigen, die Jones and Trontins Bands bereits kennen, nicht überraschend klingen. Die "Musik der Elemente", die Ambient-Kurve, die The Young Gods seit Music for Artificial Clouds (2004) eingeschlagen haben, sind auch hier zugegen. Aber November erinnert auch stark an die Musik von Geir Jenssen’s Biosphere: sowohl durch das Gewebe der Sounds und die pulsierenden Rhythmen als auch durch die auftauchenden kleinen Melodien, die in Loops müden: wie auf "Bluebook" oder in der Mitte von "The consul’s vision" (eine Referenz auf Malcom Lowry’s Unter dem Vulkan?). Die Stimme von Simon Huw Jones bewegt sich zwischen Singen und Sprechen, sie bringt eine Tiefe in die ätherische Atmosphäre, erreicht melancholische Momente und generiert dessen Erzeugers bevorzugtes Thema: Landschaften als Spiegelungen von Gefühlen.

    Beides, Stimme und Musik, arbeiten perfekt zusammen. November rieselt wie ein ruhiger Bach. Nur hin und wieder wünscht man sich, auf dem Weg auch ein paar Mäandern zu begegnen. (cra+)

    • November (Shayo 2006)
      foto: shayo

      November (Shayo 2006)

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