Drei Väter, eine Mutter und Millionen wert

29. November 2006, 10:41
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Angelika Kauffmanns Porträt kann nur noch am Montag umgetauscht werden

Der Erfolg hat viele Väter, heißt es, und in diesem Fall stimmt es ganz sicher: Drei Männer und eine Mutter haben Angelika Kauffmann auf die Welt gebracht. Zumindest ihre Papierform. Eine Form, die Millionen Österreicher und Österreicherinnen seit dem 19. Oktober 1970 in der Hand gehabt haben - und vor allem in den Geldbörsen, ist das Werk vieler Väter doch die 100-Schilling-Banknote mit dem Porträt eine der bedeutendsten Malerinnen des 18. Jahrhunderts, die nur noch bis zum kommenden Montag bei der Nationalbank umgetauscht werden kann.

Das verwendete Bild der am 30. Oktober 1741 im schweizerischen Chur geborenen, aber mit 16 Jahren ins Haus des (leiblichen) Vaters in Schwarzenberg im Bregenzerwald gezogenen Kauffmann stammt von ihrem englischen Berufskollegen Joshua Reynolds, der damit die erste Hunderter-Vaterfigur ist. Nach Reynolds' im 18. Jahrhundert entstandenem Porträt entwarf Roman Hellmann (Vater Numero zwei) für die Österreichische Nationalbank dann den grünen Schein. Ein Design, das schließlich Maria Laurent und Alfred Nefe (der dritte Vater) als Kupferstecher verwirklichten.

Rund 411 Millionen Stück dieser Banknote wurden schließlich von der Nationalbank gedruckt, wobei es zwei Auflagen gab. Die zweite kam ab dem 1. Juni 1981 auf den "Markt" und wurde in einem neuen Verfahren mit einer so genannten Simultandruckmaschine hergestellt. Übrigens: Dass Kauffmanns Kopf zu sehen ist, war nicht geplant. Vorarlberg sollte zwar zum Zug kommen, allerdings in Form des christlich-sozialen Politikers Jodok Fink. Das Vorhaben wurde verworfen, und so kam die Künstlerin als zweite Frau neben Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner auf einen Schillingschein.

Statistisch gesehen hat der Großteil der 15 mal 7,5 Zentimeter großen Zahlungsmittel den Weg zurück zum Ursprung gefunden. Denn obwohl der Nationalbank noch rund 2,9 Millionen Stück im Gegenwert von 21 Millionen Euro fehlen: Das sind nur 0,7 Prozent der ausgegebenen Scheine. Die Menschen hatten ja auch lange genug Zeit für die Rückgabe: Eingezogen wurden die Banknoten schon ab dem 28. November 1986.

Während das Geld mit ihrem Kopf "made in Austria" ist, spielte sich das Leben der realen Angelika Kauffmann eher nur außerhalb Österreichs ab. Nur sechs Jahre lebte sie in Vorarlberg, wo im kommenden Jahr dennoch ihr 200. Geburtstag zelebriert wird. Mit 22 Jahren ging sie nach Italien, 1766 nach England, wo sie zwei Jahre später als einzige Frau Gründungsmitglied der Royal Academy wurde.

Ab 1782 lebte sie mit ihrem zweiten Mann (der erste war ein Heiratsschwindler und brannte mit ihrem Geld durch) dann in Italien, wo sie am 5. Jänner 1807 in Rom starb. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print, 25./26.11.2006)

  • Konterfei von Angelika Kauffmann auf der 100 Schilling Banknote.
    foto: standard
    Konterfei von Angelika Kauffmann auf der 100 Schilling Banknote.
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