Winterspeck, angesetzt ab Hof

2. März 2007, 16:55
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Grenzenlos zunehmen - in Bauernhöfen diesseits und jenseits der Karawanken

Darf's a bissale mehr sein? Gerne. Nach dem Ausritt auf dem Rücken eines Islandpferdes hat man sich die kräftige Jause verdient. Über vierzig dieser klein gewachsenen und stämmigen Reittiere stehen auf dem Bauernhof Köck, einem von insgesamt 307 Urlaubsbauernhöfen in Kärnten, auf der Weide - zum Pläsier der Gäste und vor allem der Kinder. Auf einer Seehöhe von 750 Metern gelegen, hat man vom Bauernhof auf der Pollenitz im Bezirk Feldkirchen eine gute Aussicht auf den nahe gelegenen Ossiachersee.

Eben jene habe den hauseigenen Hendln so sehr gefehlt, als sie während der Vogelgrippe-Panik im Stall bleiben mussten, dass sie daraufhin weniger Eier gelegt hätten, erzählt Landwirtin und Hausherrin Erna Köck.

Aber zurück zur Jause und gleich vorweg: Die Kalorientabelle und das schlechte Gewissen sollte man bei einem Genussurlaub am Bauernhof am besten zu Hause lassen. Wenn schon genießen, dann gscheit. Denn es kommt Traditionell-Herzhaftes auf den Teller: Speck vom Wollschwein, Schinken, Salami, Käse, Stutenmilch, Aufstriche etc. - alles aus der jeweiligen hauseigenen Produktion. Zum Abschluss und zwischendurch auch der eine oder andere Edelbrand.

Der wird etwa in der Obstbauregion Lavanttal hergestellt, wo sich vierhundert bäuerliche Betriebe zum Verein "Mostbarkeiten" zusammengeschlossen haben. Brennpunkt dieser Aktivitäten ist der renovierte Zogglhof, ein ehemaliges Wirtschafts- und Stallgebäude des Benediktinerstifts St. Paul. Hier entstehen neben Most und Säften feinste Schnäpse aus heimischen Früchten, etwa dem Lavanttaler Bananenapfel. Einer speziellen Apfelsorte aus den USA, die tatsächlich nach Banane schmeckt.

Interessant sind auch die unterschiedlichsten Gewürzessigsorten, von Safran-, über Himbeer- bis zu Metessig, die am Zogglhof produziert und größtenteils vom Gewürzmittelerzeuger Kotányi vertrieben werden und längst ihren Weg in die Kochtöpfe der lokalen Gasthöfe gefunden haben.

Aber nicht nur kulinarisch hinterlassen die Obstbauern ihre Spuren: Über zehntausend Obstbäume wurden in den letzten Jahren im Tal neu gepflanzt.

Vier Saisonen Appetit

Da Genuss vor den Karawanken nicht Halt macht, wurde das länderübergreifende Projekt "Grenzenlos genießen" - und das in jeder Saison - ins Leben gerufen. Ein Interreg-IIIA-Programm mit Geldern der Europäischen Union - mit Partner-Landwirtschaften in Slowenien und Friaul-Julisch-Venetien.

Der Bauernhof der Familie Topolaek etwa liegt bei Slovenske Konjice, in der Nähe der Stadt Celje auf einem Hügel inmitten der Weinberge. Das ältere der beiden Bauernhäuser trägt den Namen der Tochter des Hauses: Uraka. Sie ist es auch, die das Essen serviert, das ihre Mutter in der Küche zubereitet hat. Zu Kastaniensuppe, Schweinefilet und "Loparnica" - einer traditionellen Speise, die sich schichtweise aus Buchweizenpalatschinken und mehreren Gemüsesorten zusammensetzt - gibt es Wein aus Eigenbau. Um den kümmert sich der Papa, während der Opa zur Unterhaltung der zahlreichen Gäste die Ziehharmonika hervorholt. Sollte das Fleisch einmal knapp werden, wird eben geschlachtet, verspricht die Hausherrin.

Im Stall der Familie Mulej, deren Hof im Dorf Selo, nahe Bled, zu finden ist, stehen rund vierzig Kühe. Die frische Milch und das Jogurt können dann zum Frühstück genossen werden. Deftiger ist jedenfalls der Buchweizensterz mit Grammeln. Ebenfalls mit Milch aufgegossen ergibt das ein ausgesprochen üppiges Bauern-Müsli, aber nach dem Melken eine dennoch gut verdauliche Kalorienbombe.

Weniger hart arbeitenden Genießern sei eine Runde um den Bleder See nahe gelegt. Oder ein Ausflug an den Bohinj See, in dem sich die Berge ringsherum auf der glatten Oberfläche des kristallklaren Wassers spiegeln. Im späten Herbst, wenn die Nebelschwaden durch das Bohinj-Tal ziehen, zeigt diese gnadenlose Idylle dem Winter noch ein letztes Mal die kalte Schulter. (Markus Böhm/Der Standard/Printausgabe/25./26.11.2006)

  • Urlaub am Bauernhof. Kann auch mit (Bohinj-)Seeblick und im Winter gebucht werden.
    foto: slovenia.info/b. kladnik

    Urlaub am Bauernhof. Kann auch mit (Bohinj-)Seeblick und im Winter gebucht werden.

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