Frauen wollen Lebensglück vor Karriere

26. November 2006, 17:00
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Frauen stellen ein zufriedenes Privatleben vor Aufstieg im Job - Familienplanung allerdings genießt bei Männern einen höheren Stellenwert

Die Lebensziele von Frauen und Männern sind in Österreich offenbar ziemlich verschieden: Während Frauen überwiegend ein "zufrieden stellendes Privatleben" an die erste Stelle rücken (43 Prozent), streben Männer zuallererst eine berufliche Karriere (34 Prozent) an. Privates Glück rangiert bei den Männern mit 28 Prozent ganz deutlich abgeschlagen.

Frauen wollen zwar einen "erfüllenden, herausfordernden Job" (35 Prozent), das Thema "Karriere" wird aber nur von 31 Prozent als Lebensziel genannt. "Selbstverwirklichung" und "Wohlstand" spielen da mit je 37 Prozent noch eine größere Rolle.

Das ergab eine aktuelle Studie der Karmasin Motivforschung unter 180 Frauen und Männern, eingeteilt in Studienabgänger, mittlere Manager und Top-Führungskräfte im Auftrag von Manuela Lindlbauer (Lindlpower Personalberatung).

Die Frage der finanziellen Unabhängigkeit ist für beide Geschlechter in gleicher Weise sehr wichtig. Allerdings ist Männern "den Partner fürs Leben finden" deutlich wichtiger als Frauen und: Für Männer ist Familienplanung sehr wichtig, für Frauen spielt dies hinsichtlich der Lebensziele eine untergeordnete Bedeutung. Vor allem, je besser gebildet und je höher sie im Job positioniert sind. Lindlbauer: "Das hat mich überrascht, wie stark dieses Thema bei Männern ist." Die Vermutung: Familie gilt bei Männern als Imagefaktor und als sozialer Status.

Einig sind sich Männer und Frauen aber darin, dass primär die Frage der Familiengründung den beruflichen Aufstieg der Frauen hemme, wobei Männer wesentlich stärker (68 Prozent) davon überzeugt sind als Frauen selbst (26 Prozent). Etliche Frauen sagen zudem, dass sie sich Führungsfunktionen nicht zutrauen und ihnen die Netzwerke fehlen. Männer haben ihre Führungsfunktion deutlich bewusster angestrebt (65 Prozent) als Frauen (56 Prozent). Bei den Berufseinsteigern streben Männer zu 77 Prozent einen Chefsessel an, Frauen zu 53 Prozent.

Frauen meinen, dafür vorwiegend Sozialkompetenz zu brauchen, Männer Fachkompetenz. Frauen, die nicht führen wollen, begründen dies mit "zu viel Verantwortung" und einem Fehlen der persönlichen Voraussetzungen. Sie würden solche Angebote auch weniger gern annehmen.

(Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 25./26.11.2006)

Link:

Lindlpower

Manuela Lindlbauer, auf Frauen spezialisierte Personalberaterin, hat die Karmasin Motivforschung erheben lassen.
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    foto: standard/urban
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