Skoceks Zeitlupe: Wien, die Drohung

2. März 2007, 14:13
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Als wären die Bäume rund ums Happel-Stadion ein politischer Gegner

Der Wiener SP-Gemeinderat Heinz Vettermann begründete am Mittwoch im Gemeinderat das Fällen der Bäume vor dem Happel-Stadion so: "Bei der Sicherheit kann es keine politischen Kompromisse geben." Als wären die Bäume ein politischer Gegner. Wahrscheinlich vermischte er das Bäumeumschneiden in ein und demselben Satz mit der Weigerung, die Gegenargumente der Grünen zu prüfen.

Die in Sicherheitsfragen extrem pingelige UEFA verlangte die Entfernung des "Baumbestandes" nicht. Wie autoritär und weltfremd Wiens SPÖ im Sport agiert, zeigt schon die vor Jahren erlittene Vision der Sportstadträtin Grete Laska, Olympische Sommerspiele im und ums Praterstadion organisieren zu wollen. Wenn eine europäische Hauptstadt dafür schlecht ausgerüstet ist, dann Wien. Dazu braucht man nicht einmal das im internationalen Vergleich anachronistische Happel-Stadion anzuführen.

Während der Eishockey-Weltmeisterschaft brachten die Verantwortlichen von Verband und Stadthalle nicht einmal anständiges Eis zustande. Die Verkehrsplanung der Stadt ist so unterm Hund, dass schon die Ankündigung eines Verkehrskonzeptes für die EM 2008 Staus provoziert. Vorerst adrenalinmäßig. Die Ausstattung mit Sporthallen und wettkampftauglichen Schwimmhallen ist nicht einmal mangelhaft.

Die Faulheit der Verwaltung passt allerdings zur Faulheit des Publikums. Selbst die Rapid zieht mit rund 15.000 Zuschauern pro Heimspiel für die populärste Elf einer Metropole wenig Leute an, die Austria mit kaum 7000 Fans pro Match erreicht kaum das Niveau der deutschen Regionalliga. Aber das soll sich mit dem Deal zwischen Bürgermeister Michael Häupl und Betriebsführer Frank Stronach ja ändern, das Entwicklungsareal Rothneusiedl zwecks Stadion- und EKZ-Errichtung der Austria zu schenken. (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 24. November 2006)

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