Internationaler Strafgerichtshof erwägt Verfahren wegen Darfur

5. Februar 2007, 13:33
4 Postings

Vier Millionen Menschen in der Region brauchen laut UNO dringend Hilfe - Konflikt forderte seit 2002 über 200.000 Tote

Den Haag/New York - Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag steht wegen Verbrechen in der sudanesischen Krisenregion Darfur vor der Einleitung von Verfahren. Es sei gelungen, die schwersten Vorkommnisse und einige der mutmaßlich dafür Verantwortlichen zu identifizieren, erklärte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo am Donnerstag in Den Haag. Den Ermittlern lägen Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wie Mord, Raub, Folter, Angriffe auf Zivilpersonen und gewaltsame Vertreibungen vor.

Ermittler hätten in 17 verschiedenen Ländern mit Opfern und Augenzeugen gesprochen, sagte Moreno-Ocampo. Wegen der andauernden Gewalt seien in Darfur selbst aber keine Ermittlungen möglich gewesen. Die sudanesischen Behörden hätten einen Bericht vorgelegt, wonach von 2003 bis 2004 von allen Konfliktparteien schwere Verbrechen begangen worden seien. Der Gerichtshof der Vereinten Nationen, der 2002 seine Arbeit aufnahm, schreitet nur ein, wenn ein Land nicht willens oder in der Lage ist, selbst gegen Verdächtige vorzugehen.

Vier Millionen auf Hilfe angewiesen

In der Krisenregion sind nach UNO-Angaben vier Millionen Sudanesen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Arabische Milizen und Rebellen hätten ihre Angriffe auf die Bewohner des Gebiets verstärkt wieder aufgenommen, erklärte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, am Mittwoch in New York. Dörfer würden geplündert und niedergebrannt. Egeland sprach von einer dramatischen Verschlechterung der Lage seit seinem ersten Besuch in Darfur 2004. Damals hätte eine Million Menschen dringend Hilfe benötigt.

Egeland warf der sudanesischen Regierung, den von ihr unterstützten arabischen Milizen und Rebellengruppen vor, den Konflikt anzuheizen. Die internationale Gemeinschaft kritisierte Egeland, weil sie es entgegen der 2005 auf einem UNO-Gipfel getroffenen Zusagen versäumt habe, die Zivilbevölkerung zu schützen.

Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2003 kamen in Darfur mehr als 200.000 Menschen ums Leben. 2,5 Millionen Einwohner wurden vertrieben. (APA/AP)

  • Sudanesisches Flüchtlingscamp
    foto: alfred de montesquiou

    Sudanesisches Flüchtlingscamp

Share if you care.