Dietmar Trummer: "Alle Inhalte zulassen, die die User bewegen"

26. September 2007, 16:39
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Hochegger|Com- Geschäftsführer und PR-Staatspreis- Gewinner über Demokratisierung der Medienlandschaft und Tipps, wie man Blogs am besten einsetzt

Für den Einsatz und die Evaluierung von Weblogs und Podcasts für Melchiors Antarctica-Projekt wurde die Bank Austria Creditanstalt wie berichtet mit dem diesjährigen PR-Staatspreis ausgezeichnet, die Umsetzung dazu kam von Hochegger|Com-Tochter M@rtrix . Geschäftsführer Dietmar Trummer erklärt im etat.at-Interview mit Astrid Ebenführer, wie man Weblogs als PR-Tool am besten einsetzt, welche Spielregeln es dabei zu beachten gilt und wie das Antarctica-Projekt zustande kam.

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etat.at: Hierzulande steckt der Einsatz von Werblogs und Podcasts als PR-Tool noch in den Kinderschuhen. Warum? Wovor fürchten sich Unternehmen? Was sind Ihrer Meinung nach die Ressentiments gegenüber Blogs und wie lassen sich diese abbauen?

Trummer: Weblogs und Podcasts sind an sich ja junge Instrumentarien. Ich glaube nicht, dass Unternehmen sich davor fürchten, sondern dass einfach noch eine gewisse Unsicherheit besteht, wann und wie sie sinnvoll einzusetzen sind. Dazu kommt der meist fehlende Zugriff auf entsprechendes Umsetzungs-Know How. Hier haben wir als Hochegger|Com eine sehr schöne Position, die strategische PR-Kompetenz gemeinsam mit unserer Tochterfirma und Onlinemarketingspezialisten M@rtrix zu bündeln.

Natürlich haben Unternehmen fallweise auch Vorbehalte gegenüber Kommunikationsformen, bei denen sie die inhaltliche Hoheit aus der Hand geben, wie es bei Weblogs naturgemäß der Fall ist.

etat.at: Wie schätzen Sie hier (auch die zeitliche) die Entwicklung ein? Werden sich Blogs künftig als PR-Tool etablieren?

Trummer: Blogs sind gerade dabei, sich als PR-Tool zu etablieren. Die Demokratisierung der Medienlandschaft ist ein Phänomen, dem sich PR-Manager stellen müssen. Denn in Zukunft werden interaktive Plattformen, bei denen die User selbst Inhalte anbieten (Stichwort "user-generated-content") stark an Bedeutung gewinnen. Man kann Blogs dabei auch als "two-way-symmetric" Kommunikation sehen, denn das Unternehmen tritt auf sehr direkte, unmittelbare Weise mit seinen Dialoggruppen in Kontakt.

etat.at: Welche Spielregeln müssen PR-Praktiker gegenüber Bloggern beachten. Ihre Tipps?

Trummer: Kommunikation auf Augenhöhe bedeutet auch, alle Inhalte zuzulassen, die die User bewegen. Wer absolute Dialogbereitschaft zu seinen Werten zählt, kann sich auf dieses Instrument einlassen.

etat.at: Für welche Kommunikationsaufgaben eignen sich Blogs am besten? Und wann würden Sie vom Einsatz eines Blogs abraten?

Trummer: Blogs eignen sich besonders, um den unmittelbaren Erlebniswert zu transportieren. Ich bin auch überzeugt, dass man Produktentwicklungen mit dem Feedback von Bloggern effizient vorantreiben kann. Abraten würde ich allen, die - aus welchen Gründen auch immer - öffentlich nicht mit offenen Karten spielen können.

etat.at: Von Unternehmen gehostete Corporate- bzw. CEO- oder Executive Blogs können helfen, eine emotionale Bindung zu erzeugen. Wo sehen Sie hier die Risiken? Was muss beachtet werden?

Trummer: Es sollte darauf geachtet werden, dass die Gesamterscheinung mit dem Unternehmen, seinen Werten und seiner Positionierung harmoniert. Ein sehr schönes Beispiel ist der Weblog von Martin Bredl, dem Unternehmenssprecher von Telekom Austria: bredlbloggt.telekom.at. Hier schreibt ein Experte über sein persönliches Leben in und mit der Informationsgesellschaft - sehr spannend.

etat.at: Zu Weblog/Podcasts für Antarctica-Projekt: Wie entstand die Idee? Wieviele Menschen wurden damit erreicht? Und wie hoch waren die Kosten?

Trummer. Die Idee, das Sponsoring via Weblog zu multiplizieren, kam von unseren Internetprofis der Tochteragentur maRtrix. Sie hatten zu dem Zeitpunkt gerade den Auftrag, die Nutzung von Weblogs für die Öffentlichkeitsarbeit zu untersuchen und haben die Möglichkeiten an Hand dieses Projektes skizziert.

Wir haben nicht gewusst, ob wir die Image-Ziele der BA-CA wirklich erreichen, aber wir waren begeistert von den theoretischen Möglichkeiten, die Erlebnisse der Expedition vom Südpol realtime und interaktiv als Nachrichten zur Verfügung stellen zu können. In den 40 Tagen des Weltrekordversuches verzeichnete die Website über 300.000 Zugriffe.

In insgesamt 42 Weblog-Beiträgen und 24 Podcasts nahmen rund 32.000 Besucher Anteil am Weltrekordversuch. An die 200 Mal wurde von den Usern ein Kommentar abgegeben. Medien der ganzen Welt, u.a. BBC News CBS etc. haben das Medium als Recherchequelle genutzt. Über Kosten geben wir keine Auskunft, das Projekt war aber im Vergleich günstig.

etat.at: Welche Blogs schätzen Sie persönlich? Welche empfehlen Sie PR-Verantwortlichen, die sich mit der Blogthematik beschäftigen wollen?

Trummer: bredlbloggt.telekom.at als Favorit. prblogger.de bietet gute grundsätzliche Infos über das Medium.

Zur Person
Dietmar Trummer ist Geschäftsführer von Hochegger|Com, die Agentur gewann mit Bank Austria Creditsanstalt den PR-Staatspreis 2006 für das Antarctica-Projekt von Wolfgang Melchior.

Zum Thema
PR-Staatspreis 2006 an BA-CA für Melchiors Antarctica-Projekt - Agentur: Hochegger|Com - "Kommunikatoren des Jahres": Margit Fischer und Rainer Riedl - Innovationspreis an "Buntes Fernsehen" von Telekom/Sonovista - Mit Ansichtssache

Links
Hochegger|Com
maRtrix

  • Hochegger|Com-Geschäftsführer Dietmar Trummer.
    foto: hochegger|com

    Hochegger|Com-Geschäftsführer Dietmar Trummer.

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