Warhol-Mao-Erlöse: Varianten eines großen Vorsitzenden

22. November 2006, 19:59
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Ein Blick auf den Markt von Arbeiten Andy Warhols: Allein vergangene Woche wechselten 79 Werke des Pop-Artisten den Besitzer

Mao ist eben nicht gleich Mao: Der eine brachte 2,25 der andere 17,37 Millionen.


New York - Das Serielle ist nicht nur charakteristischer Teil der Warhol'schen Kunst, sondern spiegelt sich in der Abfolge der Besitzerwechsel auch auf dem gegenwärtigen Kunstmarkt: Allein vergangene Woche kamen innerhalb dreier Tage nicht weniger als 79 seiner Werke in Auktionssälen unter den Hammer! Das ist rekordverdächtig, wiewohl Warhol seit Jahrzehnten zu den bestverkauften Künstlern und damit fixen Umsatzbringern gehört.

Der Wert seiner Arbeiten steigt ständig. Hätte man 1997 100 Euro in eine seiner Arbeiten investiert, könnte man sich nun über einen Reingewinn von 259 Euro freuen. Allein 2005 schlugen sich 730 Warhols auf dem Auktionsmarkt mit mehr als 87,48 Millionen Dollar zu Buche - nur Kollege Picasso bringt mehr (2005: 155,71 Millionen mit 1646 Arbeiten).

Nicht weniger als 8216 Einträge listet die amerikanische Kunstpreisdatenbank - zum Vergleich: Von Egon Schiele sind es keine 800, von Picasso mehr als 20.000. Die Mehrheit der aktuellen Zuschläge wurden für Gemälde (54) erzielt, gefolgt von Zeichnungen (12) sowie Grafiken, Fotos (je 5) und Skulpturen (3).

Die Preisgestaltung ist völlig unterschiedlich, orientiert sich an Häufigkeit, Farbgestaltung und vor allem Provenienz. Am Beispiel Maos - den Warhol am Höhepunkt der Kulturrevolution in seine Motivwelt aufnahm - geschildert: Nicht weniger als vier Porträts des "Großen Vorsitzenden" wechselten für völlig unterschiedliche Preise den Besitzer - und posthum stieß er gleichzeitig die bisherige Wahrhol-Ikone laut Christie's vom Thron. Seit 1998 galt die 101 mal 101 cm große orange Marilyn von 1964 mit 17,32 Millionen Dollar (Sotheby's, 14. 5. 1998) als teuerstes Warhol-Werk - auch die am 15. 11. bei Christie's versteigerte halb so große Version konnte ihr mit 16,25 Millionen Dollar nicht das Wasser reichen.

Diesen Titel beansprucht Christie's jetzt mit dem aus der Sammlung Daros stammenden Mao, für den der 451.-reichste Mensch der Welt, der Hongkonger Joseph Lau brutto 17,37 Millionen Dollar zu zahlen bereit war. Diese Kalkulation stimmt allerdings nur auf Basis der Bruttopreise, d. h. die Provisionen der Auktionshäuser inkludierend. Ist die Grundlage der Hammerpreis, hat die Sotheby's-Marilyn mit 15,75 Millionen gegenüber Maos 15,5 noch immer die Nase vorn.

Am selben Tag brachte bei Sotheby's das mit 30 mal 25 cm kleinere Porträt netto 190.000 Dollar, Christie's erzielte anderntags für eine übermalte, signierte und datierte Version 1,3 Millionen Dollar. Einträglicher präsentierte sich der Vorsitzende dann dank entsprechender Provenienz am 16. November bei Sotheby's. Die 30,5 mal 25,3 cm große Acrylversion aus dem Besitz David Whitneys reichte man für netto zwei Millionen Dollar weiter - es war 1972 ein Weihnachtsgeschenk Warhols an den legendären amerikanischen Museumskurator gewesen. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2006)

  • Der blaue "Mao" bei Christie's netto 15,5 Millionen, der bunte bei Sotheby's netto zwei Millionen Dollar.
    foto: christie's/sotheby's

    Der blaue "Mao" bei Christie's netto 15,5 Millionen, der bunte bei Sotheby's netto zwei Millionen Dollar.

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