Fernsehen zum Que(e)rsehen

22. November 2006, 13:36
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Erika Weinzierl-Preis 2006 für Abschlussarbeit an der der Uni Salzburg über weibliche Homosexualität im TV

Dass es auch in deutschsprachigen Vorabendserien für die Wissenschaft Interessantes zu entdecken gibt, zeigt Verena Faißner in ihrer Diplomarbeit, die am 27.11. mit dem Erika Weinzierl-Preis ausgezeichnet wurde. Die Arbeit mit dem klingenden Titel "Die Repräsentation weiblicher Homosexualität im fiktionalen Fernsehen am Beispiel 'Berlin, Berlin' und 'Hinter Gittern – der Frauenknast' erkundet 'das noch relativ junge Phänomen des Auftretens lesbischer Charaktere in Fernsehserien" anhand zweier deutscher Serien. Faißners Arbeit belegt in origineller und bestechender Art und Weise, dass die Darstellung lesbischer Frauen in den zwei untersuchten Fernsehserien ganz unterschiedliche Charakteristika aufweist und keineswegs gängigen Klischees folgt.

Reflexionstiefe

Ingrid Bauer, Fachbereich für Geschichts- und Politikwissenschaft, betonte in ihrer Laudatio, dass die Jury Faißners Diplomarbeit nicht nur wegen ihrer überdurchschnittlichen wissenschaftlichen Qualität und Reflexionstiefe auszeichnete. Die Autorin betritt auch thematisch Neuland in ihrem Fach, den Kommunikationswissenschaften. Darüber hinaus hat ihre Untersuchung der Repräsentation weiblicher Homosexualität in einem Massenmedium wie dem Fernsehen auch eine demokratiepolitische Dimension: Berührt sie doch die Frage, welche Formen der Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Lebens, Liebens und Begehrens von einer heteronormativen Logik zugelassen werden. Nicht-stereotype, differenzierte, vielschichtige Wahrnehmbarkeit und Egalisierung von Partizipationsbedingungen sind immer eng miteinander verknüpft.

Zum dritten Mal vergeben

Der Erika Weinzierl-Preis für hervorragende Diplomarbeiten und Dissertationen zu frauen- bzw. geschlechtsspezifischen Fragestellungen wurde 2006 bereits zum dritten Mal vergeben. Initiiert wurde er von gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung der Universität Salzburg und wird von den Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg gestiftet. (red)

Preisverleihung

27. November 2006, 19.00 Uhr
Abgusssammlung Antiker Plastiken, Alte Residenz, Residenzplatz 1, 5020 Salzburg

Link

gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung der Universität Salzburg

HINTERGRUND

Die Namensgeberin des Preises, em. Prof. Erika Weinzierl, die Grande Dame der österreichischen Zeitgeschichtsforschung, war eine der ersten Professorinnen Österreichs und in dieser Position auch an der Universität Salzburg tätig. Ihr 1975 erschienenes Buch "Emanzipation? Österreichische Frauen im 20. Jahrhundert" gilt heute als Pionierarbeit und war die erste öffentlichkeitswirksame Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität von Frauen in Österreich.
  • Die ausgezeichnete Arbeit von Verena Faißner stellt die Frage, welche Formen der Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Lebens, Liebens und Begehrens von einer heteronormativen Logik zugelassen werden.
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    Die ausgezeichnete Arbeit von Verena Faißner stellt die Frage, welche Formen der Sichtbarkeit gleichgeschlechtlichen Lebens, Liebens und Begehrens von einer heteronormativen Logik zugelassen werden.
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