Bier wird empfindlich teurer

30. Jänner 2007, 12:41
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Teure Rohstoffe und Energiekosten bringen das Fass zum Überlau­fen: Preiser­höhungen um bis zu zehn Prozent sind zu erwarten - Brau Union, Stiegl, Ottakringer rechnen noch

Wien - Nächstes Jahr planen einige Brauereien saftige Bierpreiserhöhungen. Als Grund geben sie die verschärfte Rohstoffsituation und stetig steigende Energiepreise an. Noch wird in der Bierbranche gepokert. Kein Konzern will der erste sein, der den unpopulären Preissprung wagt, berichtet das "WirtschaftsBlatt" in seiner Mittwoch-Ausgabe. "Die Bierpreiserhöhung wird kommen müssen", sagt Villacher Brauerei-Vorstand Johann Stockbauer: "Der Branche insgesamt täten sechs Prozent gut."

Schlechte Ernte

Er rechne damit, dass es bei Villacher Bier im Frühjahr mit einer "vernünftigen" Preiserhöhung soweit sein wird. Das Thema sei extrem belegbar. "Wenn der Hopfen heute das Vierfache vom Preis kostet, ist das dramatisch." Eine ähnlich schlechte Ernte-Situation gebe es - international gesehen - beim Getreide. "Die Braugerste kostet heuer zwischen 20 und 25 Prozent mehr als im Vorjahr", verweist Egger Bier-Chef Bernhard Prosser auf die europaweite Preissituation.

Wer für das nächste Jahr keine Hopfen- und Malz-Verträge hat, steht somit vor einem Riesenproblem. "Wir bräuchten eine Preiserhöhung von zehn bis 20 Prozent", so Prosser. Er wisse, das sei nicht durchzubringen. Aber mit Jahresanfang will Egger Bier seinen Bierpreis um zehn Prozent erhöhen. "Gespräche mit dem Handel führen wir bereits."

Durch Verträge im nächsten Jahr weitgehend abgesichert sind hingegen die heimische Brau Union, Stiegl und Ottakringer.

Preisauftrieb bei Rohstoffen

Die Brau Union bezieht 80 Prozent ihrer Braugerste, aber nur 40 Prozent ihres Hopfens aus österreichischer Landwirtschaft. Hierzulande sei der Preisauftrieb für die Rohstoffe nicht so eklatant wie international. "Schlimm sind eher die höheren Energiepreise", sagte Brau-Union-Sprecherin Veronika Fiereder. Eine Preiserhöhung sei jedenfalls vorerst nicht fix: "Wir sind noch am Rechnen und Überprüfen", so Fiereder. Gleiches gilt für Ottakringer: "Es wird eng werden", sagt Sprecher Thomas Sautner. "Aber wir haben immer geschaut, wenn erhöht werden muss, bei den Letzten dabei zu sein." Auch Stiegl-Chef Heinrich Dieter Kiener wartet noch zu: "Kurzfristig versuchen wir, unseren Bier-Preis zu halten."

Die anhaltend hohen Energiekosten machen allen Brauern zu schaffen. "Wir sparen zwar durch modernste Technik so viel Energie wie möglich, die zusätzlichen Belastungen konnten aber dadurch nicht zu 100 Prozent kompensiert werden", sagte der Stiegl-Chef. "Kurzfristig versuchen wir unseren Bier-Preis zu halten." Ob alle Maßnahmen mittelfristig ausreichen, könne Kiener zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilen.

"In ganz Europa wird sich keine Brauerei leisten können, die Belastungen nicht weiterzugeben", ist Egger-Chef Prosser überzeugt. Es gehe hier nicht um ein, zwei Prozent, sondern um zweistellige Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Energie. So haben die Energiekosten bei Egger in den vergangenen drei Jahren um 57 Prozent zugenommen. Bei Villacher Bier-Chef Stockbauer schlugen die Energiekosten um etwa 40 Prozent mehr an.

Aluminiumkosten steigen

Stockbauer ist glücklich, nicht im Dosensegment tätig zu sein: Denn bei den derzeitigen Aluminium-Preisen könne man keine Bierdose mehr vernünftig verkaufen. Dosen-Profis wie Egger, Ottakringer und Schwechater könnten ein Lied davon singen. Rechnet man bei einem Dosenpreis von 59 Cent im Supermarkt die Bier- und Mehrwertsteuer raus, fressen die Alu-Verpackung und der Aufdruck locker ein Drittel, sodass Handel und Brauer gerade mal 25 Cent zusammen bleiben. Bei einem verkauften 3,20-Euro-Krügel im Wirtshaus bleiben dem Brauer durchschnittlich 75 Cent zur Abdeckung seiner Kosten. (APA)

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