Spielefest: Eine Messe, die ein Fest ist

24. November 2006, 21:19
posten

Beim 22. Wiener Spielefest im Austria Center ein Wochenende lang gespielt werden, Verpflichtung zum Kauf gibt es keine

Wien – „Das ist eine komische Messe“, meint der Spieleerfinder Arne Lauwers, als er sich umschaut. „Also, man hat das Gefühl, dass sie einfach ein gutes Argument ist, um schulfrei zu bekommen.“ Sein neuestes Spiel, Project X, ist ein Partyspiel, dessen zentrales Element neben Karten und Würfeln neun Spielfelder im „Doodle-Stil“ sind, für den sich Eugene, der auch für MTV und Nickelodeon arbeitet, verantwortlich zeichnet. Auf seinen drei Stapeln Spiele wird er nach den drei Tagen Spielefest (24. bis 26. November) im Austria Center in Kaisermühlen womöglich sitzen bleiben, denn bei diesem Ereignis geht es um das Spiel und nicht um den Verkauf, erklärt Ferdinand de Cassan, der Mann, der es heuer zum 22. Mal veranstaltet.

Bewährtes am beliebtesten

2005 habe er 820 neue Spiele ausprobiert, Spiele, die es nie in den Handel schaffen, meint er. Zwar würden die Spieler immer nach Neuem verlangen, aber meist schaffen es nur die Bewährten, wie Activity oder DKT mit vier Millionen beziehungsweise 30.000 verkauften Spielen, unter den Weihnachtsbaum. Wie de Cassan kennt auch Lauwers das Spielverhalten in verschiedenen Länder: Je weiter südlich, desto einfacher und kürzer müsse das Spiel sein, sagt der Belgier. Erklärung dafür sei das Wetter.

Nicht umsonst findet die Spieleparty am letzten Novemberwochenende vor dem Advent statt. Laut Warengruppe „Spiele und Puzzles“ wurde heuer ein Umsatzplus von 6,6 Prozent erwirtschaftet, im Vergleich betrug das Gesamtwachstum des Handels 1,2 Prozent. Grund für die positive Zahl seien Spiele wie Activity, die Einzug in das Fernsehen halten, und dass sich Bücher wie etwa Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod, als Spiel wiederfinden.

Auch heuer werden wieder mehr als 70.000 Besucher erwartet, am ersten Tag haben überwiegend Schüler die 1500 Spieltische beziehungsweise Konsolen bevölkert. Neben den mehr als 5000 Spielen sind auch die vielen Süßigkeiten, die man kaufen kann, ein Anziehungspunkt, Cornflakes und Müsli gibt es allerdings gratis.

Spaß an der Rolle

Von Karten- über Brett- bis zu Computerspielen sind alle Sparten, die den Österreichern Spaß machen könnten, vertreten. Doch lassen sich auf diesem Fest auch Ritter, Star-Trekkies oder Hogwarts-Schüler (das Schulschloss von Harry Potter) blicken, bloß sind sie längst nicht mehr im Schulalter. Sie repräsentieren auf dem Spielefest die Gruppe der Live-Rollenspieler.

Ein paar Mal im Jahr werde eine Burg gemietet und lade man die Spieler ein, erzählt der Informatiker Karl Heinz Kwech, der in einem Ritterkostüm samt Kettenhemd steckt, von seiner Sparte, dem Fantasy-Bereich. Die fiktive Handlung sei meist ein Kampf zwischen Gut und Böse, den ein Wochenende lang die Spieler in ihren Rollen austragen.

Das Spielen selbst soll Spaß machen, und wenn jemand „zum für ihn optimal geeigneten Spiel“ geführt wird, hat de Cassan sein Ziel erreicht. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 25./26.11.2006)

22. Österreichisches Spielfest
Austria Center Vienna
Bruno-Kreisky-Platz 1
1220 Wien

24.-26.11., 9-19 Uhr

Link
www.spielefest.at
  • Rund 70.000 Menschen werden zu Österreichs größtem Spielefest von 24. bis 26. November im Austria Center Vienna erwartet.
    www.spielefest.at

    Rund 70.000 Menschen werden zu Österreichs größtem Spielefest von 24. bis 26. November im Austria Center Vienna erwartet.

  • Kinder sind in der Überzahl, aber nicht die Einzigen, die beim 22. Spielefest zum Spielen kommen
    foto: cremer

    Kinder sind in der Überzahl, aber nicht die Einzigen, die beim 22. Spielefest zum Spielen kommen

Share if you care.