Computerspiele-Hersteller weist Verbotsforderungen zurück

30. März 2007, 11:28
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Electronic Arts: "Es sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass dieses Problem nicht gelöst wird, wenn eine Kategorie von Spielen verboten wird"

Der weltweit größte Computerspiele-Hersteller Electronic Arts (EA) hat das von Politikern geforderte Verbot von gewalttätigen Computerspielen nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen an einer Schule im Emsdetten zurückgewiesen. "Es sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass dieses Problem nicht gelöst wird, wenn eine Kategorie von Spielen verboten wird", sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag.

"Counterstrike"

EA verteibt den so genannten Ego-Shooter "Counterstrike", der wegen seiner Realitätsnähe und seiner Brutalität immer wieder in der öffentlichen Kritik stand. Bei Ego-Shootern tritt der Spieler aus der Ich-Perspektive schwerbewaffnet gegen seine virtuellen Gegner an. Sowohl der Emsdettener Amokläufer als auch Robert Steinhäuser, der 2002 in einer Erfurter Schule 16 Menschen uns sich selbst tötete, sollen regelmäßig "Counterstrike" gespielt haben.

Zusammenhang

"Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Spielen und Gewalttätigkeit in der Realität ist nicht erwiesen", sagte der Sprecher. Sein Haus habe "Counterstrike" in Deutschland mehrere hunderttausend Mal verkauft.

Die Debatte über die Wirkung von Computerspielen lenke von der eigentlichen Fragen ab. "Wenn man sich den Abschiedsbrief dieses jungen Menschen vor Augen hält, dann ist das doch ein Dokument der Hoffnungslosigkeit." Der Sprecher räumte ein, dass nicht alle Spiele für alle Altersgruppen geeignet seien. Der Täter von Emsdetten sei allerdings volljährig gewesen. Ein Verbot von PC-Spielen für Erwachsene würde "dem Sinne unserer freiheitlichen Kultur" widersprechen.

Kein Anlass

EA werde den Zwischenfall nicht zum Anlass nehmen, um das umstrittene Spiel vom Markt zu nehmen. Im kommenden Jahr werde das US-Unternehmen wie vorgesehen zudem mit "Crysis" einen weiteren Ego-Shooter herausbringen. Das neue Spiel, das EA im Sommer auf der Fachmesse in Leipzig vorgestellt hatte, gilt streckenweise als noch brutaler und realitätsnaher. (Reuters)

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