Grippemaske als Ladenhüter

27. November 2006, 11:29
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Die auf ministeriellen Verheiß verbilligten Grippemasken bleiben im Supermarkt liegen - Ändert sich das nicht, muss der Staat zahlen

Wien - Die Grippe sei derzeit - wohl auch witterungsbedingt - "kein Thema", und dieser Umstand wirke sich dämpfend auf den Grippeschutzmasken-Absatz aus, meint Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann: "Laufen tut's mäßig", zieht sie zur Halbzeit der von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) initiierten Verkaufsaktion verbilligter Mund-Nase-Masken zur Grippevirusprävention (siehe Wissen) in allen heimischen Supermarkts Zwischenbilanz. "Es hat gut begonnen, aber dann hat die Nachfrage nachgelassen", bestätigt Rewe-Unternehmenssprecherin Corinna Tinkler.

Wie berichtet, hatte Rauch-Kallat den beiden größten heimischen Anbietern - den Firmen Dräger und 3M - die Herstellung von insgesamt acht Millionen Masken schmackhaft gemacht. Ihr Ziel: alle Österreicher mit Mund-Nase-Schutz für den Pandemiefall auszustatten, so wie es die Weltgesundheitsorgansation WHO empfiehlt. Seit Anfang November und noch bis Ende der ersten Dezemberwoche sind die Masken in insgesamt 3300 Spar- und Rewe-Filialen um 11,90 Euro je 20 Stück zu haben - beträchtlich billiger als im Normalverkauf. Doch das Vorsorgeangebot geht keineswegs wie die warmen Semmeln weg.

Zurück an Rauch-Kallat

Dieser Umstand löst bei Spar und Rewe wenig Sorgen aus: "Was nicht verkauft wird, geht zurück. So haben wir es mit dem Ministerium ausgemacht", erläutert Tinkler. Verluste drohten den Supermärkten keine: "Wir haben lediglich den Verkaufsraum zur Verfügung gestellt, weil wir Grippevorsorge für wichtig erachten."

Auch Johann Geist, Produktspezialist für Atemschutz bei der Firma Dräger, reagiert nicht übertrieben nervös auf den fraglichen Verkaufserfolg: Nach Abschluss der Billigmaskenaktion werde das Ministerium Dräger "den Erlös zukommen lassen". Stelle sich heraus, dass dieser niedriger als das Auftragsvolumen ist, sei die Restsumme der Firma vertragsgemäß "bis Mitte 2007 zu überweisen" - aus öffentlichen Geldern. Immerhin habe Dräger aufgrund der vom Ministerium in die Wege geleitete Aktion "doppelt so viele Schutzmasken wie in Normaljahren produziert" - und bei der Firma 3M sei es ähnlich.

"Es wird keine Maske liegen bleiben, davon gehen wir aus", heißt es zu alledem im Büro der Ministerin. Bleibe jedoch der Aktionsverkauf hinter den Hoffnungen zurück - und werde deshalb entschieden, keine weitere Verkaufsaktion zu starten -, "so haben wir vor, die Grippemasken großen heimischen Unternehmen anzubieten". Etwa den ÖBB. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 22.11.2006)

  • Nicht jeder, der bereits Grippeschutzmasken sein Eigen nennt, ist vom Tragekomfort begeistert
    foto: heribert corn

    Nicht jeder, der bereits Grippeschutzmasken sein Eigen nennt, ist vom Tragekomfort begeistert

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