Gratiszeitungen müssen zahlen

26. November 2006, 18:44
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In Graz und Linz verursachen die Gratiszeitungen zu viel Müll - Nun müssen Verleger "aufräumen"

Linz/Graz/Wien – Die zweimonatige Probezeit ist vorbei. An der Ausgangssituation habe sich im Wesentlichen nichts geändert, bestätigt Karin Penn, Pressesprecherin der Linz Linien. Nach wie vor liegt – vor allem in der Früh – seitenweise Papier am Boden oder die Mistkübel quellen über.

Mit dem Start der beiden Gratiszeitungen Oberösterreichs Neue und Heute Ende August bekam Linz ein Abfallproblem. Die Verlage werden jetzt in die Pflicht genommen, so das Ergebnis eines Treffens mit den Involvierten nach der Probezeit.

Reinigungspauschale in Graz

Nicht nur in der oberösterreichischen Landeshauptstadt wird eine deutliche Zunahme von herumfliegendem Papier bemerkt. Auch die Grazer Verkehrsbetriebe (GVB) registrieren eine „enorme Verschmutzung“ in der Stadt seit Heute und OK gratis an den öffentlichen Haltestellen aufliegen. „Wir haben gerade Verträge aufgesetzt, die eine Reinigungspauschale für die Verlage enthalten“, sagt GVB-Presseverantwortliche Katharina Hofmann-Sewera.

2500 Euro Mehrkosten

In Linz ist man schon einen Schritt weiter. Die jeweiligen Verträge seien bereits zum Gegenzeichnen bei den Herausgebern. Künftig sollen sie sich selber um das Sauberhalten jener Haltestellen mit Verteilerboxen kümmern. Die herumliegenden Blätter dürfen aber nicht in öffentliche Mülltonnen, sondern müssen von den Verlagen entsorgt werden. „Wenn das nicht funktioniert, werden wir eine Drittfirma beauftragen und die Kosten den Verlagen in Rechnung stellen“, erläutert Penn. Seit September haben die Linzer Linien pro Monat 2500 Euro mehr für die Reinigung ihrer Haltestellen ausgeben müssen. Die neuralgischen Punkte seien die Umsteigehaltestellen wie Hauptplatz, Taubenmarkt oder Hauptbahnhof. Die ÖBB haben sich bereits von den Herausgebern der Gratiszeitungen vertraglich zusichern lassen, dass ein möglicher zusätzlicher Reinigungsaufwand zu deren Lasten gehe.

Klammer-Vereinbarung

Nach diesem Verursacherprinzip verfährt man auch in Wien. „Aus den Erfahrungen mit dem U-Bahn Express haben die Wiener Linien ihre Lehren gezogen“, erklärt deren Pressesprecher Johann Ehrengruber. Deshalb wurde bereits vor der Erstausgabe von Heute mit Herausgeber Dichand vereinbart, dass die Gratiszeitung nur geklammert verteilt werden dürfe. So kann verhindert werden, dass einzelne Seiten in den U-Bahn-Stationen herumfliegen.

Genau das ist (noch) das Problem in Linz und Graz. Denn in den beiden Städten erscheint Heute ungeklammert, die Konkurrenten sind geheftet. Für Linz, so wurde Bürgermeister Franz Dobusch mitgeteilt, sei aber in nächster Zukunft angedacht, auch das lose Gratisblatt zu heften. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 22.11.2006)

  • Vom Winde verweht: Fliegende Gratisblätter sorgen in Linz und Graz für Ärger
    foto: rubra

    Vom Winde verweht: Fliegende Gratisblätter sorgen in Linz und Graz für Ärger

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