Wiens zweitältestes Kino wird 100

28. November 2006, 13:37
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Das Schikaneder, heute eine Mischung aus Kino und Szenelokal, feiert mit "offenem Kinosaal", neuem Magazin, Under­ground-Filmen - Künftig "weniger Sitzplätze, aber mehr Atmosphäre"

Wien - Vor einem Jahr hat das älteste Kino Wiens Jubiläum gefeiert, die Breitenseer Lichspiele in Penzing. Heuer ist das zweitälteste Kino der Stadt an der Reihe: Das Schikaneder in Margareten wurde 1906 gegründet und feiert am Donnerstag (23. November) seinen 100. Geburtstag. Der Tag wird laut einer Aussendung mit einem "offenen Kinosaal", Underground-Filmen, einem neuen Magazin und bis 24 Uhr mit "Freibier für alle" begangen.

Vieles in der Geschichte des Kinos liege noch im Dunkeln, teilte Programmchef Raimund Liebert mit, so etwa seine Arisierung im Jahr 1938. Einige andere Fakten weiß man jedoch ganz sicher: Die erste so genannte "Kinematographenlizenz" ging 1906 mit Amalie Wellean an eine Frau. Georg Höllering, ihr erst 21-jähriger Nachfolger, produzierte später etwa den Brecht-Film "Kuhle Wampe". "Das Kinosterben in den 1970ern überstand das Schikaneder mit ungewöhnlicher Programmgestaltung, z.B. mit amerikanischen Horrorfilmen aus den 1930er Jahren", so Liebert, der ergänzt: "Eines war das Schikaneder im Gegensatz zu vielen anderen Kinos in Wien übrigens nie: ein Pornokino."

Mischung aus Kino und Szenelokal

Seit rund zehn Jahren tritt das Schikaneder nun als Mischung aus Kino und Szenelokal in Erscheinung. Heuer folgte mit dem Projekt "Future Cinema" und der Unterstützung durch departure, der Förderstelle für Creative Industries, ein weiterer Schritt. "So bauen wir unseren erweiterten Kinobegriff kontinuierlich aus und kehren damit auf gewisse Weise zu den Anfängen zurück, als Kino noch ein Schausteller-Gewerbe war", meinte der Programmchef.

Bei der Geburtstagsparty am Donnerstag werden die Wände des Schikaneders mit 8-mm-Filminstallationen von a.moebius und Underground-Filmen aus aller Welt bespielt, Thomas Bernhardt und Marcel Schneeberger stehen an den Plattentellern. Mit dem "Schikaneder-Magazin" wird eine kostenlose Monatszeitschrift präsentiert, die neben Programminformationen einen redaktionellen Teil mit Filmemacher-Interviews und Essays von Gastautoren beinhaltet.

Nachdem der angekündigte Umbau des Kinos aus finanziellen Gründen noch hinausgezögert wird, verlegt sich das Schikaneder nun vorerst auf andere Möglichkeiten der Öffnung nach außen: Der Kinosaal wird künftig nach der letzten Vorstellung für die Barbesucher geöffnet. Die Kinoreihen werden dafür teilweise durch Couchen ersetzt, was zu "weniger Sitzplätzen, aber mehr Atmosphäre" führen soll. (APA)

  • Artikelbild
    foto: website schikaneder.at
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