Novell widerspricht Microsoft im Patentstreit

8. Februar 2007, 10:20
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Abkommen keinerlei Eingeständnis, dass Linux Patente der Redmonder verletzt - Microsoft: "Übereinstimmung, dass wir hier nicht übereinstimmen"

In einem offenen Brief wendet sich Novell-CEO Ron Hovsepian an die Open Source Community: Das Anfang November unterzeichnete Abkommen mit Microsoft sei in keinster Weise ein Eingeständnis, dass Linux Patente der Redmonder verletze.

Klarstellung

Auch in den Verhandlungen mit Microsoft habe man die eigene Position in dieser Frage niemals verlassen, und werde dies auch nicht in Zukunft tun. In diesem Zusammenhang verweist Hovsepian auf die eigenen Aktivitäten in diesem Bereich. So sei man Mitgründer der Open Invention Network, das Linux und andere Open Source-Software durch die Schaffung eines Patentpools vor entsprechenden Klagen schützen soll. Zusätzlich habe man sich klar gegen die Einführung von Softwarepatenten in der EU ausgesprochen und werde auch weiterhin die eigenen Patente in diesem Bereich zum Schutz von Open Source Technologien einsetzen.

Zusammenarbeit

Das eigene Interesse am Deal mit Microsoft sieht Hovsepian aber ohnehin woanders: Man wolle die Interoperabilität zwischen Windows und Linux verbessern, so Hovsepian. Dies sei von Anfang an der Kern der Abmachung gewesen. Die Idee mit dem Patentabkommen sei hingegen von Microsoft ausgegangen, wohl auch um sich selbst zu schützen. Immerhin hat Novell einige Patente, die den Kernbereich des Geschäfts der Redmonder - die Office-Abteilung - berühren könnten. Dies zeige sich auch dadurch, dass Microsoft in diesem Zusammenhang mehr an Novell zahlt als umgekehrt.

Abseits

Bei einer Klage von Microsoft gegen eine andere Linux-Firma könnte Novell übrigens weiterhin helfend mit den eigenen Patenten zur Seite stehen: Das Abkommen ist lediglich eine Garantie für die eigenen KundInnen, zwischen den Unternehmen ändert sich dadurch hingegen nichts. Sonderlich realistisch ist solch eine Klage aber ohnehin nicht, immerhin müsste sich Microsoft dann wohl auch mit dem riesigen Patentportfolio von IBM und HP auseinandersetzen.

Widerspruch

Das Statement kommt wenige Tage nachdem Microsoft-Boss Steve Ballmer in einem Interview zu Protokoll gegeben hat, dass einer der Gründe für den Deal mit Novell der Umstand war, dass seiner Meinung nach Linux die Patente des eigenen Unternehmens verletze. In einer Reaktion auf den offenen Brief von Novell streicht Microsoft nun erneut die Wahrnehmungs-Differenz heraus: Es gebe lediglich eine "Übereinstimmung, dass wir hier nicht übereinstimmen", so das Unternehmen in einer knappen Presseaussendung. Immerhin gesteht man aber ein, dass Novell in den Verhandlungen tatsächlich nie anerkannt habe, dass Linux die Patente von Microsoft verletze. (Andreas Proschofsky)

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