Was bringen die neuen Sicherheitsfeatures von Vista?

29. Jänner 2007, 11:27
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Ein "Wundermittel" hat Microsoft nicht zu bieten, aber Experten orten Verbesserungen für EndkundInnen - Unternehmen müssen sich anpassen

Microsoft wird in seinem kommenden Betriebssystem Windows Vista rund 15 neue Sicherheitsfeatures integrieren - angefangen von den so genannten User Access Controls über die Kindersicherungen und USB-Geräte-Kontrolle bis hin zu Windows Defender und Windows Firewall reicht die Palette.

Was nutzt es?

Gegenüber dem US-Nachrichtendienst CNet haben sich nun Experten zu den neuen Sicherheitsfunktionen zu Wort gemeldet. Ein "Allheilmittel" bietet Microsoft zwar nicht, aber für die EndkundInnen würde es einige Verbesserungen bringen, Unternehmen müssen sich hingegen von ihren bisherigen Strategien verabschieden.

Keine "Allheilmittel"

Keines dieser neuen Sicherheitstools, auch nicht die Kombination dieser, erweise sich als "Allheilmittel" meinen die Experten. So meint Stuart Okin, Sicherheitsverantwortlicher von Accenture und früherer Chef der Sicherheitsabteilung bei Microsoft England meinte gegenüber Silicon.com: "So wie ich das sehe, finden sich 15 Sicherheitsfeatures in VIsta und keines von diesen ist ein Wundermittel, das die Welt verändert, sobald man es installiert hat. Beim Thema Sicherheit geht es um die einzelnen Layer (Schichten), daher muss man es auch als einen schichtweisen Ansatz verstehen".

Verbesserungen

Für die EndkundInnen, vor allem wenn sich diese im Internet bewegen, soll es einige spürbare Verbesserungen mit Vista geben. "Aus Sicht der EndkundInnen wird es meiner Meinung nach, die größten Verbesserungen rund um die User Access Controls und den Internet Explorer geben", so Okin. Allerdings müssten sich die AnwenderInnen auf der anderen Seite auch wesentlich mehr mit der Thematik beschäftigen, als sie dies bisher gewohnt waren.

Sicherheit vs. Benutzerfreundlichkeit

Ein zentrales Thema bei Microsoft und daher auch bei Windows Vita war die Frage, wie und ob der Softwarekonzern einen Wechsel seiner Strategie weg von möglichst großer Benutzerfreundlichkeit hin zu möglichst großer Sicherheit schaffen würde. Für Peter Wood von First Base Technologies haben die Redmonder viel versprechende Schritte in der Beantwortung dieser Frage gemacht. "Wenn Microsoft mehr Sicherheit in seinem Betriebssystem will, dann muss die Balance zwischen Usability und Sicherheit in Richtung Sicherheit verschoben werden. Ich denke sie haben dies so gelöst, dass nun mehrere Einstellungen per default ein- als ausgeschalten sind".

Sicherer, aber auch lästiger

Die ersten Eindrücke von Windows Vista zeigen, dass das Betriebssystem im Vergleich zu seinen Vorgängerversionen, sicherer wurde, aber auch wesentlich lästiger. Die aufspringenden Warnhinweise und die Unzahl an notwendigen Bestätigungen macht deutlich, wie sich Sicherheit und Usabilität diametral zu einander entwickeln.

Besser für Private, schwerer für Unternehmen

Auch aus Sicht des Gartner-Analysten Jay Heiser, bedeutet Vista "Verbesserungen für die EndkundInnen", allerdings ist sein persönliches Gefühl dass "es wesentlich mehr Verbesserungen für EndkundInnen und kleine Unternehmen gebe, als für die GroßkundInnen". Viele Unternehmen erwarten heutzutage eine relativ hohe Sicherheit, auch ohne Vista, daher wären die Vorgängerversionen auch immer wieder verbessert und abgesichert worden und würden nun eine gute Basis bieten.

Neue Ansätze

Für die Unternehmen würde Windows Vista in Punkto Sicherheit daher vor allem eines bewirken - ein Umdenken. So würde Vista erstmals die einfache Nutzung biometrischer Systeme erlauben. Diese Entwicklung sollte dann auch bald in den Unternehmen ihren Niederschlag finden. Smartcards mit biometrischen Funktionen und weitere Sicherheitsmechanismen werden aus Sicht der Experten durch Vista einen Schub erleben. "Bislang waren entsprechende Lösung nur teuer und schwierig realisierbar, und dies bedeutete, dass es kaum eingesetzt wurde", meint Okin. Auch die USB-Geräte-Kontrolle wird in den Unternehmen auf Freude der Sicherheitsfantiker stoßen. Keine Digitalkameras, iPods oder sonstige Speichergeräte mehr am Rechner - und schon hat man weniger Probleme. Auch von BitLocker, die in Vista integrierte Festplatten-Verschlüsselungstechnologie, erwarten sich einige Firmen Verbesserungen in Bereich der Sicherheit.

Aushebeln

Aus Sicht von Peter Wood sind BitLocker und Co. "interessante Ansätze", die allerdings schon jetzt zu unterminieren seien. Wood sieht hier Vorteile für Windows-unabhägige Tools wie etwa PGP (Pretty Good Privacy). Aus seiner Sicht ist BitLocker dennoch die größte Errungenschaft in Vista - aber, wie bei jeder neuen Technologie gibt es eine Schwachstelle, die dem Experten große Sorge bereitet - die EndanwenderInnen. Diese müssten die Funktionen auch wirklich nutzen und dafür sorgen, dass sie auch wirklich möglichst breit genutzt werden würden, sonst mache es wenig Sinn. All die Vista-Verbesserungen hätten eine große Schwachstelle - die Passworte. In diesem Bereich gebe es keine wirklichen Verbesserungen und Alternativen.

Fazit

Es scheint jedoch, dass Microsoft mehr als eine Generation von sicherem Code benötigen würde, bevor die Menschen den Vor-Vista-Hype auch wirklich glauben könnten. Aus Sicht der Experten wird das Thema Sicherheit in Vista allerdings wenig mit den Verkaufszahlen des Betriebssystems zu tun haben. Die meisten wechselbereiten Unternehmen werden umstiegen, nicht wegen der neuen Sicherheitsfunktionen, sondern weil diese noch Windows 2000 einsetzen und nun Windows XP überspringen können. Es scheint, als würde Microsoft von den "normalen" Lebenszyklen der IT-Infrastruktur wesentlich mehr profitieren können, als von den Errungenschaften von Vista, so die Expertenmeinung.(red)

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