Verrücktes Wetter zu Mozarts Zeiten?

25. November 2006, 14:58
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Frank-Emanuel Kremel fragt, ob das Wetter zur Mozart-Zeit bereits ähnlich verrückt spielte wie in den vergangenen Monaten in Österreich.

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Ob es im Sommer schneite oder im Winter heiß war, ließ Mozart ziemlich kalt. Wetterkapriolen interessierten ihn bestenfalls am Rande, und wenn er während eines Kälteeinbruchs in Italien einmal fror, legte er sich kurzerhand zu seinem Vater ins Bett, um sich zu wärmen. Im Gegensatz zu Wolfgang verfolgte jedoch sein Vater ungewöhnliche meteorologische Vorgänge sehr aufmerksam. So wissen wir zum Beispiel, dass man am 2. Juni 1785 in Salzburg einheizen musste, weil es an diesem Tag bis weit in die Täler hinunter geschneit hatte. Und auch im darauf folgenden Jahr hatte heftiger Schneefall Anfang Mai eine "erschröckliche kälte" zur Folge.

Kälteeinbrüche im Sommer waren zu Mozarts Zeit also nichts Außergewöhnliches, und Überschwemmungen und schwere Unwetter führten auch im 18. Jahrhundert dazu, dass ganze Dörfer und Städte oft tagelang unter Wasser standen. In Salzburg kam noch erschwerend hinzu, dass die einzige Brücke über die Salzach bei Hochwasser oft beschädigt und dadurch unpassierbar wurde. Besonders überrascht war Leopold Mozart aber von den extremen Wetterverhältnissen in Italien. Entsprechend häufig sind seine Klagen über klirrende Kälte, glühende Hitze, sintflutartige Regenfälle und tosende Stürme, die ihm und Wolfgang immer wieder zu schaffen machten. So musste Leopold nach dem Kälteeinbruch im Januar 1770 in Modena für fünf Dukaten zwei Fußsäcke aus Wolfspelz kaufen, weil sie sonst in der Kutsche erfroren wären.

Und im Dezember desselben Jahres schrieb er an seine Frau: "Stelle dir also die kälte ohne öfen vor. da heist es: o du erschröckliche kälte in diesem Warmen Lande!" Auf der anderen Seite brachte es im selben Jahr der heiße Sommer in Neapel mit sich, dass Vater und Sohn Mozart "zimmlich schwarz" die Rückreise nach Rom antraten. Sehr zur Freude Wolfgangs übrigens, der sich ja laut seinem Vater immer gewünscht hatte, "brounet zu seyn". Das heißt also, dass ein braun gebrannter 14-jähriger Wolfgango Amadeo Mozart am 5. Juli 1770 im Palazzo Quirinale den von Papst Clemens XIV. verliehenen höchsten kirchlichen Orden vom Goldenen Sporn entgegennehmen konnte. Eine schöne Vorstellung. (ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.11.2006)

  • Artikelbild
    foto: michaela mandel
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