Abschiebung entfacht Volkszorn

2. März 2007, 11:38
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Grein kämpft gegen die Ausweisung einer voll integrierten Familie, die vor rund vier Jahren vergeblich Asyl beantragte

Linz – "Es ist einfach schrecklich. Wohin sollen wir denn jetzt gehen?" – Mevljan Ganiji ist verzweifelt. Seit fast fünf Jahren lebt der gebürtige Mazedonier mit seiner Frau Naxhije und den beiden Kindern Ljundrim (12) und Hava (14) in Grein in Oberösterreich, jetzt droht der Familie die Abschiebung. Vor rund vier Jahren beantragte der Familienvater in Österreich vergeblich Asyl.

"Ich habe ein Schreiben meiner Heimatgemeinde Lipkovo vorgelegt. Darin wird bestätigt, dass unser Haus von einer Splittergranate völlig zerstört wurde und wir als Angehörige der albanischen Minderheit fliehen mussten", erzählt Mevljan Ganiji im Gespräch mit dem Standard. Mehrmals habe er in den letzten Jahre erfolglos gegen den Negativ-Bescheid Einspruch erhoben, jetzt habe der Verwaltungsgerichtshof den Abschiebungsbescheid des Innenministeriums bestätigt. Familie Ganiji steht somit unmittelbar vor der Ausweisung aus Österreich – so verlangt es das Gesetz. Übersehen wird dabei aber, dass die gesamte Familie voll in das Leben der kleinen Stadtgemeinde an der Donau integriert ist.

"Ein Trauerspiel"

Vater Mevljan arbeitet im örtlichen Sägewerk und trägt vor Dienstbeginn im ganzen Ort die Zeitungen aus, Mutter Naxhije hilft am Gemeindeamt, beide Kinder gehen in Grein in die Schule. "Meine Tochter hat erst vor vier Jahren Deutsch gelernt, zählt aber heute zu den besten Schülerinnen in ihrer Klasse", erzählt Ganiji. Heuer wurde Hava sogar zur Klassensprecherin gewählt, ihr zwölfjähriger Bruder ist begeisterter Kicker beim TSV Grein. Mitten in diese gelebte Integration platzt jetzt die drohende Abschiebung, doch die Greiner werden die Familie Ganiji nicht so einfach ziehen lassen. Vergangene Woche haben die Mitschüler von Hava einen Brief an Bundespräsident Heinz Fischer geschrieben, diese Woche erhält jeder einzelne der 1150 Haushalte in Grein eine Postwurfsendung der Stadtgemeinde. "Appell an die Menschlichkeit – Schiebt diese Familie nicht ab", so lautet der Titel des amtlichen Schreibens, geschildert wird noch einmal das Schicksal der Familie Ganiji. Beigefügt ist auch eine Unterschriftenliste.

"Wir werden alles tun, damit die Familie hier bleiben kann. Es ist ein Trauerspiel, was hier passiert", ist Greins Bürgermeister Rupert Lehner (SPÖ) entsetzt. Zusätzlich zur Unterschriftenaktion wurden auch zahlreiche Hilfsorganisationen kontaktiert. Sollte alles nichts helfen, dann gehe man für die Familie auch auf die Straße, kündigte Lehner an. Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11. 2006)

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