"CSR": Zur Verantwortung von Unternehmen

Redaktion, 20. November 2006, 18:29
  • Artikelbild
    foto: photodisc

Corporate Social Responsibility ist mehr als ein PR-Gag - Wirtschaft als Partner im Kampf gegen Armut und andere globale Probleme

Unterschiedlichste Akteure setzen große Hoffnungen in die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Hinter der kryptischen Abkürzung CSR verbirgt sich weit mehr als ein reiner PR-Gag, für den dieses Konzept oft gehalten wird. Angesichts des derzeitigen gesellschaftlichen Wandels wird die Umsetzung dieses Konzepts als wichtiger Katalysator für die Herausforderungen unserer Zeit betrachtet. Internationale Organisationen, wie die Vereinten Nationen oder die Weltbank, sehen insbesondere in der Wirtschaft einen wichtigen Partner für die Armutsbekämpfung und die Lösung anderer globaler Probleme.

Bewusstsein schaffen für CSR

In der Europäischen Union spielt CSR eine herausragende Rolle für die Erreichung der Ziele der Lissabon-Strategie: mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Das im März 2006 von EU-Vizepräsident Günter Verheugen ins Leben gerufene "Bündnis für soziale Verantwortung von Unternehmen", die so genannte "Business Alliance", bekräftigt die Bedeutung von CSR für das europäische Sozialmodell. Zugleich betont die Kommission wie wichtig es sei, CSR als ein auf Freiwilligkeit basierendes Konzept anzuerkennen. Diese Haltung ist seitens der zivilgesellschaftlichen Organisationen - die für die Verbreitung des CSR-Konzepts eine wichtige Rolle spielen, jedoch von diesem neuen Bündnis ausgeschlossen sind - nicht unumstritten.

In Österreich hat sich vor allem respACT austria, ein unternehmensgeführter Verein, als die zentrale Plattform und Ansprechpartner für CSR etabliert. Ein wichtiger Teil der Arbeit von respACT austria ist es, Bewusstsein für CSR zu schaffen. Hierbei ist es von großer Bedeutung, auch zukünftige Nachwuchskräfte aus allen Bereichen der Wirtschaft für ethisch verantwortungsvolles Handeln zu sensibilisieren. Um CSR in möglichst vielen Fachrichtungen in Universitäten und Fachhochschulen zu sensibilisieren, sind daher auf der Website von www.respact.at Lehrmaterialien für "CSR in der Lehre" abrufbar. Zudem arbeitet respACT austria verstärkt mit Klein- und Mittelbetrieben zusammen, die die Basis der heimischen Wirtschaft bilden, um ihnen Handlungsansätze für die Umsetzung von CSR in ihren Betrieben aufzuzeigen.

Watchdogs und Normierer

Die Umsetzung von CSR ist in erster Linie Unternehmenssache. Allerdings umfasst dieses Konzept derart viele Teilbereiche, dass es für Unternehmen nicht immer einfach ist, die Anforderungen von internationalen Normen und Standards, wie z.B. die ILO-Kernarbeitsnormen, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen oder den UN Global Compact, auf die betriebliche Praxis herunterzubrechen. Um ihnen dies zu erleichtern, wird derzeit vielerorts an der Erstellung von Leitfäden gearbeitet. Die größte Initiative dieser Art ist zweifellos der internationale ISO-26000-Prozess, ein im März 2005 gestartetes Mega-Projekt, in dem ein Leitdokument zur Umsetzung von CSR erstellt wird.

Das Engagement von Unternehmen zu Umwelt- und Sozialbelangen, die Einhaltung internationaler Standards und rechtlicher Vorgaben steht seit Jahren im Blickpunkt einer kritischen Öffentlichkeit. Vor allem multinationale Unternehmen oder bestimmte Branchen und ihre Wertschöpfungsketten sind teils massiver Kritik ausgesetzt. Eine Vielzahl von NGOs nimmt seit Jahren die Rolle von Watchdogs ein, zeigt Missstände auf und bemüht sich um eine Verbesserung von Arbeits- und Umweltbedingungen in den Produktionsländern; meist Entwicklungs- oder Schwellenländern. Interessante Initiativen, die bei europäischen Konsumenten gut ankommen sind beispielsweise die Clean Clothes Campaign oder das Flower Label Program. NGOs vernetzen sich jedoch auch, um das CSR-Konzept selbst zu beeinflussen, indem sie verstärkte Rechenschaftspflicht von Unternehmen und verbindliche Regelungen fordern. In Österreich haben sich zu diesem Zweck mehrere umwelt- und entwicklungspolitische NGOs sowie Arbeitnehmervertretungen zusammengeschlossen, gemeinsam bilden sie das Netzwerk für Soziale Verantwortung: NeSoVe.

Corporate Social Responsibility ist das Thema des Monats November 2006 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Die Autorin:

Mag. Astrid Konrad arbeitet am Forschungsschwerpunkt für Nachhaltigkeit und Umweltmanagement, Wirtschaftsuniversität Wien

Direkt-Link zum Monatsthema 11/2006
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
Kommentar posten
22 Postings
Paul Pot
00
Na ich bin mir ganz sicher, dass weder Crescent Security, noch Mcdonnaldouglas noch Brent Sparr oder ein anderer Energie/Waffenkonzern

soetwas jemals ernst nehmen würde. Das ist eine Verarsche sondergleichen. in Amerika einen auf sozial machen gleichzeitig jedoch Arbeiter zu sklavenlöhnen und -zeiten beschäftigen um sie aus der sozialhilfe zu boxen und auf der anderen seite Chaos und Tod in Afrika und im mittleren Osten bringen. So etwas von Pervers...

Wenn dann muss dieses Prinzip rechtlich gesichert und durch eine Task-Force kontrolliert und geahndet werden IN ALLEN unternehmen, Parteien, Ministerien.

Es würde schon mal helfen, wenn alle unternehmen ihre bilanzen offen legen müssten

Artischocke
 
12
21.11.2006, 17:59
Lächerlich

Der Gewinn ist das Einzige was zählt im Kapitalismus. Diese Kampagnen dienen ausschließlich der Image-Pflege.

h 90
00

Klar ist ja auch voellig richtig so. Dazu gehoert dann ein starker Staat und Gewerkschaften als Gegengewicht. Wenn die fehlen weils entweder komplett verbloedet oder korrupt sind, dann passiert genau dass war wir momentan haben.

Paul Pot
11
21.11.2006, 13:43
Naja, wenns kein PR-Gag ist

dann muss es wohl wahrheit sein...

Ein Wunder dass trotzdem alle nach china gehen, wo verheerende Arbeitsbedingungen herrschen, Kinderarbeit, tödliche Arbeitsunfälle regelmäßig, furchtbare Umweltbelastungen, ein brutales Regime, soziales mobbing in betrieben, militärischer Drill....

Tja, fast alle Weltkonzerne haben sich in China diesen PR-Gag bereits verspielt.

worry1
11
21.11.2006, 10:57

Manager sind je höher in der Hierarchie umso Macht- und Geldgeiler und gehen über Leichen solange sie wissen nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden - sonst gäbe es keine Auslagerung in Ländern mit Kinderarbeit und Nullsozialstandards.
Von solche Psychopathen soziales Handeln zu erwarten ist mehr als naiv - eher eine Lüge um das Volk einzulullen.
Solche Leute ist nur mit harten Gesetzen beizukommen, aber bei Leuten wie Schüssel, Leitl, Bartenstein ja sicher nicht zu erwarten, da sie ja selbst macht- und geldgeile Psychopathen sind.

http://Lesr.info
02
21.11.2006, 13:02
und selbst

schon mal bei h&m eingekauft?
c&a? whatever?
Man kann Manager als Konsument steuern.

Paul Pot
00
21.11.2006, 14:38
und als Wähler ebenso....

Berngruber1
02
21.11.2006, 12:08
Man stelle sich vor,

dass es keine Ampeln und keine Zebrastreifen gäbe.
Welche´r Frächter würde anhalten, um einen Fußgänger über die Straße zu lassen?
Oder wenn das Niederfahren von Fußgehern gar nicht per Gesetz verboten wäre, sondern der Fußgeher selbst dafür verantwortlich wäre, nicht zusammengeführt zu werden - wieviele Tote mehr gäbe dann in etwa?
---
Das klingt lächerlich, ist aber nichts anderes, als was von Polit- und Wirtschaftsseite momentan betrieben wird. Auch die Schüsselregierung hat konsequent dem Wind der effizienz-pragmatischen Angst gehorcht und sich folgsam als Handlanger der Geschäftstüchtigen hingegeben.
Gut ist, dass uns der globale Wahnsinn allmählich dämmert und wir uns nicht mehr für dumm verkaufenlassen.

h 90
00

vergleich hinkt ziemlich, gibt Laender in Asien wo das fast so ist und trotzdem sterben die Fussgaenger nicht wie die Fliegen.

au_contraire
11
21.11.2006, 11:37
Cool. In einer so einfachen Welt...

... wie der ihren möcht ich auch mal leben. Nur für 5 Minuten.

Wobei, gegen regulative Maßnahmen spricht natürlich nichts. Der Emissionshandel etwa müsste klar verschärft werden. Und da ist von Bartenstein und Co nix zu erwarten, schon klar.

Ein moderner Staat schwingt aber nicht nur die Gesetzeskeule, sondern fördert auch Vorreiter und Pioniere. Hier kommt CSR ins Spiel.

Berngruber1
00
21.11.2006, 10:33
Die Regierung

könte z.B. Firmen mit CSR-Status anders fördern, steuerlich begünstigen etc.
Das wäre ein konstruktiver Impuls.
Was hindert sie daran, an solchen Konzepten zu arbeiten, wo diese doch eine offensichtliche Zeiten-Notwendigkeit sind?

Don Chris
 
01
21.11.2006, 10:03

Um ein CSR Programm im Unternehmen zu haben, muss man Geld haben. Darum ist es logisch im Sinne der CSR die Mindetlöhne herunter zu setzen, Kollektivverträge ausser Kraft zu setzen und die Ist-Gehälter um 50% zu kürzen, mindestens jedoch soviel, dass der Bruttoverdienst 1200 EUR monatlich nicht übersteigt. Und wenn dann man 30% der Belegschaft eingespart wurde, kann man sich dann dran machen einen neuen hochbezahlten Manager (Spitzenkräfte kosten halt) um 1,5 Mio EUR jährlich einzustellen, der das CSR Programm des Unternehmens nach aussen kommuniziert.

01052004
10
21.11.2006, 09:59
kurzgefaßt:

gutmenschen - gutfirmen - gutkonzerne ?????

01052004
00
21.11.2006, 09:59
oh ja!!!

in europa druck ausüben zum ausbeuten, korrupt sein, bestehlen, lügen, abzocken was geht, aber nach außen hin das deckmäntelchen des friedvollen nachhaltigen entwicklers zeigen. mit kreideweicher stimme vom "guten" reden, einen winzigen scheck zur weihnachtszeit telegen übergeben (das kleingedruckte wird verschwiegen)...
jaja, fairness hätten wir alle gerne...funktioniert aber nicht, da wir noch immer jäger und sammler sind.

Der Leser für die Zeitung
04
21.11.2006, 09:58
csr ist in österreich nur ein pr-gag

international gibt es aber ganz andere beispiele.

in frankreich und anderen ländern gibt es gesetze, die vorschreiben, dass pensionsversicherungen nur in solche unternehmen investieren dürfen, deren csr exakt definierten und sehr strengen standards entspricht.

sprich: seriöse csr bringt dort den unternehmen vorteile an der börse und damit im börsel.

au_contraire
01
21.11.2006, 10:27

Nachhaltigkeit / CSR bringt auch österreichischen Unternehmen etwas. Weil: Institutionelle Investoren in Frankreich investieren ja nicht nur in französische CSR-Unternehmen sondern auch in österreichische, wenn sie den Kriterien entsprechen. Das SRI (socially responsible investment)-Bereich ist zwar noch eine Nische am Kapitalmarkt - aber eine stark wachsende.

Natürlich geben ich Ihnen recht. Österreich sollte ähnliche Gesetze wie Frankreich erlassen. Aber in Punkto institutionelle Investoren und Nachhaltigkeit tut sich auch in Österreich was: Seit einem Jahr gibt es den Voenix (Österreichischer Nachhaltigkeitsindex der VBV). Hier der Link: www.voenix.at

Der Leser für die Zeitung
00
22.11.2006, 11:41
ich hab mich ja nicht gegen csr in ö ausgesprochen

ich mein nur, dass in österreich zumeist keine vernünftige csr drinsteckt, bloß weil so ein label draufpickt. dass vor allem unter den international tätigen auch hierzulande langsam ein umdenken einsetzt, begrüße ich!

Paul Pot
01
21.11.2006, 09:41
passt... die firmen, die zu weihnachten ams-arbeiter um steuergeld einstellen

die haben sich soetwas einmal auf lebenszeit verwehrt, weil das ist genau das gegenteil von csr. Die Verantwortung der Unternehmen? Ein Witz.

fipps
04
21.11.2006, 08:28
övp wunschtraum

dass die konzerne von selber verantwortlich, sozial und nachhaltig wirtschaften ist auch so ein leitl-wunschtraum: sie schreiben es sich zwar auf die fahnen, gut fürs image, tun aber das gegenteil davon.

die politik hat die macht aus den händen gegeben, und jetzt wärs so schön wenn die selbst verantwortlich handeln würden. die sind aber den investoren verpflichtet: aus der traum.

Schäferhund vom Pavillon E
01
21.11.2006, 10:47
Genau das wollt ich auch schreiben.

Hinzufügen möchte ich nur, dass im System Kapitalismus anderes Verhalten als Skrupeloses nicht möglich ist. Wer der Wirtschaft keine Grenzen setzt löst einen Hobbes'schen Wirtschaftskrieg aus. Jeder gegen jeden. Nur wer mehr Arbeiter rauswirft und noch mehr auslagert nach Osten, noch weniger Lohn bezahlt kann bestehen. Selbst "gute" Unternehmer müssen diesem Prinzip folgen sonst sind die weg.

Es fehlt an poltischem Gestaltungswillen - und jetzt kommt das Wichtigste: INTERNATIONALER Gestaltungswillen. Nur wenn sich die wichtigsten Wirtschaftsnationen darauf einigen politische Grenzen zu setzen kann sich was ändern.

Ich möchte hier aber eingestehen dass das leider aus dem Bereich Märchengeschichten einzuordnen sein wird.

imir
02
21.11.2006, 03:14

Was rauchen die, daß sie soziale Verantwortung in Verbindung mit Konzernen auch nur in den Mund nehmen?

SterzinOz
00
21.11.2006, 01:17
CSR?

nein, Siemens!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.