Eine Verkühlung ist eine schlechte Ausrede

20. November 2006, 14:58
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Die ÖVP mag stark verkühlt sein, sie liegt jedoch keineswegs im Fieberwahn danieder: Jetzt muss sie Verantwortung zu übernehmen

Das was die ÖVP will, hat sie uns in den letzten Tagen und Wochen klar zu verstehen gegeben : Keine Zugeständnisse an den Wahlsieger SPÖ, so lange es nur geht das Regierungsruder behalten und sich so lange wie möglich nach Alternativen zur großen Koalition umsehen. Tatsache ist: Wenn man ihre neuen Plakate, auf denen sie "für Österreich kämpfen" will, auch nur annähernd ernst nehmen soll, dann belibt ihr nur eines: die Große Koalition.

In den letzten Wochen wurde immer wieder der Zustand der Volkspartei diagnostiziert. Therapievorschläge: Ein neues, junges Team mit frischen Ideen und der Gang in die Opposition. Ein jüngeres Führungsteam täte der ÖVP schon gut. Das Bild einer gesellschaftlichen Bauern- und wirtschaftlichen Heuschreckenpartei könnte abgelegt werden. Aber warum in der Opposition?

Wenn es einer Partei um mehr geht, als um das eigene Wohl, dann muss sie in Zeiten wie diesen Verantwortung übernehmen. Man kann die Situation der ÖVP durchaus mit dem Gesundheitszustand eines Menschen vergleichen. Mag sein, dass die Volkspartei geschwächt ist - so schlimm ist das aber nicht. Wir erinnern uns: Bis punktgenau einen Tag vor den Wahlen wurde der SPÖ Zustand als komatös bezeichnet: Keine Konturen, keine Ideen, kein charismatischer Vorsitzender. Ein Wahlsieg genügte und schon war sie regeneriert.

Jetzt wird der Zustand der ÖVP hochgespielt. Fakt ist: Die Volkspartei ist stark verkühlt, sie liegt jedoch keineswegs im Fieberwahn danieder. Und kein noch so stark verkühlter Manager eines großen Betriebes würde, wenn es die Situation verlangt, sich seiner Verantwortung entziehen und das Bett hüten. Die ÖVP ist immer noch zweitstärkste Kraft im Land und hat damit Verantwortung zu tragen. Eine große Koalition ist - mal abgesehen von lähmenden Neuwahlen – der einzig mögliche Schritt, der der ÖVP bleibt. Rot-Grün geht sich nicht aus, eine Minderheitsregierung wäre zum Scheitern verurteilt. Ja, ja, wir wissen es: Juniorpartner werden beim Wähler naturgemäß für alles bestraft, was eine Regierung falsch macht. Doch im Augenblick müssen solche Erwägungen sekundär sein. Die beste Medizin ist im Moment relativ einfach: Bitte die eigenen Plakate nochmal lesen!

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