8. März 2007, 10:48
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Die Psychologin und Politikwissenschafterin Jutta Menschik-Bendele avancierte zur Vizerektorin für Foschung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Was hat sie an dieser Aufgabe gereizt, was sind ihre Ziele, und was empfiehlt sie jungen Forschern?

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Die wissenschaftliche Laufbahn von Jutta Menschik-Bendele begann im Jahr 1970 als Assistentin an der Freien Universität Berlin. 1984 wurde sie als Ordinaria für klinische Psychologie und Psychotherapie nach Klagenfurt berufen, wo die umstrittene Universität für Bildungswissenschaften gerade die Grundlage für eine Fakultät der Betriebswirtschaft und Informatik legte. "Ich glaube, dass ich in dieser Zeit viel erlebt, gesehen und gelernt habe, was ich in meine neue Position nützlich einbringen kann", so Menschik-Bendele, deren Töchter bereits beide erwachsen sein und mittlerweile in Wien studieren - sonst hätte die langjährige Institutschefin und Ausbilderin künftiger Psychotherapeuten das Pensum ihres neuen Jobs nicht geschafft.

Der konstruktive Dialog ist Menschik-Bendele zentral und auch im neuen Arbeitsumfeld verbesserungswürdig. Denn, was in ihrer Privatpraxis erfahren habe, erlebe sie auch in anderer Gestalt an der Universität: "Dass Menschen aneinander vorbei reden, dass sie sich missverstehen, weil sie ihre Aggressionen oft nicht angemessen an die Personen bringen, zu der sie gehören würden." Auf die Frage, ob unter Studierenden, Lehrenden und Forschenden auch Konfliktpotenzial gebe, sagt sie: "Selbstverständlich. Es gibt Konkurrenz, es gibt Neid, es gibt Misstrauen und es gibt den Run auf die möglichen Futtertröge. Das ist ein Stück Realität." Das solle aber kein Mythos bleiben, denn je offener man das anspreche, desto eher könne sich eine Konfliktkultur etablieren und wo die Menschen die positive Erfahrung machen, dass sie oft ihre Wirksamkeit erhöhen, wenn sie sich zu Teams zusammen tun, statt ihre Kenntnisse neidisch zu verbergen.

Wissenschaftsservice

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht Menschik-Bendele im Wissenstransfer, das heißt Forschungsleistungen der Uni Klagenfurt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein erster Schritt ist der von ihr initiierte "Tag der Forschung". Menschik-Bendele: "Wir haben die Forschenden gebeten, ihre Ergebnisse in einer Form aufzubereiten, dass sie Menschen außerhalb der Universität verstehen." Aber auch die Forscher an der Uni Klagenfurt möchte die neue Vizerektorin mit einem neu eingerichteten Wissenschaftsservice gezielter unterstützen - etwa beim Stellen von Anträgen für Forschungsförderungen. Zumal Menschik-Bendele in diesem Punkt den Eindruck habe, dass noch lange nicht alle Resourcen ausgeschöpft seien. Große Hoffnungen setze sie auf die Offensive des 7. EU-Rahmenprogramms, zumal besonders interdisziplinär ausgerichtete Projekte große Chancen auf Förderungen haben, sagt sie. Die derzeit laufenden 16 Projekte der Uni Klagenfurt werden in naher Zukuft deutlich aufgestockt. Und: Menschik-Bendele möchte den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, also Studierende an Forschungsprojekte heranführen.

Was empfiehlt die Vizerektorin Forschern philologischer Studienrichtungen, die sich seit Jahren gegenüber der Technik finanziell benachteiligt fühlen? "Die technischen Fächer haben eine andere Tradition im Stellen von Projektanträgen; dort gehört es zum akademischen Alltag Projekte einzureichen und auch abgelehnt zu werden; dann probiert man es halt ein anderes Mal." In den Philologien werde die Ablehnung eines Projekts als viel größere Niederlage erlebt. Daher habe auch der Wissenschaftsfonds besonders Kulturwissenschafter zu Projektanträgen ermuntert. (Josef Schneeweiß/DER STANDARD-Printausgabe, 18./19. November 2006)

  • Jutta Menschik-Bendele ist Vizerektorin für Lehre an der Alpe-Adria Universität Klagenfurt.
    foto: uni klagenfurt

    Jutta Menschik-Bendele ist Vizerektorin für Lehre an der Alpe-Adria Universität Klagenfurt.

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