Kein Geld, keine Hilfe - auf Verdacht

Redaktion
22. November 2006, 12:00
  • Ohne Hilfe seines Landsmannes wäre Amirhan I. (re.) auf der Straße gelandet.
    foto: standard/gerhard maurer

    Ohne Hilfe seines Landsmannes wäre Amirhan I. (re.) auf der Straße gelandet.

Haider prangerte in Wahlkampf-Inseraten "tschetschenische Gewalttäter" an - Flüchtlingen wurden Hilfen gestrichen - Staatsanwaltschaft: Nie Anzeige erstattet

Klagenfurt - Amirhan I. (18), Flüchtling, lebt in Klagenfurt ohne jegliche Existenzgrundlage. Die Grundversorgung wurde ihm gestrichen. Er soll ein "tschetschenischer Gewalttäter" sein. So jedenfalls wurde er im Sommer in ganzseitigen Zeitungsinseraten vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bezeichnet.

Damals war gerade Nationalratswahlkampf. Amirhan und sein armenischer Freund Ando S. (16) radeln von einem Fußballspiel heim. Im Klagenfurter Fischl-Park tobt auf einem Kinderspielplatz gerade eine wüste Rauferei zwischen Kärntnern und Tschetschenen. Die beiden werden von der Polizei aufgehalten: Personalien aufgenommen, Foto etc. - großer Aufruhr.

"Prügel-Tschetschenenfreies" Kärnten

Anrainer fühlen sich von den Tschetschenen bedroht. Orange und blaue Spitzenpolitiker versprechen ein "Prügel-Tschetschenenfreies" Kärnten. Also heißt es für alle Beteiligten, also auch für Amirhan und Ando, Grundversorgung weg und ab ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Amirhan weigert sich, in den wartenden Bus einzusteigen. Er wird aus seinem Flüchtlingsheim in Krumpendorf geworfen.

Andos Mutter, der ebenfalls ohne jeglichem Anlass die Grundversorgung gestrichen wird, erleidet vor dem Abtransport nach Traiskirchen einen Zusammenbruch und muss ins Spital. Sie und ihr Sohn dürfen vorerst bleiben, werden von anderen Flüchtlingsfamilien unterstützt.

Beweis der Unschuld

Amirhan, der buchstäblich allein auf der Straße steht, wird von seinem kriegsversehrten Landsmann Alash A. aufgenommen. Der Verein Aspis, der sich der Betreuung von Kriegsflüchtlingen widmet, kümmert sich um den jungen Mann, der ganz allein in Kärnten ist. Amirhan muss seine Unschuld beweisen. Solange die Ermittlungen laufen, gibt es kein Geld, heißt es im Flüchtlingsreferat. Schließlich wurden alle am Raufhandel Beteiligten angezeigt. Wochen vergehen. Die Wahlen sind längst geschlagen, und der Landeshauptmann hat seine orange Partei in Wien doch noch retten können.

"Amtsbekannte SChläger"

Mittlerweile ist klar, dass die Provokateure auf dem Spielplatz "amtsbekannte Schläger" und Kärntner sind. Ando und seine Mutter kriegen ihre Grundversorgung wieder. Amirhan nicht. Er pilgert mit "Ziehonkel" Alesh zum Klagenfurter Polizeidirektor. Kein Termin. Er pilgert auch zum Landeshauptmann. Kein Termin.

Schließlich fragt der STANDARD beim Leiter des Flüchtlinsgreferats Gernot Steiner nach. Der verweist auf den Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft. Die Vorgansgweise findet er richtig: "Ich will wirklich nicht generalisieren, aber viele Flüchtlinge haben in Kaufhäusern Zutrittsverbot, weil sie fladern." Der Ausländeranteil in der Kärntner Kriminalstatistik: sieben bis zehn Prozent. "Hauptsächlich Tschetschenen und Georgier", sagt Steiner, wobei die Tschetschenen "eher gewalttätig" seien und die Georgier "eher fladern". Insgesamt leben 680 Tschetschenen in Kärnten.

Nie eine Anzeige gegen Tschetschenen

Nachfrage beim Staatsanwalt. Es lag nie eine namentliche Anzeige gegen Tschetschenen vor. Nur eine gegen unbekannte Täter. Da sei nichts beweisbar gewesen. Amirhan und sein Freund wurden nur als "Auskunftspersonen" angeführt. Aspis-Betreuer Siegfried Stupnig: "Wurden sie bloß willkürlich Opfer des Wahlkampfs?" (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print, 18./19.11.2006)

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Warum ist da der Krankl links auf dem Bild?

Akagündüz ist bei ihm zu Besuch.....

Das hier ist einmal mehr Schüssels Saat und Schüssels Ernte auf dem von Haider bestellten Feld

Schüssel, Khol, Molterer & Co dürfen auch aus dieser Verantwortung nicht entlassen werden.
Und alle jene, die – als Hinterbänkler, Mitläufer, brave Parteisoldaten, als Postenhaberer und berufene Nichtwisser, als Drecksarbeiter, als Spin- und Strategie-Doktoren – in Ausschüssen und Zentralen und letztlich im Parlament diesen menschenverachtenden Unfug durch Kopfnicken und Pratzerlheben abgesegnet haben, gehören nicht minder vor den Vorhang – zur persönlichen Abbitte und Wiedergutmachung ... (um milde Vorschläge hierzu wird gebeten).

kärtnen-koroska

allein die überschrift zeigt die beschränkte denkweise des redakteurs....wenn schon bei berichten über kärnten, warum dann nicht bei artikeln über wien, burgenland etc, wo der anteil an bürgern, die sich zu einer slawischen sprachgruppe bekennen, viel höher liegt...hier wird einfach polarisiert, provoziert und die "gutmenschen"-flagge gezeigt....und allen, die sich jetzt so für die tschetschenen im land stark machen sei gesagt, daß hier eine latente gefahr lauert....durch den familiennachzug steigt die anzahl der tschetschenien-flüchtlinge stetig, sie sind äußerst unwillig was die integration betrifft, bleiben meist unter sich und betrachten uns österreicher als ungläubige, die sie als mittel zum zweck benützen können....

aha...

zunächst:
wenn sie lesen könnten, dann könnten sie auch herausfiltern dass hier ein beispiel des groben problems zu erkennen ist...
es geht um die dummheit und die folgen daraus, jene dummheit, die man im allgemeinen als vorurteil und pauschalieren bezeichnet...

ein musterbeispiel dabei ist:
"durch den familiennachzug steigt die anzahl der tschetschenien-flüchtlinge stetig, sie sind äußerst unwillig was die integration betrifft, bleiben meist unter sich und betrachten uns österreicher als ungläubige, die sie als mittel zum zweck benützen können"

lesen und verarbeiten, das könnte helfen um die beispiele der negativen folgen dummer verallgemeinerung zu erkennen!
offensichtlicher kann man es nicht mehr darlegen! nutzen sie die chance!!

sie kapieren weder worum es bei "kärnten - koroska" geht

noch sind sie in der lage einen an sich einfachen text zu verstehen.

vom staatsvertrag haben sie noch nichts gehoert.

und das sonstige geseiere von wegen latenter gefahr: auf welche erkenntnisse beruht der schwurbel? oder labern schlechtmenschen immer ohne grundlage herum ... so wie steiner. gegen die fakten bloed herum labern.

eine latente und bisweilen manifeste gefahr

sind xenophobe wie Sie, die darauf stehen, wenn familien auseinandergerissen werden, die durch ihre völkische hetze selbst das grösste integrationshindernis darstellen und zur gesellschaftlichen marginalisierung von migrantInnen wesentlich beitragen sowie menschen zu einem kollektiv verallgemeinern, dem sie alle möglichen schlechten eigenschaften unterstellen können. besser ein gutmensch als ein verhetzender und prügel austeilender schlechtmensch.

jawohl, herr genosse

jawohl, herr genosse, freundschaft und setzen.....

wären sie nicht so festgefahren...

dann könnten sie wenigstens sachlich antworten auf berechtigte kritik!

sie allerdings haben einzig vorurteile gegenüber ausländer, vor allem unbegründete angst vor tschetschenen (ihre angst ist ja faktisch widerlegt, aber das schert sie einen deut) und anscheinend hassen sie alles links vom bzö...

fangen sie an denken, anstatt blind ihren vorurteilen nachzulaufen, die ja wiederholt und immer wieder als fehlurteile dargelegt werden!

"gutmenschen" ist ein schlagwort, schlechte menschen findet man dafür immer wieder... witzig dass ich dabei vor allem an xenophobe pauschalierer denke....

jawohl kamerade, ein bisschen stramm stehen, ruht und setzen.

Nein, die Überschrift "Kärnten - Koroška" zeigt nur die beschränkte Denkweise des Kärnter Landeshauptmannes! Und ich bin froh, dass es noch Medien gibt, die einem derartigen trotzigen Kindergartentheater, wie es der Kärnter LH aufführt, mit Ironie begegnen können!

also mit ihren ängsten

würde ich mich nicht auf die straße trauen

ausländeranteil

wenn der ausländeranteil an der kriminalstatistik 7 bis 10 % sind, heißt das, dass der inländeranteil - das dürften in kärnten wahrscheinlich nur kärntner sein - 90 bis 93% ausmacht.

das wars dann dr. jörg

Nicht nur manchmal ...

... sondern immer öfter schäm ich mich dafür aus diesem Land zu kommen! Nicht nur wegen Politiker wie Haider, sondern v.a. wegen der Menschen die diese Leute auch noch wählen. Dass unser Beamtenstaat durch eine rassistische Brille schauen, "wobei die Tschetschenen 'eher gewalttätig' seien und die Georgier 'eher fladern'", ist bei derartigen Vorgesetzten nicht verwunderlich.

Betroffenheitsrhetorik

der billigen und verlogenen Art.

Wenn S` Gutpunkte damit holen wollen, sind Sie hier richtig.

es ist schäbig,

wenn ausländer pauschal verurteilt werden, weil sie ausländer sind. und es ist schofel, wenn eine behörde mit billigen vorgeschobenen argumenten menschen das bisschen geld zum leben weg nimmt.

und diese ekelhaften zustände werden von der extremen rechten in österreich gefördert und begünstigt.

dies immer wieder an beispielen aufzuzeigen ist keine betroffenheitsrhetorik sondern politische notwendigkiet (und sei werden doch wohl nicht die politische debatte abwürgen wollen, oder?)

Zeigenosse?

eher billiger Haiderclon!

Wollen Sie irgendwo - egal ob im In- oder Ausland - SO behandelt werden?

Wohl nicht. Und wenn das in meinem Land passiert, sollte mir mehr dazu einfallen als "billig und verlogen". "Billig und verlogen" ist nämlich Ihre Einstellung des Nix Sehens-Nix-hörens-Nix Sagens. Oder meinen Sie, man sollte so wie beschrieben mit Unschuldigen und Armen umgehen, die einer von der Politik unterstützten Bürokratie wehrlos ausgeliefert sind??

einfach ...

zum schämen

Der Kanzlermacher

Das sind also die Methoden des Herrn, der Schüssel zum Kanzler gemacht hat. Das lässt tief blicken- auch in Schüssels Seele, falls er so was überhaupt noch hat.

Der große Koalitionspartner

Das sind also die Methoden des Herrn, mit dem die Kärntner SPÖ eine Koalition gemacht hat. Das lässt tief blicken - auch in die Seele der SPÖ, falls sie so was überhaupt noch hat. Aber politisch-ideologisches Denken ist eben per definitionem selektiv, wofür Sie gerade ein schönes Beispiel geliefert haben ...

Schon mal den Ausdruck "schwarze Seele" gehört?




Was glauben sie wohl, woher der kommt, hm?


Erinnert mich irgendwie an das Flex 1 (Vorläufer des heutigen Flex in der Arntstraße

Das wurde eine Zeit lang immer wieder von Skins und Neonazis angegriffen. Später (nachdem alle normalen Formen der Konfliktbereinigung versagten) verbarrikadierte sich das Flex und organisierte eine Notfall Telefonkette. Beim nächsten Angriff der rechten Recken rief man die Polizei. Die kam nicht! Als man den Angriff mittels eilends via Telefonkette herbei gerufener Verstärkung nach 1 1/2 Std. zurück geschlagen hatte, kamen die Freunde und Helfer und straften alle Verteidiger wegen Ruhestörung!

Die Provokateure "amtsbekannte Schläger" greifen an, die Tschetschenen verteidigen sich, die Polizei kommt und kriminalisiert die Asylanten. Diese Art der Zusammenarbeit der Polizei und der rechten Szene kennt man in der linken Szene nur zu gut!

Abseits vom Thema

Ich will mich hier nicht näher zu den Wahlkampftaktiken des BZÖ äussern, möchte aber erstmal festhalten, dass ich die oben beschriebene Vorgehensweise für ungerecht halte.

Ich würde aber gerne wissen, wieso derStandard diesen Artikel unter Kärnten/Koroska publiziert. Bei Artikeln zum Ortstafelkonflikt seh ich es ja ein. Aber werden alle Meldungen aus Burgenland auch unter Burgenland/Gradisce(?) veröffentlicht?

Hier wird ein falsches Bild vermittelt, denn nicht ganz Kärnten ist zweisprachig. Nur Teile Südkärntens sind zweisprachig.

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