Rauchen ist ein ziemlich sicherer Weg in einen ziemlich frühen Tod - Kolumne von Hans Rauscher
In den letzten drei Jahren sind vier Menschen aus meinem Bekanntenkreis am Rauchen gestorben. Drei Journalisten (ein Herzversagen, zwei Lungenkrebs) und die Frau eines bekannten Entertainers (Blasenkrebs). Alle waren Ende 50, Anfang 60. Sie haben seit langem und viel geraucht.
Wenn man das so aus relativer Nähe mitbekommt, ist es etwas anderes als das Lesen von Statistiken oder von Artikeln darüber, dass Ikonen der Virilität wie Humphrey Bogart, Gary Cooper, John Wayne oder der "Marlboro-Cowboy" in etwa demselben, relativ jungen Alter am Rauchen gestorben sind. Rauchen ist ein ziemlich sicherer Weg in einen ziemlich frühen Tod (und was die vielen rauchenden jungen Frauen interessieren sollte, vorher in ein vorzeitiges Altern).
Krieg gegen die Gesundheit anderer
Das wäre eine Privatangelegenheit, wäre Rauchen nicht eine der ganz wenigen Selbstbeschädigungen, die auch andere massiv schädigt. Passivrauchen ist eine belegte Ursache für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Sonstiger ungesunder Lebensstil - und ich weiß, wovon ich rede - schlägt auf einen selbst und auf die Familie zurück. Rauchen ist ungezielte, dafür aber um nichts weniger rücksichtslose Kriegführung gegen die Gesundheit anderer. Das reicht von erhöhten Raten von plötzlichem Kindstod in Raucherhaushalten bis zum Beschicken des Organismus völlig fremder Menschen mit krebserregenden und gefäßverengenden Substanzen.
Rauchen in Gesellschaft von Nichtrauchern ist asoziales Verhalten und muss - wie jedes andere asoziale Verhalten - stringent eingedämmt werden.
Rauchverbot in Lokalen
Das erfordert ein Rauchverbot in Lokalen wie es in Irland, Italien und Frankreich bereits erfolgreich eingeführt wurde oder eingeführt wird. Es erfordert auch die Durchsetzung der Rauchverbote am Arbeitsplatz, die in Österreich zwar existieren, aber lax gehandhabt werden. Es erfordert schließlich ein absolutes, lückenlos durchgesetztes Rauchverbot an Schulen bei Auflassung der Raucherzimmer. In der Schule darf es keine rauchenden Lehrer und Schüler geben.
Denn anders geht es nicht. Die "österreichische Lösung" - halbe Verbote, halb oder gar nicht durchgesetzt , bzw. der Appell an die "Vernunft" und an die Freiwilligkeit - ist Quatsch. Niemand hält sich an so etwas, wie man etwa an den zahlreichen telefonierenden Autofahrern sehen kann. Das Beispiel von Italien zeigt, dass dort nicht nur die Belästigung und Gefährdung von Nichtrauchern durch das Verbot zurückgegangen ist, sondern auch das Rauchen selbst.
Pseudoargument "Freiheit"
Ein Wort zu den Pseudo-Argumenten, die von Rauchern teilweise aggressiv vorgebracht werden. Es gehe doch um die "Freiheit". Verkehrsregeln sind auch Freiheitseinschränkungen, die Tote und Verletzte verhindern. Oder: Man möge sich doch um die viel schlimmeren Umweltgifte kümmern, die durch das Autofahren, die Industrie usw. ausgelöst werden.
Klar doch, das geschieht ja auch, wenn auch nicht in genügendem Ausmaß. Aber kein rationaler Mensch unterlässt einen angemessenen Brandschutz seines Hauses, weil dieses auch durch Hochwasser bedroht wird. Wenn man viele Bedrohungen hat, von denen manche leichter und manche weniger leicht zu bekämpfen sind, dann fängt man einmal bei der leichten an. Das nennt man gesunden Menschenverstand und nicht "Bevormundung".
"Entwicklungsland" beim Nichtraucherschutz
Die Raucher führen einen Krieg gegen die Nichtraucher. Dieses Bewusstsein beginnt sich in Österreich - einem "Entwicklungsland" beim Nichtraucherschutz - erst langsam durchzusetzen und es gibt genügend wütenden Widerstand dagegen. Der kann sophisticated sein ("Ich weiß, dass es schadet, aber der Genuss ist es mir wert") oder dumpf ("Mir doch wurscht"), jedenfalls Realitätsverleugnung, aber er ist ein vermeidbarer Verstoß gegen das zivilisierte Zusammenleben in einer ohnehin hochstressigen Gesellschaft. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe 18./19.11.2006)