Der Krieg der Raucher

Redaktion, 17. November 2006 20:50

Rauchen ist ein ziemlich sicherer Weg in einen ziemlich frühen Tod - Kolumne von Hans Rauscher

In den letzten drei Jahren sind vier Menschen aus meinem Bekanntenkreis am Rauchen gestorben. Drei Journalisten (ein Herzversagen, zwei Lungenkrebs) und die Frau eines bekannten Entertainers (Blasenkrebs). Alle waren Ende 50, Anfang 60. Sie haben seit langem und viel geraucht.

Wenn man das so aus relativer Nähe mitbekommt, ist es etwas anderes als das Lesen von Statistiken oder von Artikeln darüber, dass Ikonen der Virilität wie Humphrey Bogart, Gary Cooper, John Wayne oder der "Marlboro-Cowboy" in etwa demselben, relativ jungen Alter am Rauchen gestorben sind. Rauchen ist ein ziemlich sicherer Weg in einen ziemlich frühen Tod (und was die vielen rauchenden jungen Frauen interessieren sollte, vorher in ein vorzeitiges Altern).

Krieg gegen die Gesundheit anderer

Das wäre eine Privatangelegenheit, wäre Rauchen nicht eine der ganz wenigen Selbstbeschädigungen, die auch andere massiv schädigt. Passivrauchen ist eine belegte Ursache für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Sonstiger ungesunder Lebensstil - und ich weiß, wovon ich rede - schlägt auf einen selbst und auf die Familie zurück. Rauchen ist ungezielte, dafür aber um nichts weniger rücksichtslose Kriegführung gegen die Gesundheit anderer. Das reicht von erhöhten Raten von plötzlichem Kindstod in Raucherhaushalten bis zum Beschicken des Organismus völlig fremder Menschen mit krebserregenden und gefäßverengenden Substanzen.

Rauchen in Gesellschaft von Nichtrauchern ist asoziales Verhalten und muss - wie jedes andere asoziale Verhalten - stringent eingedämmt werden.

Rauchverbot in Lokalen

Das erfordert ein Rauchverbot in Lokalen wie es in Irland, Italien und Frankreich bereits erfolgreich eingeführt wurde oder eingeführt wird. Es erfordert auch die Durchsetzung der Rauchverbote am Arbeitsplatz, die in Österreich zwar existieren, aber lax gehandhabt werden. Es erfordert schließlich ein absolutes, lückenlos durchgesetztes Rauchverbot an Schulen bei Auflassung der Raucherzimmer. In der Schule darf es keine rauchenden Lehrer und Schüler geben.

Denn anders geht es nicht. Die "österreichische Lösung" - halbe Verbote, halb oder gar nicht durchgesetzt , bzw. der Appell an die "Vernunft" und an die Freiwilligkeit - ist Quatsch. Niemand hält sich an so etwas, wie man etwa an den zahlreichen telefonierenden Autofahrern sehen kann. Das Beispiel von Italien zeigt, dass dort nicht nur die Belästigung und Gefährdung von Nichtrauchern durch das Verbot zurückgegangen ist, sondern auch das Rauchen selbst.

Pseudoargument "Freiheit"

Ein Wort zu den Pseudo-Argumenten, die von Rauchern teilweise aggressiv vorgebracht werden. Es gehe doch um die "Freiheit". Verkehrsregeln sind auch Freiheitseinschränkungen, die Tote und Verletzte verhindern. Oder: Man möge sich doch um die viel schlimmeren Umweltgifte kümmern, die durch das Autofahren, die Industrie usw. ausgelöst werden.

Klar doch, das geschieht ja auch, wenn auch nicht in genügendem Ausmaß. Aber kein rationaler Mensch unterlässt einen angemessenen Brandschutz seines Hauses, weil dieses auch durch Hochwasser bedroht wird. Wenn man viele Bedrohungen hat, von denen manche leichter und manche weniger leicht zu bekämpfen sind, dann fängt man einmal bei der leichten an. Das nennt man gesunden Menschenverstand und nicht "Bevormundung".

"Entwicklungsland" beim Nichtraucherschutz

Die Raucher führen einen Krieg gegen die Nichtraucher. Dieses Bewusstsein beginnt sich in Österreich - einem "Entwicklungsland" beim Nichtraucherschutz - erst langsam durchzusetzen und es gibt genügend wütenden Widerstand dagegen. Der kann sophisticated sein ("Ich weiß, dass es schadet, aber der Genuss ist es mir wert") oder dumpf ("Mir doch wurscht"), jedenfalls Realitätsverleugnung, aber er ist ein vermeidbarer Verstoß gegen das zivilisierte Zusammenleben in einer ohnehin hochstressigen Gesellschaft. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe 18./19.11.2006)

Kommentar posten
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metacomet
25.11.2006 13:38
der artikel beweist, auch unter nichtrauchern gibt es gefässvergengungen im gehirn

Torado
26.11.2006 11:31
Bravo!

mit Ihrer Ignoranz bestätigen Sie
diesen Artikel voll und ganz.

East_Clintwood®
24.11.2006 12:39
Blasenkrebs durch's Rauchen?

Sachen gibt's...

Reinhard Kürsten
24.11.2006 19:18
gibt´s aber leider wirklich

ist sogar ein Hauptrisiko für Blasenkrebs....

Verzweifelnd
24.11.2006 11:03

Wo ist das Problem, woanders funktionierts ja auch (Italien, Irland etc...) und es gibt keine Volksaufstände? Ist halt wie immer in Österreich: "Schauma amal", "Wird schon werden", "Tut ja eh niemanden weh", "Was werden die Raucher dazu sagen", "Löst sich von alleine" etc....

Poldi Fesch
22.11.2006 01:22
unser Hr. Rauscher scheint

ein Alter erreicht zu haben, in dem er zum greinen zu neigen scheint

nick morgenland
 
22.11.2006 00:00
sauerstoff-mehrschritt-therapie


wissenschaft - welt - standard
http://derstandard.at/?url=/?id=2667133

wenn da etwas dran ist, wäre das ein weiterer grund, mit dem rauchen aufzuhören: sauerstoffmangel soll alzheimer auslösen.

manfred von ardenne hätte sich gefreut, wahrscheinlich einer der genialsten erfinder des genialsten erfinder des vergangenen jahrhunderts.
bis zum schluss war er aktiv - neunzig jahre lang.

http://de.wikipedia.org/wiki/Manf... on_Ardenne
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv... p?id=45331

nick morgenland
 
21.11.2006 16:32
Mädchen rauchen mehr als Burschen...


"Ein weiteres Problem sei, dass immer mehr Jugendliche rauchen, insbesondere Mädchen. „Früher war das Rauchen männerdominiert“, so Prim. Dr. Aigner. Heute rauchen bereits 50 % der 15-jährigen Mädchen gegenüber 40 % der 15-jährigen Buben. Seit 1990 hat sich in Österreich die Anzahl der täglich rauchenden Mädchen verdoppelt."

"Beinahe 90 % aller COPD-Patienten sind Raucher oder ehemalige Raucher. Ungefähr 20 % aller Raucher entwickeln die Krankheit."

http://tinyurl.com/yanaee (medical tribune)

diese information ist im zusammenhang mit der folgenden zu sehen:

"Frauen sind wegen ihrer kürzeren Atemwege Schadstoffen im Tabakrauch stärker ausgesetzt als Männer. Raucherinnen leiden daher häufiger an Erkrankungen der Atemwege."

(ms encarta)

nick morgenland
 
21.11.2006 15:13
Mädchen rauchen mehr als Burschen


"Ein weiteres Problem sei, dass immer mehr Jugendliche rauchen, insbesondere Mädchen. „Früher war das Rauchen männerdominiert“, so Prim. Dr. Aigner. Heute rauchen bereits 50 % der 15-jährigen Mädchen gegenüber 40 % der 15-jährigen Buben. Seit 1990 hat sich in Österreich die Anzahl der täglich rauchenden Mädchen verdoppelt."

"Beinahe 90 % aller COPD-Patienten sind Raucher oder ehemalige Raucher. Ungefähr 20 % aller Raucher entwickeln die Krankheit."

http://www.medical-tribune.at/dynasite.... aid=535400

nick morgenland
 
21.11.2006 15:11

Die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, ist bei einem Raucher siebenmal höher als bei einem Nichtraucher. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von 2004 jährlich etwa 31 800 Menschen neu an Lungenkrebs, davon 10 400 Frauen. Bei Männern werden bis zu 90 Prozent, bei Frauen bis zu 60 Prozent der Fälle auf Rauchen zurückgeführt. Außerdem besteht bei Rauchern ein fünffach höheres Risiko von Kehlkopf-, Mund- und Luftröhrenkrebs. Und etwa ein Drittel aller Krebserkrankungen der Blase, Nieren und Bauchspeicheldrüse werden auf das Rauchen zurückgeführt. Raucher haben zudem ein über dreimal höheres Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom zu erkranken, einer häufigen Form von Hautkrebs.

ms - encarta - "rauchen"

benpal
 
21.11.2006 21:59

Nick Morgenland: Sie scheinen informiert zu sein. Haben Sie auch offizielle Zahlen darüber, wieviele Menschen in Oesterreich angeblich an Passivrauch sterben?

nick morgenland
 
21.11.2006 22:54
drei punkte


zuerst beantworten sie mir aber eine gegenfrage:
ab wieviel toten, kranken und behinderten besteht handlungsbedarf? dazu rechne ich auch die kinder.

zusatzfrage: wie sehen sie die derzeitige drogenpolitik (illegale drogen, 180/jahr)? was würden sie anders machen?

die ächtung des rauchens kommt vor allem der jungen generation zugute. daher bin ich auch dafür, das rauchen in der öffentlichkeit zu verbieten. es gibt auch andere dinge, die in der öffentlichkeit verboten sind (manches zu recht, manches zu unrecht - nach meiner privatansicht). ein weiterer punkt: sofortige demontage der automaten (mit jugendschutz unvereinbar - keinerlei kontrolle der eltern möglich - rein kommerzielle motive). wofür ich nicht bin: ächtung der raucher.

Henry II.
24.11.2006 12:53
jugendschutz & automaten

dieses thema erledigt sich ja bald von selbst (bankomatkarte). aber zumindest ab 16 ist rauchen ja "legal"

Elmer J. Fudd
25.11.2006 10:39
nein, sehe ich nicht ein

automaten auf offener strasse sind ungewöhnlich. die gibts nicht in vielen ländern.

die neue regelung ist ein blödsinn. braucht das kind nur mit einem handy, das auf den namen eines erwachsenen angemeldet ist, hingehen.

man sollte rauchwaren nur von einer person ausgehändigt bekommen.

Poldi Fesch
22.11.2006 01:16
Handlungsbedarf

besteht erst bei ewigem Leben

nick morgenland
 
22.11.2006 01:48
wie ist das eigentlich gemeint?

ich vertrete die these, dass die tröstung des ewigen lebens eine nebenwirkung hat (auch, wenn es sich oft nur um einen restglauben handelt, aber der scheint mir doch recht wirksam zu sein). sie verführt dazu, das eigene leben aufs spiel zu setzen - meist für etwas, das es nicht gar wert ist. sie dürfte es auch wesentlich erleichert haben, das leben anderer menschen aufs spiel zu setzen.

ein gegeneffekt könnte sein, dass bestimmte positive ethische und soziale effekte überwiegen und gute gewohnheiten. im islam wird suizid tabuisiert, bestimmte gifte werden es ebenfalls. kann mir auch christen vorstellen, bei denen die religion gegen selbstzerstörung wirksam ist.

warum haben sich zum beispiel sowjetsoldaten zur schlachtbank führen lassen?

benpal
 
21.11.2006 21:07

Jeder hat so seine Zahlen. Das beweist einmal mehr, dass sich die Wissenschaft nicht einig ist. Einfach eine Rosine aus dem Kuchen zu picken, hat mit Wissenschaft nichts zu tun und zeugt von Naïvität. 80% der Studien sind statistisch nicht signifikant, d.h. es kann sowohl ein Schutzfaktor als auch ein Risiko abgeleitet werden, selbst bei den Studien, die als Ergebnis 20, 30, oder 40% angeben. Epidemiologie kann eben grundsätzlich kein exaktes Ergebnis liefern, weil die Ausgangswerte nicht messbar sind.

Elmer J. Fudd
25.11.2006 10:44
na, treten sie mal gegen al gore an

der ist auf einer tabakfarm aufgewachsen, seine schwester ist an lungenkrebs gestorben. er, lakonisch "that's one of the ways you don't want to die".

sein vater, der noch lebte, hat sofort den tabakanbau gestoppt.

na gut, ihnen werma ned überzeugen, aber für mich sind solche fälle von menschen die hautnah mit etwas zu tun haben, die es lange lange zeit als völlig normal kennen, und dann ihre einstellung ändern, doch interessant.

Zett76
22.11.2006 10:36

Lustig, Ihnen zu zu sehen. Wenn Ihnen im direkten Gespräch die Argumente ausgehen, brechen Sie ab und schreiben den nächsten an, wobei Sie wieder bei Null anfangen - ihren geliebten Statistiken... *g*

Wiederhol mich aber gerne für Sie:

Meine Fakten (völlig statistikfrei):
- 10 Jahre Sucht. Allg. Unwohlsein, Lungen- und Herzstechen, Kurzatmigkeit. Kopf- und Halsschmerzen nach durchrauchter (aber alkoholfreier) Nacht. Und das mit 30...
- 10 Tage suchtfrei, deutlich spürbare Verbesserung sämtlicher Beschwerden.
- Ähnliche/identische Berichte von hunderten Exrauchern.
- Das Zurückkehren des altbekannten, morgendlichen Halsschmerzes nach einem Abend unter Rauchern.

Da können Sie Statistiken madig machen bis zum jüngsten Tag... ;)

nick morgenland
 
21.11.2006 22:03
schreibtischtaten


zum glück ist diese argumentation einfach zu durchschauen.

nick morgenland
 
21.11.2006 22:01

für alle, die aufhören wollen, ein superlink:

http://www.aerztezeitung.de/docs/1999... 9a1101.asp

allerdings ist auch nicotin nicht unschädlich.

dem mann sollte ein denkmal errichtet werden:

knut-olaf haustein.

pro tag sterben in deutschland 300 menschen an den folgen des tabakmissbrauches (etwa 500.000 sind es pro jahr in der gesamten europäischen union).

sterben müssen wir alle, aber warum zum beispiel schon mit 48 jahren wie mein cousin. er ist einfach am sofa umgefallen. seine tochter hat sich aus kummer darüber das leben genommen. ich kann den schmus mit den liberalitätsargumenten nicht mehr hören. in gefahr und in der not ist der mittelweg der tod (angelus silesius). das rauchen ist eine katastrophe. bin für die ächtung.

nick morgenland
 
21.11.2006 15:07
"Raucher sind auf die Wirkung des Nikotins angewiesen, das eine seelische und körperliche Abhängigkeit erzeugende Suchtdroge ist. Nikotin bewirkt an den Synapsen der Nervenzellen die Freisetzung von Dopamin; das dadurch auftretende angenehme Gefühl


scheint die Abhängigkeit einzuleiten (Neuron, 2000)."

"Medizinische Untersuchungen haben bewiesen, dass die Gesamtsterblichkeit bei männlichen Rauchern mittleren Alters doppelt so hoch ist wie bei Nichtrauchern. Die Sterberate ist höher bei Personen, die täglich in höherem Maße oder über einen längeren Zeitraum Zigaretten rauchen. Nach Schätzungen der American Cancer Society sind 30 Prozent aller Sterbefälle durch Krebs auf das Zigarettenrauchen zurückzuführen. Neben anderen Stoffen im Tabakrauch gehört auch das Nikotin zu den krebsfördernden Substanzen: Nikotin verhindert die Apoptose, den kontrollierten Zelltod, durch den entartete Zellen absterben (Journal of Clinical Investigation, 2003).

"rauchen" - ms encarta

Priscillah
21.11.2006 06:10
ist...

ein toter, der geraucht hat automatisch ein rauchtoter, egal woran er gestorben ist?

oder ist das vielleicht nicht doch eine etwas reichlich eindimensionale sicht auf etwas so komplexes wie das leben selbst?

benpal
 
21.11.2006 21:16

Man könnte es vermuten, aber Rauchen taucht in keiner Sterbestatistik asl Ursache auf, auch nicht in der Klassifikation über Sterbeursachen der WHO. In den USA gibt es eine Datenbank mit der Sterbestatistiken geführt werden (SAMMEC). Es gibt Hinweise darauf, dass man damit tatsächlich solchen Unfug getrieben hat. Sterbeurkunden werden in den USA vom privaten Bestattungsunternehmen (kein Mediziner) auf Grund von Befragung der Angehörigen ausgefüllt. Das kann es sehr wohl vorkommen, dass ein verunfallter Radfahrer auch noch als Rauchertoter ausgewertet wird, denn danach wird auf dem Fragebogen systematisch gefragt.

nick morgenland
 
22.11.2006 14:53
warum wohl?


http://diestandard.at/?url=/?id=2669032

lungenkarzinom bei frauen immer häufiger.

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