Versteckspiel und Formelsuche

22. November 2006, 16:57
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Zwei Fragen dominierten die Parlamentssitzung am Freitag - Die Pensionserhöhung und: Wo stecken Gusenbauer und Schüssel?

Wo stecken Alfred Gusenbauer und Wolfgang Schüssel? Und um wie viel sollen die Pensionen nun wirklich erhöht werden? Diese zwei Fragen dominierten am Freitag das Geschehen im Parlament. Beschlüsse gab es bei der auf FP-Wunsch einberufenen Sondersitzung keine.

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Das Parlament ist nicht nur der Ort, an dem sich die Volksvertreter treffen, um ihre Arbeit zu machen. Das Parlament ist auch ein guter Ort zum Versteckspielen. Und so mutete das Hohe Haus am Freitag ein bisschen wie eine große Kulisse für ein prominent besetztes Versteckspiel an. Irgendwo mussten ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel und SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer ja sein, um ihr mit Spannung erwartetes Gespräch zur "Rettung" der rot-schwarzen Koalitionsgespräche wieder aufzunehmen.

Ab 14 Uhr aber konnten die lauernden Medienleute dann ihren Arbeitsplatz in das Plenum verlegen - wo Schüssel und Gusenbauer in der ersten Reihe saßen und der auf Wunsch der FPÖ einberufenen Sondersitzung des Parlaments über die Pensionen persönlich beizuwohnen.

Gestische Zwillinge

Schüssel erinnerte mit seinem Klubchef Wilhelm Molterer streckenweise an gestische Zwillinge. Beide Arme aufgestützt, Hände vor dem Mund, dem ab und an ein Grinsen entkam. Gusenbauer und sein Klubobmann Josef Cap saßen sichtlich entspannt, zurückgelehnt auf ihren Plätzen und sahen Parlamentsneuling Heinz-Christian Strache bei der verbalen Abfeuerung der "sozialen Trägerrakete" seiner Fraktion zu. Gusenbauer telefonierte mit dem Handy, Cap mit dem am Pult montierten "Diensthandy" für Klubchefs .

Der FPÖ-Chef forderte derweil zur Bekämpfung der "sozialen Eiszeit" eine Pensionserhöhung um 2,6 Prozent plus eine Einmalzahlung von 100 Euro, "um den Schaden der vergangenen Jahre wieder gut zu machen" (siehe Wissen).

"Mütterpension"

Ein "Schaden", den Sozialministerin Ursula Haubner (BZÖ) von der Regierungsbank aus verteidigen musste. Der vermeintliche Schaden, der den Pensionisten angetan worden sei, sei "auch mit den Stimmen der FPÖ geschehen, wenn ich mich recht erinnere", sagte Haubner, erinnerte an Verbesserungen für pensionierte Frauen und forderte eine "Mütterpension".

Gusenbauer sagte zum SP-Pensionsplan: "Zu sagen ,Altern in Würde' und zugleich Pensionshöhen unter der Armutsgrenze, ist nicht in Ordnung." Molterer verteidigte das Bemühen der Regierung um eine "faire, nachhaltige Sicherung des Generationenvertrags". BZÖ-Chef Peter Westenthaler fand den FPÖ-Antrag nur "zum Genieren".

Laptop-Rate

Bei den grünen Mandataren war eine hohe Laptop-Rate zu beobachten, Peter Pilz tippte eifrig und Grünen-Chef Alexander Van der Bellen handelte sich dann Pfui-Rufe von unten und einen Ordnungsruf von oben durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ein für das Wort "Fäkalienkünstler" im Zusammenhang mit der FPÖ. Deren Parteichef Strache hatte den Maler Hermann Nitsch als "Fäkalienkünstler" bezeichnet, was Van der Bellen empörte. "Ich ziehe den Ordnungsruf vor", ließ der Grüne die Präsidentin wissen.

Nach 90 Minuten war Schluss - zumindest mit der ORF-Übertragung aus dem Plenum, die Kameralichter gingen im "Empfangssalon" des Parlaments an, wo der rot-schwarze Wieder-Anfang in Szene gesetzt wurde. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe 18./19.11.2006)

  • Ratlose Journalisten in den Parlamentsgängen auf der Suche nach Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer.
    foto: cremer

    Ratlose Journalisten in den Parlamentsgängen auf der Suche nach Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer.

  • Da war sich Schüssel mit Gusenbauer längst einig und berichtete gut gelaunt seinem Klubchef Wilhelm Molterer.
    foto: cremer

    Da war sich Schüssel mit Gusenbauer längst einig und berichtete gut gelaunt seinem Klubchef Wilhelm Molterer.

  • Heinz-Christian Strache und Alexander Van der Bellen beäugen ungläubig das Frohlocken bei den Schwarzen.
    foto: cremer

    Heinz-Christian Strache und Alexander Van der Bellen beäugen ungläubig das Frohlocken bei den Schwarzen.

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