Patienten wieder mobil

17. November 2006, 15:18
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Erfolgreiche Hilfe für Patienten mit Wirbelkörpereinbrüchen in Wien - Ballon-Kyphoplastie kann die Schmerzen sofort lindern

Wien - Jedes Jahr erleiden 40.000 Österreicher Wirbelkörpereinbrüche auf Grund von Osteoporose (Knochenschwund). Für Wien werden rund 200.000 Osteoporose-Patienten angenommen, rund jeder Zweite weiß nichts von seiner Erkrankung, leidet jedoch daran. Die neue, innovative Operationsmethode der Ballon-Kyphoplastie bringt einer Vielzahl von Patienten mit Wirbelkörpereinbrüchen sofortige Schmerzlinderung und bringt ihnen rasche Mobilisierung. In Wien wird das Verfahren in sechs Zentren angeboten.

Neue Methode

Seit etwa fünf Jahren wird in Österreich erfolgreich eine neue, in den USA entwickelte Behandlungsmethode bei Wirbelkörpereinbrüchen angewendet: die Ballon-Kyphoplastie. Es handelt sich dabei um ein minimal-invasives Verfahren, wobei über eine Kanüle ein Ballon im gebrochenen Wirbelkörper platziert und anschließend mit einem Kontrastmittel gefüllt wird. Der Wirbelkörper wird vom Ballon aufgerichtet und dann mit einem Spezialzement (Knochenzement) aufgefüllt. Durch die Zementeinspritzung wird der Wirbel stabil, die Schmerzen werden damit rasch reduziert. Gleichzeitig werden werden eingesunkene Wirbelteile aufgerichtet und Fehlstellungen der Wirbelsäule zusätzlich verhindert, erklärten Seyed Mehdi Mousavi, Chef der Abteilung für Unfallchirurgie am Wiener Donauspital, und Ludwig Erlacher, Leiter der II. Medizinischen Abteilung an dieser Klinik.

Alterserkrankung

EU-weit leiden rund zwölf Prozent der Bevölkerung unter osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen. Die Erkrankung betrifft meist ältere Menschen mit natürlich zusätzlich vorhanden Abnützungen und Schmerzen der Wirbelsäule. Dadurch werden rund zwei Drittel der Brüche nicht diagnostiziert. Vier bis acht Prozent der Bevölkerung zwischen 50 und 54 Jahren haben bereits mindestens eine Wirbelkörperdeformität.

In der Altersgruppe der über 75-Jährigen sind es 22 bis 24 Prozent. Frauen über 60 Jahre haben ein doppelt so hohes Risiko für Wirbelfrakturen wie Männer vergleichbaren Alters. Bei Frauen nach der Menopause über 65 Jahren sind 80 bis 90 Prozent aller Wirbelkörperfrakturen auf eine Osteoporose zurückzuführen. Eine einzige Wirbelkörperfraktur erhöht das Risiko für eine weitere um das 3,5-Fache, liegen zwei Wirbelkörperfrakturen vor, erhöht sich das Risiko um das Sechsfache und bei drei Frakturen sogar um das Zwölffache.

2.000 potenzielle Patienten

Die Ballon-Kyphoplastie wird seit dem Jahr 2001 in Österreich angewendet. Der Preis für eine Operation mittels Ballon-Kyphoplastie beträgt rund 3.000 bis 5.000 Euro. Die Kosten werden vom österreichischen Gesundheitswesen finanziert. Eine konventionelle Behandlung mit Stützkorsett, Schmerztherapie und einem 14-tägigen Spitalsaufenthalt beläuft sich auf dieselben Kosten. Dennoch kommt diese innovative Operationstechnik noch zu wenigen potenziellen Patienten zu Gute. Derzeit werden in Wien rund 400 Kyphoplastien pro Jahr in sechs Zentren (Donauspital SMZ-OST, Orthopädisches Spital Wien Speising, Wilhelminenspital, UKH Meidling, UKH Lorenz Böhler und am AKH Allgemeines Krankenhaus - Universitätskliniken Wien) durchgeführt. Allein in Wien gibt es rund 2.000 potenzielle Patienten für einen solchen Eingriff. Oft werden Wirbelkörpereinbrüche aber gar nicht oder erst zu spät diagnostiziert. (APA)

  • Artikelbild
    foto: reuter/arnd wiegmann
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