Kritik an eiliger Abschiebung von Nigerianerin vor Hochzeit

2. März 2007, 11:38
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22-jährige Asylwerberin wurde im Eiltempo außer Landes gebracht - "Ehe ohne Grenzen" kritisiert Vorgehen

Kufstein/Wien - Neun Tage vor ihrer Hochzeit in Tirol wurde am Donnerstag Esther Esefo aus Nigeria (22) abgeschoben. "Wir konnten uns nicht einmal mehr verabschieden", sagt ihr Verlobter, der Speditionskaufmann Christian Schoner (25) aus Kufstein. Und: Die Behörden hätten dem Paar eine Falle gestellt.

Die Abschiebung erfolgte im Eiltempo: Am 6. November wurde die Nigerianerin vom Bundesasylsenat einvernommen, am gleichen Tag der negative Bescheid erstellt, doch die Frau erfuhr dies erst nach zehn Tagen. Vor dem UBAS hatte sie mitgeteilt, wann sie heiraten werde und dass sie mittlerweile einen Pass habe.

Das habe die Abschiebung wohl beschleunigt, meint Peter Marhold von Helpinghands. Am 9. November holte die Fremdenpolizei (BH Kufstein) den Pass zur "Routinekontrolle", fünf Tage später wurde das Paar geladen - laut Schoner mit den Worten "Es ist alles in Ordnung". "Wir sind angelogen worden", beklagt er.

"Konnte ihr nur die nötigsten Dinge bringen"

Bei der BH erfuhr Esefo, dass sie umgehend ins Schubgefängnis Innsbruck müsse. "Ich konnte ihr nur die nötigsten Dinge bringen", sagt der Verlobte. Er kontaktierte Caritas und "Fluchtpunkt" (Arge Schubhaft). Mittwoch wurde die Frau nach Wien überstellt, die Organisation "Ehe ohne Grenzen" schaltete sich ein.

Noch in der Nacht auf Donnerstag eilte Schoner nach Wien, doch zum (von der Fremdenpolizei zugesagten) Treffen mit seiner Braut kam es nicht mehr. Laut Marhold seien AUA-Tickets Wien-Frankfurt (-Lagos) noch rasch auf eine andere Airline umgebucht worden. Die Frau war schon weg.

Das Innenministerium spricht von "klarer Entscheidung" des UBAS. Die BH Kufstein hält fest: "Sollte es den beiden mit einer Ehe ernst sein, steht es Frau Esefo frei, einen Niederlassungsantrag zu stellen". Helpinghands wird beim Höchstgericht Beschwerde gegen Bescheid und Abschiebung einlegen. (bs, DER STANDARD - Printausgabe, 18./19. November 2006)

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