Raubkopier-Prozess in Wien: "Von irgendetwas muss man ja leben"

9. Juli 2007, 11:29
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Eigene Wohnung für Raubkopie-Produktion angemietet - Mehr als 6.500 CDs mit Programmen hergestellt - Microsoft schickte Testkäufer

Ein Wiener, der seinen Lebensunterhalt mit Raubkopien finanzieret haben soll, beschäftigt seit acht Jahren die österreichischen Gerichte. Bereits 1998 soll er mit den illegalen Duplikationen von Spielen und Programmen begonnen haben. Nach einer außergerichtlichen Einigung und einer Verurteilung wegen Betruges und Urkundenfälschung, hat ihn der Softwarehersteller Microsoft Corporation geklagt, weil er in einer extra dafür angemieteten Wohnung mehr als 6.500 Raubkopien - darunter Windows XP Professional - hergestellt haben soll.

U-Boot

Der 44-Jährige hat nach der Anzeige von Microsoft im Jahr 2002 laut Richter Peter Liebetreu eine Zeit lang als U-Boot gelebt und war daher für das Gericht nicht greifbar. Auch bei einem neuerlichen Termin am Freitag war der Mann nicht erschienen. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Es folgte aber der Beschluss, dass der Beschuldigte das nächste Mal polizeilich vorgeführt wird.

"Werkstatt"

In der Wohnung am Wienerberg, die extra für die Produktion der CDs angemietet wurde, waren nach einer Hausdurchsuchung mehr als 6.500 Raubkopien gefunden worden. Drei Computer, die miteinander vernetzt waren, kopierten Tag und Nacht. Der 44-Jährige soll nur vorbeigekommen sein, um zu sehen, ob alles passt. Bei einer Einvernahme bezeichnete er die Wohnung als seine "Werkstatt".

"Von irgendetwas muss man ja leben"

Der Mann ist nach Angaben von Richter Liebetreu grundsätzlich geständig. "Von irgendetwas muss man ja leben", sagte er einmal in einer Einvernahme.

Dreist

Draufgekommen war man dem mutmaßlichen Raubkopierer durch seine Dreistigkeit. Nicht nur, dass er in einer Anzeigenzeitung inseriert hat, auch der Text seines Anrufbeantworters verriet seine günstigen Angebote. Mitarbeiter von Microsoft haben dann einen Testkauf arrangiert und von einem "Klaus" das Programm um 25 Euro bei einem Treffen auf der Straße erhalten. "Klaus" hat sogar noch einen Rabatt gewährt, denn ursprünglich hätte die CD 32 Euro gekostet. Für das Originalprogramm hat man damals an die 65 Euro bezahlen müssen. Microsoft erhofft sich mit der Klage einen Schadenersatzanspruch von 56.000 Euro. (APA)

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