Ein lebendiger Platz im Herzen Innsbrucks

20. November 2006, 13:48
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Die Maria-Theresien-Straße soll eine ihrer Bedeutung entsprechende Gestaltung erhalten

Die Wiener Architektengruppe AllesWirdGut gewann den geladenen Wettbewerb. Die Jury hat deren „modernes, aber nicht modisches Konzept“ überzeugt.

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Innsbruck – Die Maria-Theresien-Straße ist Platz und Straße zugleich, die historisch mitgewachsene Bebauung kontrastiert mit dem einzigartigen Blick auf die imposante Nordkette. Dieser Gegensatz ist vermutlich das prägende Bild von Innsbruck in den Köpfen der Menschen nah und fern. Bisher sind alle Versuche gescheitert, diesen urbanen Raum zeitgemäß zu adaptieren. Die seit Jahren verordnete Fußgängerzone wurde nicht wirklich angenommen, weil sich noch immer die Straßenbahn durchschlängelt, Gehsteigkanten bestehen und riesige Blumentöpfe und eine badewannenartige Springbrunnenanlage ins Auge springen.

21 Einreichungen hat es nun zu einem geladenen Wettbewerb gegeben, die Wiener Gruppe AllesWirdGut (vier junge Architekten mit Tiroler Wurzeln) hat die Jury einstimmig überzeugt. Kern des Konzepts ist ein „steinerner Teppich“, dessen leicht unterschiedliche Farben die Fassaden der Häuser widerspiegeln und barrierefrei Nutzungszonen nahe legen: am Rand die Bewegungszone, in der Mitte der mit Sitzmöbeln zum Verweilen einladende Platzraum. Neun Meter hohe „goldene“ Lampen sollen künftig den Rand stärker ausleuchten und in der Mitte einen nächtlichen Blick auf Nordkette und Sternenhimmel erlauben, erläutert Christian Waldner von der siegreichen Architektengruppe. Außer Fußgängern und tolerierten Radlern soll es keinen Verkehr mehr geben.

Vizebürgermeister Christoph Platzgummer ist überzeugt, dass auch der Gemeinderat das Projekt akzeptiert. Den Kostenrahmen beziffert er mit 4,5 Millionen Euro.

Kampf ums Kaufhaus

Parallel dazu spießt es sich mit dem Neubau des Kaufhauses Tyrol an der Ostseite der Maria-Theresien-Straße. Wäh_rend hinter der Fassade das alte Kaufhaus fast vollständig abgerissen ist, tobt zwischen Denkmalamt, Investor und Architekt ein Kampf. Dabei geht es nicht nur darum, in welchem Umfang alte durch neue Fassade ersetzt werden darf, sondern auch darum, ob die Fenster eckig oder rund sein sollen. Im neuen Kaufhaus sollen an die 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen, Investor René Benko will 120 Millionen Euro ausgeben. Die Neugestaltung von Straße und Kaufhaus wurde von der Stadtführung auf die Zeit nach der Fußball-EM im Juni 2008 aufgeschoben. Aus optischen Gründen wie wohl auch aus solchen der Sicherheit will man die Fan-Flaniermeile baustellenfrei halten. (Hannes Schlosser, DER STANDARD - Printausgabe, 17. November 2006)

Die Nordkette als prächtige Kulisse: Die Wiener Architektengruppe AllesWirdGut gewann den Wettbewerb zur Neugestaltung der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße. Bild: AllesWirdGut

  • Die Nordkette als prächtige Kulisse: Die Wiener Architektengruppe AllesWirdGut gewann den Wettbewerb zur Neugestaltung der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße.
    foto: alleswirdgut

    Die Nordkette als prächtige Kulisse: Die Wiener Architektengruppe AllesWirdGut gewann den Wettbewerb zur Neugestaltung der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße.

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