Michael Douglas, genial hinterlistig in "Wall Street"

16. November 2006, 16:22
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Die Welt, in der Korruption und Geld regieren, hat Hollywood-Regisseur Oliver Stone zu einem Film genutzt, der in Amerika ein Kassenschlager war

Oliver Stone hat die Berufswelt seines Vaters nie gemocht. Die Jagd nach dem Geld, das Geschäftemachen, blieb ihm eine fremde Welt, ein Dschungel, in dem sich der Vater 50 Jahre lang behauptete - als Börsenhändler an der New Yorker Wall Street. Die Broker machen täglich Geld, viel Geld, für sich und für andere. Sie hängen wie Drogendealer an den Telefonen, um mit London, Tokio oder Hongkong zu feilschen. Es sind Zocker, die im Triumph das Maß verlieren, ihre Niederlagen im Suff ertränken oder durch kriminelle Machenschaften abwenden wollen.

Diese Welt, in der Korruption und Geld regieren, hat Hollywood-Regisseur Oliver Stone zu einem Film genutzt, der in Amerika ein Kassenschlager war. Der Börsenkrach im Oktober 1987, der Skandal um die verbotenen Insidergeschäfte des Wall Street-Artisten Ivan Boesky, haben Stones Melodram damals zu einem furiosen Start verholfen.

Charlie Sheen spielt den kleinen, ehrgeizigen Börsenhändler Bud Fox, der in seinem Großraumbüro - die Türme des World Trade Center stehen noch quasi symbolhaft über der mächtigen Finanzwelt - täglich das Rauf und Runter der Aktienkurse verfolgt und vom ganz großen Geld träumt. Die Geschäfte laufen schleppend, Buddy muss bei seinem Vater (im Film wie im Leben Martin Sheen), der als Monteur bei einer Flugzeugfirma arbeitet, hin und wieder Geld pumpen, weil die Börse nicht viel einbringt. Nur hungrig macht sie, und Bud will teilhaben, auch akzeptiert werden in der High Society Manhattans, träumt vom Wohnen an der Fifth Avenue, von Luxuslimousinen und attraktiven Frauen. Einer, der das alles hat, ist der Finanzhai Gordon Gekko ( Michael Douglas), ein Multimillionär und Börsenspekulant, der Firmen billig aufkauft, sie zerlegt und mit hohem Gewinn wieder veräußert.

Mit penetranter Anbiederung schafft es Bud, dass er für sein Vorbild Gekko arbeiten darf. Dieser Gekko, wendig wie eine Eidechse, in Wahrheit aber ein Raubtier, findet Gefallen an dem geldgierigen Aufsteiger und bringt ihm die Gepflogenheiten der Branche bei. Keine Gefühle, rät er seinem Zögling, "wenn du einen Freund brauchst, schaff' dir einen Hund an". Und: "Habgier", lässt Stone den Firmenaufkäufer Gekko sagen, "ist gesund, sie hat Amerika groß gemacht und wird unsere Rettung sein." Bud Fox rennt aus Habgier in die Katastrophe. Er opfert dem Erfolg seine Seele, merkt erst, als es zu spät ist, dass er sie unbedingt wiederhaben muss. Dann aber zeigt das Milchgesicht Zähne. (Hans Werner Kilz /DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2006)

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    foto: süddeutsche cinemathek
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