Kleine Händler sind gefährdet

16. Jänner 2007, 17:28
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Die Ertragskraft im Handel hat sich etwas verbessert, aber fast die Hälfte der Unternehmen schreibt rote Zahlen - Jeder Vierte akut gefährdet

Wien - Seit dem Jahr 2000 geht es dem heimischen Handel langsam besser, wenn auch in einem bescheidenen Ausmaß. "Alarmierend" sei jedoch, dass nach wie vor knapp die Hälfte der Unternehmen rote Zahlen schreibt. Jeder vierte Betrieb ist vom Zusperren bedroht.

Handel hinkt hinter Gesamtwirtschaft hinterher

Die Umsatzrentabilität im Handel, also der Gewinn (vor Ertragssteuern) in Prozent des Umsatzes, liegt derzeit bei 1,9 Prozent, das Niveau der gesamten marktorientierten Wirtschaft jedoch bei 2,4 Prozent, bedauerte Lemler. Damit habe sich die Ertragskraft im Handel im Jahresvergleich um 0,1 Prozentpunkte verbessert, jene der marktorientierten Wirtschaft dagegen um 0,3 Prozentpunkte, räumte er ein. Ziel sei es, bei der Ertragskraft an die gesamte marktorientierte Wirtschaft Österreichs anzuschließen, sagte Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Kleine Händler leiden

Neben der geringfügigen Verbesserung der Ertragskraft zeigen die Daten der KMU Forschung Austria eine weitere starke Polarisierung zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Handelsunternehmen. Demnach erzielten 54 Prozent der untersuchten 21.000 österreichischen Handelsbetriebe im Bilanzjahr 2004/05 ein positives Betriebsergebnis, 46 Prozent befinden sich in der Verlustzone. Meist seien dies kleine und kleinste Unternehmen quer durch alle Branchen, viele Einzelunternehmen sowie Betriebe mit einem schlechten Standort.

Großunternehmen heben sich ab

Großunternehmen sind tendenziell erfolgreicher, so Peter Voithofer, der stellvertretende Direktor der KMU Forschung Austria. Während mehr als die Hälfte der Kleinstunternehmen rote Zahlen ausweist, ist es bei den mittleren Unternehmen rund ein Drittel. Nur zehn Prozent der Handelsbetriebe zählen zu den Top-Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent und einer Umsatzrendite von mehr als 5 Prozent.

Knapp ein Viertel akut insolvenzgefährdet

Mit 23 Prozent befindet sich den Daten zufolge knapp ein Viertel der Unternehmen in einer betriebswirtschaftlich katastrophalen Situation: Sie sind buchmäßig überschuldet, können die Kosten nicht decken und schreiben laufend Verluste. "Damit ist knapp ein Viertel der Unternehmen im nachhaltigen Bestand gefährdet", erläuterte Voithofer. Bei den Einzelhandelsunternehmen beträgt dieser Anteil sogar 29 Prozent. Positiv hebt sich der Großhandel ab: Nur 14 Prozent zählen zu den überschuldeten Unternehmen in der Verlustzone.

Wenig Geschäft mit Schreibwaren

Im Branchenvergleich des Einzelhandels wies der Fotohandel im Durchschnitt mit 4,4 Prozent die höchste Umsatzrentabilität auf. Am unteren Ende der Rangliste befindet sich der Papier-, Büro- und Schreibwarenhandel, der im Durchschnitt einen Verlust in der Höhe von 3,5 Prozent der Betriebsleistung hinnehmen musste. Rote Zahlen schrieben im Bilanzjahr 2004/05 weiters der Spielwaren- sowie der Uhren- und Schmuckhandel.

Betrachtet man die Eigenkapitalquote, wird im Durchschnitt der österreichischen Handelsunternehmen der betriebswirtschaftliche Richtwert von 20 Prozent mit 20,3 Prozent nur knapp überschritten. Über kein Eigenkapital verfügen rund 38 aller Handelsunternehmen d.h., bei ihnen übersteigt das Fremdkapital das vorhandene Betriebsvermögen. Großunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro verfügen dagegen im Schnitt über eine Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent. Auf Grund höherer Investitionen ist die Eigenkapitalquote im Jahresvergleich rückläufig, erläuterte Voithofer.

Lemler will neue Kreditkartensätze

Zur Steigerung der Ertragskraft will Lemler unter anderem mit den Kreditkartenfirmen die Disagio-Sätze neu verhandeln. Diese liegen in Österreich zwischen 2,4 und 2,7 Prozent und damit höher als im Ausland, wo sie den Angaben zufolge unter 2 Prozent liegen.

Mit Preissteigerungen von nur 0,5 Prozent habe sich der Handel einmal mehr als Preisstabilisator erwiesen. In Summe ist der Umsatz im heimischen Handel im dritten Quartal 2006 real um 1 Prozent gestiegen. In den ersten drei Quartalen wurde ein reales Plus von 0,9 Prozent (nominell von 1,4 Prozent) erwirtschaftet. Für das Gesamtjahr ist Lemler zuversichtlich, die Erwartungen von plus 1 Prozent Umsatzwachstum zu erreichen. (APA)

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    foto: standard/waldbrunner
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