Musikalische Beschwörungen Afrikas

19. Jänner 2007, 17:57
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Archie Shepps "Kwanza" ist eine Mischung aus experimentellem Jazz mit einer guten Portion Blues und Funk

Archie Shepp, das ist der gefürchtete Heißsporn und Radikalist des Free Jazz der sechziger Jahre, das ist aber auch der gefühlvolle, kontemplative Musiker und Theaterautor. Shepp fiel in den sechziger Jahren vor allem durch seine schonungslosen und expliziten Äußerungen über soziale Ungerechtigkeiten in Bezug auf die afroamerikanische Bevölkerung in den USA auf und er machte dem Ärger darüber wiederholt auf seinen Aufnahmen Luft.

Mitte der sechziger Jahre fragte Shepp: "Stellt ihr euch niemals die Frage, wie mein und unser Zorn aussehen muss, wenn er entbrannt ist, was ganz sicher geschehen wird?". In einem Artikel im "Down Beat" fordert er: "Reißt das Getto nieder! Lasst mein Volk frei!".

In den späten sechziger Jahren begann Archie Shepps Rhetorik allmählich weniger radikal zu werden und die Wut legte sich. Sein musikalischer Stil wurde stattdessen feierlicher und besinnlicher. Das Album "Kwanza" ist Ausdruck dieser neuen Ausrichtung und kündigt Shepps Rückbesinnung in den siebziger Jahren auf den Swing und auf R&B an.

"Kwanza", benannt nach dem afroamerikanischen Fest Ende Dezember wurde 1974 bei Impulse veröffentlicht und erscheint nun erstmals digital remastert auf CD in Europa. Das Album ist eine Mischung aus experimentellem Jazz mit einer guten Portion Blues und Funk. "Kwanza" besteht aus fünf außergewöhnlichen Nummern, die Archie Shepp zwischen September 1968 und August 1969 mit einer sehr prominenten Big Band-Besetzung aufgenommen hat.

Den funkigen Einschlag erreichte Shepp auch durch die Auswahl von Musikern wie Bernard "Pretty" Burdie (Schlagzeug) oder Dave Burrell (Hammond B 3). Auf der Posaune ist zudem auch der viel zu wenig beachtete Grachan Moncur III zu hören, der die Komposition "New Africa" beisteuerte. Der Titel steht in Bezug auf ein "Neues Afrika", das gegründet werden sollte. Weitere prominente Musiker auf "Kwanza" sind etwa Jimmy Owens, Beaver Harris, Woody Shaw, Cedar Walton, Wilbur Ware, Joe Chambers, Cecil Payne und Andy Bey.

Nach einer Mischung aus Funk und Free Jazz mit der Nummer "Back Back" folgt eine Hymne auf die afroamerikanische Befreiungsbewegung mit "Spoo Pee Do", was im Dialekt von Philadelphia etwa "alles wunderbar" heißt. Für die meditativere Nummer "New Africa" wechselt Shepp die Rhythmusgruppe. Nach der wieder funkigeren Nummer "Slow Drag" folgt eine sehr gelungene Coverversion von "Bakai", eine Komposition des Trompeters Cal Massey.

Archie Shepps Solos am Tenor sind dabei wie immer rau, unnachgiebig, aber stets auch originell und voll Intensität. Kwanza ist nicht das bekannteste Album von Archie Shepp aber sicher eines seiner besten.

>>>Das afroamerikanische Fest Kwanzaa Das afroamerikanische Fest Kwanzaa

Kwanzaa ist ein afroamerikanisches Fest, das in den USA von 26. Dezember bis 1. Jänner gefeiert wird. Kwanzaa hat weder politischen noch religiösen Charakter und ist somit nicht als Ersatz für das christliche Weihnachten zu verstehen. Während der Feiertage werden traditionelle afrikanische Werte wie Familie, Gemeinschaft und Verantwortung in der Gemeinschaft besonders betont. Kwanzaa ist für viele Afroamerikaner eine Zeit der Rückbesinnung auf diese traditionellen Werte. Die Festtage wurden von Dr. Ron Everett 1966 ins Leben gerufen, der sich selbst den Namen Maulana Karenga gab. Er fügte dem Wort ein zusätzliches "a" an, um das afroamerikanische Fest vom ursprünglichen Kiswahili-Wort "kwanza" zu unterscheiden, das "erste Früchte der Ernte" bedeutet. Kwanzaa wird heute von Millionen Afroamerikanern gefeiert; in Afrika selbst ist das Fest jedoch nicht bekannt. (Georg Bacher)

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