Großrazzia bei Siemens Deutschland wegen Untreueverdachts

23. November 2006, 13:28
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Nach üppigen Gehaltserhöhungen des Vorstands und Pleite der ehemaligen Handytochter Benq ist Siemens diesmal im Visier der deutschen Ermittlungsbehörden

München - Bei einer Großrazzia haben Polizei und Justiz am Mittwoch zahlreiche Standorte des Siemens-Konzerns durchsucht. Das bestätigte eine Sprecherin des Siemens-Konzerns in München. Spiegel Online berichtete unter Berufung auf unterrichtete Kreise, es gehe dabei um den Verdacht, dass teils ranghohe Siemens-Mitarbeiter in großem Stil Vermögen des Konzerns veruntreut haben. Rund 200 Polizeibeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte hätten über 30 Bürohäuser an Siemens-Standorten und Privatwohnungen teils ranghoher Siemens-Mitarbeiter durchsucht. Die Durchsuchungen sollen auch heute, Donnerstag, weitergeführt werden.

Österreichische Firma

Auch eine Handelsfirma in Wien, die in Geschäftsbeziehung mit Siemens steht, sei durchsucht worden, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft laut ZiB mit. Siemens Österreich sei allerdings von den Ermittlungen nicht betroffen. Die Razzia soll einen schwer wiegenden Verdacht erhärten: Angestellte des Konzerns sollen im großen Stil Siemens-Vermögen veruntreut haben. Die Gelder sollen unter anderem als Bestechungsgelder für potenzielle Auftraggeber verwendet worden sein. Der Transfer soll auch über Auslandskonten, unter anderem in der Schweiz, abgewickelt worden sein.

Die Siemens-Sprecherin sagte, Hintergrund der Durchsuchungen sei, dass einzelne Mitarbeiter gegen Geschäftsregeln des Konzerns verstoßen hätten. Weitere Einzelheiten wollte sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht mitteilen. Das Unternehmen unterstütze die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen. Der heutige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld war für die betroffene Siemens-Sparte COM im ersten Halbjahr 2004 verantwortlich. Nach internen Siemens-Richtlinien sind Bakschischzahlungen zwar verboten – trotzdem tauchten immer wieder Fälle auf. So erhob die hessische Generalstaatsanwaltschaft im Frühjahr Anklage gegen zwei ehemalige Siemens-Manager wegen "Bestechung in Italien und wegen Untreue". Damals ergaben Ermittlungen, dass Gelder über Konten und Stiftungen in Liechtenstein, Dubai und Abu Dhabi geflossen seien und es "schwarze Kassen" gegeben habe. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2006)

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