Rauchverbote regen auf

6. Februar 2007, 22:10
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Die Fronten verlaufen nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern - Der STANDARD befragte österreichische Wirte

Der steirische Landesrat Helmut Hirt (SPÖ) hat mit dem Vorstoß für ein Rauchverbot in Lokalen bundesweit Diskussionen losgetreten. Die Fronten verlaufen nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern. WKÖ und FPÖ attackieren Hirt. DER STANDARD fragte österreichische Wirte.

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Graz/Wien - Seit der steirische Gesundheitslandesrat Helmut Hirt in der Landesregierung eine Stellungnahme für ein generelles Rauchverbot in Lokalen und eventuell auch Buschenschenken einbrachte, das auch die ÖVP dahin gehend mitträgt, das Thema im Landtag diskutieren zu wollen, ist er verbal unter Dauerbeschuss. Allerdings nicht unbedingt von Rauchern. "Wir sind alle Nichtraucher, aber für die Mündigkeit von Bürgern", hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Wirtschaftskammer Österreich, bei der sich Karl Wratschko, vom Österreichischen Wirtschaftsbund mit Unterstützung von Gastronomen der SPÖ und FPÖ gegen "Zwangsvorschriften" wehrte.

"Raucherhetze"

Lieber wolle die WKÖ eine "letzte Aufforderung per RSB-Brief" an alle Betriebe senden, die bisher keine Nichtraucherzonen errichtet haben. Für die FPÖ ist Hirts Initiative eine "Raucherhetze", doch sie sitzt nicht im steirischen Landtag. Grüne und KPÖ werden beim SP-Antrag mitgehen.

Entwicklungsland in Raucherfragen

Vor einem Jahr bezeichnete der britische Wissenschafter Martin McKee Österreich als "Entwicklungsland in Raucherfragen", als er am Rande einer Public Health-Konferenz in Graz mit dem Standard sprach. McKee, der für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) europäische Gesundheitssysteme untersucht, prophezeite damals den Österreichern, dass etwa die Brustkrebsrate explodieren werde, weil immer mehr Mädchen rauchen.

Wirte gegen Verbote

Selbst in öffentlichen Gebäuden kontrolliere niemand, ob Rauchverbote eingehalten würden, kritisierte McKee. Doch Lokale sind keine öffentlichen Gebäude. So argumentieren auch einige Wirte, die sich gegen Verbote wehren.

  • Exil (Graz) "Es ist hier kein öffentlicher Raum, die Leute kommen freiwillig", meint etwa Didi Stöckl, Szenewirt im Grazer Bezirk Lend, der selbst Nichtraucher ist. "Ich bin selbst betroffen, weil ich im relativ kleinen Lokal im Dunst stehe, aber ich bin trotzdem dagegen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken."

  • Flex (Wien) "Völlig absurd" findet Tom Eller, Geschäftsführer des Szenelokals Flex, die Diskussion angesichts von einem "österreichweiten Luftproblem" aufgrund der Feinstaubbelastung. "Zuerst sollten Dieselpartikelfilter verpflichtend werden", fordert der Gelegenheitsraucher.

  • Café Hawelka (Wien) "Wenn ein generelles Verbot kommt, dann gibt es eine Revolution und ich stehe an der Spitze", kündigt Nichtraucher Günter Hawelka an. "Das wäre ein Einschnitt in die Kaffeehauskultur. Eine Rauchwolke gehört zur Atmosphäre."

  • Sacher (Wien) "Rauchen hätte aus Gesundheitsgründen schon vor 30 Jahren in allen Lokalen verboten werden soll en", spricht sich Oberkellner Norbert Leidenfrost für ein generelles Verbot aus. Laut Chefin Elisabeth Gürtler soll die Nichtraucherzone von derzeit 40 auf 70 Prozent der Tische erweitert werden.

  • Linz-Bar (Salzburg) Marion Hirscher, Wirtin der "Linz-Bar", einer der angesagtesten Szene-Bars - sieht die Debatte differenziert: "Für mich wär's gesundheitlich gut." Nach einigen Tagen hinter dem Tresen würden ihr die Augen brennen und sie sei heiser. Hirscher - selbst Raucherin - meint aber: "Fürs Geschäft wäre es sicher schlecht." Viele Gäste hätten für den Fall eines Rauchverbotes bereits angekündigt, daheim zu bleiben.

  • Hotel Schwärzler (Bregenz) Das Hotel mit Restaurant- und Seminarbetrieb wurde "von einem Tag auf den anderen umgestellt", sagt Gastgeberin Maria Kofler. Geraucht werden darf nur noch in einem Extrastübchen und an der Tagesbar. "Überraschend positiv" hätten ihre Gäste reagiert, "auch die Raucher".

  • Pumpe (Klagenfurt) "Muss man wirklich alles reglementieren?", fragt Christian Fischer, der Pächter des Traditionsgasthofes "Zum Großglockner", genannt Pumpe, und schlägt vor, einen Gesundheits-Euro "auf die Zigaretten-Packung draufzuschlagen und zweckgebunden dem Gesundheitswesen zuzuführen. Denn darum geht's ja in Wirklichkeit: Unser Gesundheitswesen wird zunehmend unfinanzierbar." (cms, mil, neu, kri, jub, stein, DER STANDARD Printausgabe 16.11.2006)
    • Ob im ehrwürdigen Hotel Sacher in Wien oder im "Exil", einem Szene-Beisl in Graz: Rauchverbote regen auf oder werden seit Jahren herbeigesehnt
      foto: standard/ hendrich

      Ob im ehrwürdigen Hotel Sacher in Wien oder im "Exil", einem Szene-Beisl in Graz: Rauchverbote regen auf oder werden seit Jahren herbeigesehnt

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