Mit 600 km/h am Häusl

14. März 2007, 13:02
3 Postings

Erst revolutionierte James Dyson den Staubsauger, jetzt kam eher zufällig der Händetrockner dran

Nun scheint ein auch noch so innovativer Händetrockner nicht unbedingt das Produkt zu sein, auf das die Welt gewartet hat. Aber im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen, bei denen sich technologisch seit 60 Jahren nichts mehr getan hat und die mit ihren mehr oder weniger effektiven Gebläsen hauptsächlich Schmutz und Bakterien umverteilen, funktioniert der Dyson Airblade wirklich. Das allein ist schon eine technische Errungenschaft. Hält man die Hände in die entsprechenden Öffnungen, um sie dann langsam herauszuziehen, sind sie tatsächlich nach zehn Sekunden trocken. Das Wasser verdunstet nicht einfach, sondern wird durch einen Luftstrom, der mit 600 km/h aus augenwimpernschmalen Düsen tritt, regelrecht von den Händen gewischt.

Das Geheimnis hinter dieser Maschine ist der extrem starke Dyson Digital Motor, den die Firma eigentlich für ihre handlichen japanischen Staubsauger entwickelt hatte. Weil der Supermotor nicht nur stark, sondern auch sehr klein ist, passen ein Luft- und Restwasserfilter ins Trocknergehäuse. Bakterien werden so gut wie völlig eliminiert. Ergebnis ist ein Gerät, das mehr als doppelt so schnell ist wie Konkurrenzmodelle, daher wesentlich weniger Energie verbraucht und zusätzlich so hygienisch und hautschonend ist, dass es als erster Handtrockner das Gütesiegel der British Skincare Foundation und der britischen National Sanitation Foundation abstaubte.

Form follows Function

Am Verkauf des Airblade Kernstücks seines Dyson Digital Motors hat James Dyson aber kein Interesse. Immerhin wurden 17 Patente für diesen angemeldet: "Unser Motor ist zwar sehr gut, und wir bekommen ständig Anfragen, aber ich möchte nicht ins Motorengeschäft einsteigen. Motoren sind nicht meine Leidenschaft. Mich interessiert mehr, was ich mit ihnen erreichen kann." James Dyson legt Wert darauf, dass er vollständige Produkte designt. Und seine futuristisch-bunten Staubsauger, die sogar als exzentrische Accessoires in hippen Modestrecken Verwendung finden, sind so formvollendet, dass Modedesigner Paul Smith sie in seinen Shops verkauft.

Oberflächliches Design oder "Styling", wie Dyson es nennt, stehen aber nicht im Vordergrund. Die Zukunft liegt für ihn in Technologie, Designverrücktheit soll Einhalt geboten werden. Dyson trat 2004 als Vorstand des Londoner Designmuseums zurück, weil dort reines Styling dem technischen Design den Rang abgelaufen hatte, was sich nicht mit seiner Designideologie vereinbaren ließ. "Ich möchte einfach, dass meine Produkte funktionieren." Also ein klarer Fall von "Form follows Function"? "Bei uns sitzen keine Stylisten herum, deren einzige Aufgabe es ist, sich den ganzen Tag den Kopf darüber zu zerbrechen, wie Dyson Produkte besser aussehen könnten", bestätigt Dyson, "wir beschäftigen nur Ingenieure." Gleichzeitig legt Dyson Wert auf gute Designkultur. Viele seiner Ingenieure haben einen Designabschluss am renommierten Londoner Royal College of Art und absolvierten erst danach eine technische Spezialausbildung.

"Natürlich ist es wichtig, wie ein Produkt präsentiert wird. Aber das Aussehen wird letzten Endes immer vom technologischen Aspekt bestimmt." Beim Airblade Handtrockner lag der Fokus laut Dyson ganz besonders auf Funktion; geschwungene Formen, metallisch-minimalistische Oberfläche und sonnengelbe Luftdüsenfarbtupfer sind aber auch optisch ansprechend. "Wenn die Technik stimmt und ein Verständnis für gutes Design Teil der Firmenkultur ist, passiert der gute Look ganz von selbst." (Britta Burger/Der Standard/Rondo/17/11/2006)

  • James Dyson
    foto: hersteller

    James Dyson

  • Artikelbild
    foto: hersteller
  • Artikelbild
    foto: hersteller
Share if you care.