Malteser Meerfalke

22. November 2006, 17:00
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Malta unter Wasser sollten Taucher kennen. Ob die Fundamente des Archipels noch stehen, erkundete submarin Andreas Stockinger

Saulus aus Tarsus ist der erste historisch verbürgte Taucher auf Malta. Als Paulus und Heidenapostel erlebte dieser eine unfreiwillige Tauchpartie: Auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung zum Kaiser in Rom warfen Herbststürme die Galeeren an die Klippen des Archipels, der damals Melita hieß, mit knapper Not kamen die Reisenden mit dem Leben davon.

Spontaner Tauchurlaub

Heute heißt der Inselstaat Malta, ist seit Mai 2004 EU-Mitglied und entwickelt sich langsam zu einer wirklich attraktiven Tauchdestination, wofür das Mittelmeer sonst nicht unbedingt berühmt ist. Angenehm ist auch der Umstand, dass die Wassertemperatur selbst winters kaum unter 15 Grad fällt. Falls also jemand zu den Feiertagen plötzlich Lust bekommt, sich spontan ein paar Tage im Mittelmeer zu versenken: Der Sieben-Millimeter-Neopren reicht im Allgemeinen, fröstelnden Naturen kann man zur Semidry-Adjustierung raten. Und, dies muss schon auch gesagt sein: Wer unbedingt Großfische und spektakuläres Wassergetier sehen möchte, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

Wracktauchen

Nach Malta kommt man wegen guter Sichtweiten (bei ruhiger See), schroffer Riffe, bizarrer Unterwasserhöhlen und Highlights wie Blue Hole und Inlandsea auf Gozo - die kleine Nachbarinsel bietet insgesamt die besseren Spots. Alles gut betauchbar, sofern die Witterung mitspielt. Das gilt auch für die Wracks. Zwar sind Paulus' Galeeren längst verrottet, die Schiffe aus der Zeit des Abwehrkampfs der Malteser Ritter gegen die Türken auch, und die meisten britischen und italienischen Kriegsschiffe aus dem 2. Weltkrieg liegen zu tief zum Gerätetauchen.

Maltesische Tauchbasen nennen aber eine Hand voll jüngerer Schiffe, die bequem zu erkunden sind. Etwa die "Rozi", die vor wenigen Jahren unweit des Gozo-Fähr- hafens versenkt wurde - nicht ganz fachgerecht vielleicht, Taucher witzeln heute noch darüber, dass der ausgeweidete Schlepper in 35 Metern Tiefe aufrecht auf sandigem Grund steht. Aufrecht steht auch die Jesus-Statue drüben auf Malta, vor Qawra Point, nahe dem Ende 1995 versenkten Fährschiff "Imperial Eagle": Rio unter Wasser, fast ein Muss.

Das Blue Hole

Meistbetauchte Attraktion bleibt aber das vorhin erwähnte Blue Hole im Nordwesten Gozos, weltweit eines der schönsten seiner Art. Durch einen Riffkranz mit mehreren Metern Durchmesser taucht man in acht, zehn Meter Tiefe hinaus ans Riff, davor beim Blick Richtung Wasseroberfläche weiß man, warum ein Blue Hole heißt, wie es heißt. Und so haben auch wir uns dort - sozusagen als Malteser Meerfalken - versenkt um zu erkunden, ob die Fundamente des Archipels noch stehen. Sie stehen. (Andreas Stockinger/Der Standard/Rondo/17.11.2006)

Anreise: Air Malta fliegt im Winter 3x wöchentlich ab Wien (Mi, Fr, So). 15 kg Freigepäck für Taucher.
Tauchen, Kurse: Extra Divers Gozo
Unterkunft: Hotel Cornucopia (Gozo)
Infos: Fremdenverkehrsamt Malta
  • Pittoreske Steilküsten, bizarre Unterwasserhöhlen, schroffe Riffe - sowie Schifferlversenken, um anschließend etwas zum Wracktauchen zu haben: Aus österreichischer Sicht entwickeln sich Malta und Gozo zur nächstgelegenen eisbergfreien Tauchattraktion.
    foto: fremdenverkehrsamt malta

    Pittoreske Steilküsten, bizarre Unterwasserhöhlen, schroffe Riffe - sowie Schifferlversenken, um anschließend etwas zum Wracktauchen zu haben: Aus österreichischer Sicht entwickeln sich Malta und Gozo zur nächstgelegenen eisbergfreien Tauchattraktion.

  • Artikelbild
    foto: filip mestdagh/extra divers
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