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Stereotypen vermeiden
Je genauer die Vorstellungen und Erwartungen seien, umso weniger verharre man nämlich auf Stereotypen, weiß Karin Schreiner, Intercultural Consultant, die selbst 16 Jahre in Prag, Neu-Delhi, Brüssel und Helsinki lebte und interkulturelle Seminare anbietet. Weil man durch das Verharren auf stereotypen Vorstellungen auch schnell Aggressionen entwickelt und das zu einer permanenten Stresssituation führen kann, bestätigt Parissa Haghirian, zurzeit Assistant Professor an der Sophia University in Tokio.
Theorie und Praxis
Haghirian, die in Wien Handelswissenschaften und Japanologie studiert hat, war rein theoretisch bestens auf das Leben und Arbeiten in Japan vorbereitet - die Praxis wies zunächst auf Gegenteiliges hin. "Vieles lernt man durch 'try and error'", sagt sie. Aber ohne internationale Community in Tokio würde ihr das Reflektieren der zuweilen doch extremen Erfahrungen (Erdbeben etc.) schon sehr fehlen. Ein Must im Ausland sei auf jeden Fall das Erlernen der Sprache, sagt sie, denn "wenn man gewissermaßen taubstumm oder Analphabet ist, ist das auch nicht die beste Voraussetzung, um Schönes zu erleben", so Haghirian.
"Mich schockt nichts"
Ilona Reischl sagt, dass sie die Erfahrungen im Ausland "um vieles ruhiger" gemacht haben - "heute schockt mich praktisch nichts mehr", sagt sie. Kaum im Ausland angekommen, sei die Forscherin zunächst aus der Wohnung geworfen, einmal sogar des Landes verwiesen worden - aber, sie habe allen Widerständen getrotzt und sich durchgesetzt. Heute könne sie sagen, dass vom beruflichen Erfolg bis zum "reinen Überleben" ihr ganz eigener Verdienst ist.
Ähnlich schwierig wie das Wegfahren und in einem anderen Land Fuß zu fassen sei aber auch das Heimkehren, so die Expertinnen. "Es ist ei- ne fundamentale Erfahrung, wenn man die einfachsten Dinge nicht weiß", sagt Schreiner. "Ja", schließt sich Reischl an, "wie etwa die Einführung der E-Card. Egal in welchem Land man sich gerade befindet, das Erschreckendste ist immer die Bürokratie", lacht sie. Man fühle sich wie eine Fremde im eigenen Land, so der Tenor. Weil man sich, durch die notwendigerweise schnellere Entwicklung im Ausland, auch persönlich sehr verändere, so Haghirian. Weil man mit der ebenso stereotypen Einstellung wieder zurückkehre. Man müsse eben sein Leben wieder von Neuem umkrempeln und auf eine Art wieder von vorn beginnen. Eine Erfahrung, "ein Schatz", wie sie sagen, den alle drei aber nicht missen möchten. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe, 11./12.11.2006)
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