Pandemie-Schutzmasken-Debatte

26. Juli 2007, 13:12
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Sozialmediziner Kunze: Einfache Masken reichen für allgemeine Bevölkerung - Sicherstellung von Impfstoffversorgung wichtiger Schritt Österreichs

Wien - Seit etwas mehr als einer Woche läuft in Supermärkten eine Aktion zum Verkauf von Schutzmasken für eine allfällige Influenza-(Pandemie). Im Fachhandel gab es in den vergangenen Tagen Kritik, wonach die angebotenen einfachen Masken (FFP1) nicht den optimalen Schutz bieten würden. Der Vorstand des Instituts für Sozialmedizin, Michael Kunze, forderte ein Ende der Debatte. "Die angebotenen FFP1-Masken reichen für den Schutz in der Öffentlichkeit völlig aus", sagte er. Ähnlich äußerte sich auch das Gesundheitsministerium.

Kunze: "Die Masken mit Ventil, FFP3, braucht man als Arzt oder Angehöriger des Pflegepersonals für die Arbeit am Kranken. Bei der breiten Öffentlichkeit geht es aber um den Schutz vor der Ansteckung in der U-Bahn etc.. Da reichen die einfacheren aus."

Stellungnahme Gesundheitsministerium

Ähnlich äußerte sich auch das Gesundheitsministerium in einer Aussendung: "WHO, die europäischen Centers for Disease Control (ECDC) und führende Gesundheitsinstitutionen - wie das Robert-Koch-Institut in Berlin - empfehlen das Tragen von Schutzmasken, um sich im Fall einer Pandemie vor einer Influenza-Infektion zu schützen. Die Schutzmasken-Aktion des Gesundheitsministeriums wird von namhaften österreichischen Expert/innen und der Österreichischen Ärztekammer unterstützt. Sie gilt weltweit als Pilotprojekt, an dem schon einige EU-Mitgliedstaaten großes Interesse zeigen."

Schutz vor "Tröpfcheninfektion"

Die FFP1-Masken, die derzeit im Rahmen der Aktion in verschiedenen österreichischen Einzelhandelsunternehmen angeboten werden, würden wirkungsvoll vor Tröpfcheninfektionen schützen, über welche die Influenza eben übertragen werde. Das Ministerium: "Dies hält auch die Gebrauchsanweisung der Schutzmasken fest, die einen 'Schutz gegen feste oder feste und flüssige Partikel", also auch gegen die "Tröpfchen', auf denen Influenza-Viren sitzen, angibt. Flüssige Bestandteile der Atemluft werden von der Maske abgehalten, die darin enthaltenen Erreger sterben ab. Dabei wirke die Schutzmaske in zweifacher Hinsicht: Einerseits können sich gesunde Menschen vor der Ansteckung schützen, andererseits verhindern kranke Personen, dass sie ihre Mitmenschen anstecken.

Wichtige Vertragsunterzeichnung

Die Debatte um die Schutzmasken "überdeckt" sozusagen einen besonders wichtigen Schritt, den Österreich gestern, Dienstag, in Sachen Influenza-Schutz gesetzt hat. Die Bundesregierung hat nämlich mit dem Impfstoffhersteller Baxter jenen Vertrag unterzeichnet, der im Fall des Falles die Bereitstellung eines Influenza-Pandemie-Impfstoffs für alle Österreicher umfasst. Diese Vakzine könnte elf bis zwölf Wochen nach der Isolierung eines Pandemie-Erregers bereit stehen, da das Unternehmen eine Produktionsmethode auf Zellkultur-Basis entwickelt hat.

Kunze: "Das ist ein ganz wichtiger Schritt in der Influenza-Pandemie-Vorsorge." Baxter wird demnach in Falle einer solchen Epidemie für Österreich 16 Millionen Einzeldosen der Vakzine bereitstellen. Die Immunisierung wird aus zwei Teilimpfungen bestehen. Es wird sich um einen Ganzvirus-Impfstoff mit abgetöteten Erregern handeln. Die Kosten für die Vakzine wurden für jeweils eine Dosis mit dem Preis von zwei Zigarettenpackungen angegeben.

Stellungnahme zu Tamiflu

Auch zu Meldungen, wonach das Influenza-Medikament "Tamiflu" bei Kindern zu neurologischen Nebenwirkungen geführt habe, gab es eine Stellungnahme. Hersteller "Roche" in einer Aussendung: "Es konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten von neurologischen oder psychiatrischen Zwischenfällen und der Einnahme von Tamiflu festgestellt werden, wie eine kürzlich von den japanischen Gesundheitsbehörden in Zusammenarbeit mit Ärzten, Patienten und Angehörigen durchgeführte Studie bestätigt. Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) kann keinen direkten Zusammenhang sehen." Das Medikament ist für Patienten ab dem ersten Lebensjahr zugelassen. (APA)

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    Die Schutzmasken im Supermarkt

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