"Gastronomie differenziert betrachten"

26. Jänner 2007, 15:43
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Was in Restaurants funktioniert, muss in der übrigen Gastronomie nicht unbedingt klappen

Wien - Die Raucher ins "Pfui-Winkerl" zu stellen hält Josef Bitzinger, Spartenobmann für Tourismus- und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien, nicht für sinnvoll.

In der Debatte um generelle Rauchverbote in Lokalen, welche die steirische SPÖ gestartet hatte, gehen die Meinungen von Politik und Gastronomie auseinander. Sowohl in Kärnten als auch in Salzburg sowie im Burgenland wird ein Rauchverbot diskutiert. Doch während Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) wünscht, Raucher in Lokalen würden die Ausnahme werden, anstatt umgekehrt, sind die Salzburger Gastronomen gegen ein generelles Verbot. In Vorarlberg, Tirol, Nieder- und Oberösterreich unterscheiden sich die Forderungen der Parteien.

Das Gesundheitsministerium hatte mit den Ländern 2005 eine Übereinkunft über das freiwillige Einrichten von Nichtraucherzonen in Lokalen ab 75 Quadratmetern getroffen. Am 1. 1. 2007 soll evaluiert werden.

Anrainer "hätten keine Freude"

Anfang Jänner will sich auch Bitzinger die Ergebnisse anschauen. In Restaurants würden Nichtraucherzonen angenommen, sagte der Wirt, doch die Gastronomie müsse man differenziert betrachten. Ein Rauchverbot in Discos würde seiner Meinung nach die Raucher mitten in der Nacht auf die Straße treiben, womit Anrainer keine Freude hätten. Bei einem Vergleich mit Ländern wie Italien, Irland oder Spanien, wo das Rauchen in Lokalen verboten ist, ist er vorsichtig, denn dass es keine Einbußen im Geschäft gegeben habe, "dafür gibt es keine Belege", sagt er.

Vielmehr sei der Erfolg unterschiedlich. Während italienische Restaurants laut Fachverbänden keine Probleme hätten, meldeten kleinere Lokale Einbußen bis zu 20 Prozent oder mussten zusperren, erzählt der Gastronom. Auf Österreich umgelegt hieße das: "Das Steirereck hätte bestimmt keine Einbußen, aber die kleineren definitiv."

Häupl will Erfahrungen sammeln

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) schlägt vor, "die internationalen Erfahrungen zu sammeln und zu bewerten". Denn "wenn mir jetzt gemeldet wird, dass in Italien seit Einführung des Rauchverbotes im Jänner 2005 die Krebsrate bereits um 30 Prozent gesunken sei, ist das natürlich lächerlich." Die Frage solle vorerst "bundesweit entschieden werden," sagte er am Dienstag. FPÖ und BZÖ sind gegen ein Rauchverbot und sehen darin "Reglementierungswut Brüssels", der Österreich nachkomme und "staatliche Bevormundung".

"Ein vernünftiger Wirt hat ein Nichtraucherzimmer", sagt Günter Deutinger, Besitzer des "Nichtrauchereurigen" in Wien, wo auch im Garten nicht geraucht werden darf. Sein Konzept funktioniert seit 1993, allerdings hat er nur zwischen Ostern und Martini geöffnet. (mil, frei, APA, DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2006)

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