Krach bei Benetton über Kurs der Gruppe

29. November 2006, 13:03
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Abgetretener Vorstandschef Cassano wollte auf eigene Läden setzen, Eigentümer Benetton auf Franchise

Mailand - Der überraschende Rücktritt des Benetton-Vorstandschefs Silvano Cassano gibt Grund zu Spekulationen. Cassano hat zu Wochenbeginn, fünf Monate vor Ablauf seines Vertrags, sein Amt zurückgelegt. Gleichzeitig wird auch Finanzchef Pier Francesco Facchini den Konzern verlassen.

In Mailänder Finanzkreisen werden nun Spekulationen laut, dass es zwischen der Familie Benetton und dem Sanierungsmanager Cassano Krach gegeben habe.

Offiziell wurden keine Gründe für den Rücktritt bekannt. Gemunkelt wird jedoch, dass Unternehmensgründer und Firmenpräsident Luciano Benetton unüberwindbare Meinungsdiskrepanzen mit seinem Vorstandschef hatte. Es ging dabei um die Expansionspolitik. Benetton wollte mehr Franchise-Geschäfte in den Zukunftsmärkten par excellence, in Asien und Amerika. Der seit knapp drei Jahren amtierende Konzernchef Cassano hatte aber das Erfolgsmodell der spanischen Modekette Zara im Visier. Diese baut vor allem auf eigene Geschäfte und nicht auf Franchise-Läden.

Überraschender Rücktritt

Auch wenn seit Monaten Gerüchte kursierten, dass es zwischen den Benettons und Cassano Krach gäbe, kam der Rücktritt dennoch überraschend. Schließlich läuft der Vertrag in fünf Monaten aus. Später als erwartet hat Cassano nun seine ersten Sanierungserfolge verbucht. Benetton Group schreibt wieder schwarze Zahlen und konnte in den vergangenen drei Monaten Umsatz und Gewinn kräftig steigern. Durch ein straff organisiertes Filialnetz und die weitere Produktionsauslagerung in Niedriglohnländer konnte Benetton Group auch wieder den Anschluss an die Konkurrenten wie H&M sowie Zara finden.

Schließlich war der ehemalige Fiat-Manager Cassano der erste Außenstehende, der beim Familienunternehmen Benetton einen operativen Führungsposten übernahm.

Luciano Benetton will im kommenden Mai das Präsidentenamt seinem Sohn Alessandro überlassen. Für den Chefposten komme Alessandro nicht infrage, heißt es beim Unternehmen. Man sei auf der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden.

Möglicherweise wechselt Cassano zum Marzotto-Valentino-Konzern, dessen Vorstandschef vor Kurzem einwilligte, den Börsengang des Florentiner Luxuskonzerns Ferragamo in die Wege zu leiten.

Nach dem ersten Schock über den Führungswechsel haben die Benetton-Aktienkurse am Dienstag an der Mailänder Börse wieder drei Prozent dazugewonnen. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2006)

  • Nach dem Abgang von Vorstandschef Cassano sucht Benetton einen neuen Chef. Hintergrund dürften Auffassungsunterschiede über die Ausrichtung der Modegruppe sein.
    foto: standard/hendrich

    Nach dem Abgang von Vorstandschef Cassano sucht Benetton einen neuen Chef. Hintergrund dürften Auffassungsunterschiede über die Ausrichtung der Modegruppe sein.

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