Wozu in die Ferne schweifen...

20. November 2006, 11:08
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Jakob Winterberger isst im Vorbeigehen Garnelen auf Zitronengras bar jeder Bobo-Attitüde

Schrecklich, dass die Leute immer in der Gegend herumfahren müssen. Weinviertel, Ennstal, Japan – als ob es zu Hause, im konkreten Fall in Wien, nichts Gutes zu Essen gäbe! Und nein, da kommt jetzt kein neu eröffneter, hipper Geheimtipp. Es lohnt sich, immer mal wieder zu Stätten vergangener kulinarischer Triumphe (und wie der Gast triumphiert, wenn es schmeckt!) zurückzukehren.

Zum Beispiel das Gaumenspiel in Neubau. Dass dort gut gekocht wird, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Trotzdem kommt man zwischen den vielen Fernreisen einfach nicht dazu, einen Abend in der Zieglergasse zu verbringen. Ein Fehler.

Rasch ein Tisch, rascher das Menü

Da heißt es halt spontan sein und quasi im Vorbeigehen speisen. An einem Abend im November war das Personal denn auch um 18 Uhr bereit, schnell einen Tisch, der für 19 Uhr 30 reserviert war, für ein viergängiges Menü freizumachen. Das werde zwar stressig, aber würde sich ausgehen, versicherten Küche und Kellnerin.

Und wie recht sie hatten. Obwohl: Stressig war es gar nicht. Aber sehr gut. Wer hätte gedacht, dass sich Karfiolpüree und weißer Trüffel so gut verstehen (wenn ein bisschen Kabeljau drauf ruht)? Dass Garnelen auf Zitronengras bar jeder Bobo-Attitüde einfach authentisch schmecken können? Geschmorter und gebratener Hase erweckte große Erwartungen, die promt erfüllt wurden, auch dank der gebratenen Birne inklusive Topinambur.

So ein Schmarrn

Und so ein Birnen-Brioche-Schmarrn zum Abschluss oder eine Mandel-Vanille-Kaltschale mit Weichseln stößt man auch nicht von der Tischkante, um einen befreundeten Kulinariker zu zitieren. Um halbacht waren wir draußen, erleichtert um einen Betrag, den manch anderer an vier Abenden bei Burger King ausgibt (pro Person, zugegeben). Obwohl, Burger King – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Gaumenspiel
Zieglergasse 54, 1070 Wien
www.gaumenspiel.at
Tel. 526 11 08
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  • "Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
    foto: gaumenspiel

    "Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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