Jancker ist Mattersburger

28. November 2006, 13:02
135 Postings

Der lange Lulatsch Carsten Jancker wird Mattersburg verstärken, das 1:1 gegen Tirol zeigte die Notwendigkeit

Mattersburg - Die Kollegen von den Sonntagszeitungen waren gemartert. Verzweifelt hämmerten sie in ihre Laptops, dass das Spitzenspiel des Samstags, das Verfolgerduell zwischen Mattersburg und Tirol, 1:1 geendet hatte. Aber sie konnten sich natürlich nicht damit begnügen festzuhalten, dass im Grunde das Resultat das Einzige wäre, was von diesem Spiel berichtenswert sei.

Wie ein Geschenk des Reporterhimmels erschien da der lange Lulatsch, der erstmals in quasi offizieller Mission das Pappelstadion besuchte. Das war Stoff, damit ließ sich die Geschichte aufmotzen, er konnte dem Leser geben, was des Lesers ist: Glamour und Flair und einen, dessen Fehlen zuletzt so inbrünstig bejammert wurde - einen Typen nämlich.

Das Fan-Fähnlein unter den immerhin 10.300 Zuschauern übte bereits fürs Frühjahr. "Caaaarsten Jaaaancker!", skandierten sie. Seit einer Woche, so Jancker, sei er sich mit dem Verein einig. Samstagmittag ließ sich der 32-jährige Deutsche von Teamarzt Ernst Schopp durchchecken und die prinzipielle Fitness bestätigen. "Ab Montag trainiere ich mit der Mannschaft, ab 1. 1. 2007 bin ich Mattersburger."

Bis dahin ist er noch Chinese, beschäftigt bei Schanghai Schenhu. Er durfte also aus noch ziemlich großer Entfernung seine künftigen Kollegen begutachten. Und was er sah, war zum Beispiel das: In dieser Mannschaft ist für einen wie ihn reichlich Platz, da mögen Ilco Naumoski und Thomas Wagner balltechnisch noch so begabt sein.

An diesem Abend wäre freilich auch auf anderen Positionen Platz gewesen, und zwar hüben wie drüben. Die Tiroler machten, taktisch gefinkelt, das Mittelfeld zum Holzplatz. Mattersburg fand darauf kaum Antworten. Markus Schmidt köpfelte knapp vor der Pause zum 1:0, Dennis Mimm kurz danach zum Ausgleich, am Ende blieb die Erkenntnis, dass ein Fußballspiel nicht immer hochklassig sein muss, um für die Tabelle zu zählen.

Mattersburg-Coach Franz Lederer sprach von einem "klassischen Remis", Kollege Frantiaek Straka von einem "Fight ohne Ende", Didi Kühbauer von den Schiris im Allgemeinen. Und 10.300 von einem, der in dem allen so etwas wie eine Hoffnung ist: Jancker. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 20. November 2006, Wolfgang Weisgram)

Stationen als Spieler

  • 1986 - 1991 F.C. Hansa Rostock
  • 1991 - 1995 1. FC Köln
    (1 Liga-Tor in 5 Spielen)
  • 1995 - 1996 Rapid Wien
    (7 Liga-Tore in 27 Spielen)
  • 1996 - 2002 FC Bayern München
    (48 Liga-Tore in 143 Spielen)
  • 2002 - 2004 Udinese Calcio
    (2 Liga-Tore in 36 Spielen)
  • 2004 - 2006 1. FC Kaiserslautern
    (4 Liga-Tore in 30 Spielen)
  • 2006 - Shanghai Shenhua
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Der bitterste Moment: Der damalige Rapid-Trainer Ernst Dokupil (links) tröstet Stürmer Carsten Jancker nach der 0:1-Niederlage gegen Paris St. Germain beim Europacupfinale am 08. Mai 1996 im Brüsseler Roi Baudouin Stadion.

    • Der größte Moment: Mit Bayern München gewann Jancker 2001 Champions League und Meisterschaft.

      Der größte Moment: Mit Bayern München gewann Jancker 2001 Champions League und Meisterschaft.

    Share if you care.