Eine flüchtige Angelegenheit

23. November 2006, 21:46
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Auf der Suche nach einem Ersatz für Erdöl scheint Wasserstoff am naheliegendsten zu sein - Doch dieser hat seine Tücken

Erdöl ist ein genialer Energieträger. Das CO2, das bei der Verbrennung entsteht, macht zwar Schwierigkeiten in Sachen Klima, es ist trotzdem kein Wunder, dass die braune Sauce so beliebt ist. Kernpunkt: Der extrem hohe Energiegehalt und das relativ sichere Handling damit.

Da das Erdöl nun doch zu Ende zu gehen scheint und auch die negativen Auswirkungen auf das Klima kein Geheimnis mehr sind, sucht der Mensch nach einem ähnlich einfachen Ersatz. Dabei stößt man natürlich auf Wasserstoff. Er kommt in beliebigen Mengen in der Natur vor, aber er macht Probleme. Er sprudelt nicht einfach so aus dem Boden, sondern er muss aus anderen Energieformen hergestellt werden.

Tiefkühlung

Der zweite Punkt: Wasserstoff lässt sich nicht problemlos speichern. Gasförmig hat er ein riesiges Volumen. Deshalb muss er komprimiert werden. Aber auch dann ist das Energiepotenzial nicht sehr hoch. Die beste Möglichkeit, hohen Energiegehalt und wenig Raumbedarf zu vereinbaren, ist die Tiefkühlung bei minus 253 Grad.

Dabei kommt es aber zu folgendem Phänomen: Die absolute Isolierung gibt es nicht. Wenn Wärme in den Tank eindringt, erhöht sich der Druck. In regelmäßigen Abständen muss deshalb Wasserstoff aus dem Tank abgelassen werden. Das heißt: Nach ungefähr einer Woche ist der Tank leer. Das Handling ist also deutlich schwieriger als mit Benzin oder Diesel.

Preisfrage

Die sehr gute Brennbarkeit von Wasserstoff ist kein so großes Problem. Weil Wasserstoff das leichteste Element ist, steigt er auf jeden Fall schnell und steil nach oben. So kann es nicht passieren, dass er sich irgendwo verkriecht und unsichtbare Seen bildet, wie das etwa bei Flüssiggas der Fall ist.

Die Verwandlung der Energie im Wasserstoff in Bewegungsenergie ist hingegen relativ einfach. Dabei gibt es zwei Wege. Einerseits die Brennstoffzelle. Hier wird in einer relativ kalten Verbrennung Strom erzeugt, der dann einen Elektromotor antreibt. Fast alle Autohersteller setzen auf dieses System. Das Problem liegt eigentlich nur beim Preis und vielleicht noch bei der Haltbarkeit.

BMW geht eigene Wege

BMW setzt auf die Verbrennung von Wasserstoff im herkömmlichen Verbrennungsmotor. Die jüngsten Entwicklungen an beiden Fronten sind die Hochtemperatur-Brennstoffzelle von VW - und BMW hat gerade das erste Serienauto mit Ottomotor und Wasserstoffantrieb präsentiert. Mehr darüber demnächst. Nicht, weil wir Sie pflanzen wollen, sondern weil wir das heute noch nicht dürfen. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 10.11.2006)

  • Tankvorgang mit komprimiertem Wasserstoff bei VW mit Hochtemperatur-Brennstoffzelle
    foto: volkwagen

    Tankvorgang mit komprimiertem Wasserstoff bei VW mit Hochtemperatur-Brennstoffzelle

  • BMW setzt auf Wasserstoff im Verbrennungsmotor.
    foto: bmw

    BMW setzt auf Wasserstoff im Verbrennungsmotor.

  • Der BMW Hydrogen7 mit Wasserstoff-Antrieb kommt 2007 auf den Markt.

    Der BMW Hydrogen7 mit Wasserstoff-Antrieb kommt 2007 auf den Markt.

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