AMS freut sich über mehr Geld 2007

19. November 2006, 18:01
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Bartenstein will Sonderbudget fortschreiben - Neue Wifo-Prognose zu Arbeitsmarkt

Wien - Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein und sein Kollege aus der Himmelpfortgasse, Karl-Heinz Grasser, wollen heute, Dienstag, beim Ministerrat vorschlagen, dass das Budget für das Arbeitsmarktservice auch 2007 wieder um einen ordentliche Sonderposten aufgestockt wird. Demnach hätte das AMS, wie auch heuer, wieder rund 845 Millionen Euro zur Verfügung.

Davon 630 Millionen Euro ergeben sich aus der puren Fortschreibung des bestehenden Budgets. Rund 80 Millionen wurden für 2007 bereits im Vorjahr im Sonderpaket dotiert. Dann erfolgen noch Rücklagenauflösungen zugunsten behinderter und älterer Arbeitnehmer (15 Mio. Euro). Das AMS rechnet weiters mit 40 Mio. Euro für die schon zugesagte Verlängerung des so genannten Blum-Bonus für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden. Die aufs Niveau von 2006 fehlenden 80 Mio. Euro müssten vom Ministerrat nun genehmigt werden.

Wie auch heuer würde das Zusatzgeld wieder aus dem Defizit der Arbeitslosenversicherung stammen, die durch das Budget, also durch Steuermittel, abgedeckt wird. Heuer werden dem Topf Arbeitslosenversicherung 4,45 Mrd. Euro seitens Arbeitnehmern und Arbeitgebern zugeführt, die Ausgaben für das Arbeitslosengeld und diverse Sonderausgaben wie eben die Aufstockung des AMS-Budgets betrugen 4,9 Mrd. Euro. "Ein Defizit wird es wieder geben", sagt Johannes Kopf, AMS-Vorstand, im Gespräch mit dem Standard, "aber wegen sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Beschäftigung wird es im nächsten Jahr voraussichtlich kleiner werden".

(Ent-)Warnung

Die bis vor kurzem von Wirtschaftsforschern prognostizierte Knappheit auf dem Arbeitsmarkt ab 2012 ist indessen vorerst "abgesagt" worden - beziehungsweise deutlich nach hinten verschoben worden: Erst ab etwa 2020 soll das Arbeitskräfteangebot in Österreich abnehmen. Dies ergibt sich aus einer Studie, die teil des kürzlich vorgestellten "Wifo-Weißbuchs" ist, in dem die Wirtschaftsforscher Langfristperspektiven für Österreich vorgeben

Mehr Arbeitskräfte als bisher erwartet sind aber nur dann eine gute Nachricht, wenn diese so qualifiziert sind, dass sie auch nachgefragt werden, sagte Gudrun Biffl, Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstitutes. Ein Grund, warum so lange von einem schon bald schrumpfenden Arbeitsmarkt ausgegangen worden sei: Das AMS sei stärker grenzüberschreitend tätig und vermittle auch ausländische Arbeitskräfte - etwa das ostdeutschen Gastronomie-Personal "Wenn einmal die Übergangsfristen 2011 zu Ende sind, wird sich diese Zusammenarbeit auch auf Polen oder Ungarn ausdehnen." Dabei bestehe die Gefahr, dass es in zehn Jahren mehr als ausreichend Arbeitskräfte auf dem Markt gebe, dass diese aber nicht die nachgefragten "Skills" hätten, sagt Biffl. (szem, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2006)

  • Gudrun Biffl, Arbeitsmarktexpertin am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) warnt vor "Knappheit an qualifizierten Kräften und auf der anderen Seite einer hohen Arbeitslosigkeit".
    foto: standard/newald

    Gudrun Biffl, Arbeitsmarktexpertin am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) warnt vor "Knappheit an qualifizierten Kräften und auf der anderen Seite einer hohen Arbeitslosigkeit".

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