Besserung durch die Natur

26. Juli 2007, 12:44
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Positive Auswirkungen sind zwar bekannt, die Verbindung zwischen Mensch und Natur aber kein wissenschaftliches Thema

London/Innsbruck - Die Natur vermindert Stress und erhöht die physische Gesundheit. So lautet die Basisidee einer britischen Kampagne, welche die Menschen vor allem in Ballungszentren auffordert, mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Das Ziel von Natural England ist es, Krankheiten vorzubeugen und die Gesamtgesundheit der britischen Bevölkerung zu verbessern. Auch im restlichen Europa wird immer wieder über den Einfluss von Natur und Landschaft auf die Gesundheit diskutiert. Bisher wurde aber die Verbindung zwischen humaner Gesundheit und Lebensraum noch kaum wissenschaftlich thematisiert.

Weniger Schmerzmittel

"Aufmerksamkeitsdefizite bei Kindern verbessern sich beispielsweise, wenn das Kind Kontakt zur Natur hat. Und Menschen, die sich von einer kürzlichen Operation erholen, brauchen weniger Schmerzmittel, wenn sie sich in der freien Natur aufhalten", erklärt William Bird, Gesundheitsberater bei Natural Health. Doch nach wie vor handelt es sich bei derartigen Aussagen um reine Behauptungen, wie auch Klaus Rhomberg, Umweltmediziner in Innsbruck, weiß.

Wenig wissenschaftliche Beachtung

"Zu dem Thema, wie der Lebensraum auf einen Menschen wirkt und wie das natürliche Umfeld den Genesungsprozess beeinflusst, gibt es kaum wissenschaftliche Arbeiten", erklärt Rhomberg. Vor allem in den Industrieländern sei zu beobachten, dass das kulturelle Verständnis für den Einfluss der Natur auf den menschlichen Organismus fehlt. Dass es aber einen Einfluss der Umgebung auf den Menschen gibt, ist ein offenes Geheimnis. "In den vergangenen Jahren tendiert man dazu, bei der Planung von Krankenhäusern Parkanlagen zu berücksichtigen, da diese auf die Genesung positiv wirken. Dazu gibt es auch Studien", so Rohmberg.

"Ist ja klar"

Warum dieser Bereich in der medizinischen oder psychologischen Forschung wenig aufgegriffen wird, ist aber schwer zu beantworten. "Wahrscheinlich weil die Ergebnisse einen 'Ist ja klar'-Effekt mit sich bringen", meint Rohmberg. So ist beispielsweise bekannt, dass Bewegung an der frischen Luft den Organismus anregt. Kinder, die also viel Bewegung in der Natur machen, leiden daher wahrscheinlich weniger an Fettleibigkeit. Darüber hinaus ist es in der Natur meistens still und ruhig, wodurch die Sinnesorgane entlastet werden und Stress abgebaut wird.

Obwohl der Zusammenhang zwischen Natur und menschlicher Gesundheit nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, wird die Thematik von verschiedenen Institutionen sehr ernst genommen. Die britische Studie wird beispielsweise unter anderem von der Regierung und der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC unterstützt. (pte)

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