Mit der "diebischen Elster" in die Schulpause

13. November 2006, 10:00
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Projekt "Klassik statt Klingel" findet immer mehr Zuspruch: Nun machen schon 20 deutsche Schulen mit

Saarbrücken - Immer mehr deutsche Schüler gehen mit Tschaikowsky oder Mozart in die Pause: Das vor gut einem Jahr in Saarlouis gestartete Projekt "Klassik statt Klingel", das Schüler stärker an klassische Musik heranführen soll, hat bundesweit mehrere Anhänger gefunden, wie der Initiator Robert Leonardy der dpa am Samstag in Saarbrücken sagte. Insgesamt seien es rund 20 Schulen, die Gong und Klingel gegen die bis zu 20 Sekunden langen Klassik-Ausschnitte getauscht hätten. Darunter seien zwölf saarländische Schulen, vier in Rheinland-Pfalz und eine in Berlin-Spandau.

"Es läuft, jeden Tag kommen irgendwelche Anfragen", sagte Leonardy. Auch aus München gebe es Interesse für das Projekt. Eine koreanische Familie wolle die klassischen Pausentöne an dortigen Privatschulen einführen. "Der größte Hemmschuh ist eigentlich die Technik", sagte Leonardy, der unter anderem die Musikfestspiele Saar leitet. Um die Stücke von einer CD einzuspielen, sei die Programmierung einer Musikanlage nötig.

Ulrich Heger, Leiter der ersten beteiligten Schule, dem Gymnasium am Stadtgarten in Saarlouis, zieht nach einem Jahr ein positives Fazit: "Wir sind sehr froh damit. Die Musik ist schon zur Normalität geworden." Zum Unterrichtsbeginn, vor und nach den Pausen sowie am Ende des Schultages erklingen bis zu 20 Sekunden lange Ausschnitte aus bekannten klassischen Werken. Insgesamt hat Leonardy 200 Themen zusammengestellt. Aushänge informieren in Kurzform über die Stücke und Komponisten der Woche.

Heger sagte, seine Schule veranstalte regelmäßig ein Quiz. Dann gebe es keinen Aushang, es würden fünf verschiedene Ausschnitte gespielt. Derjenige, der die meisten Komponisten nennen könne, erhalte einen Preis. "Dabei habe ich gemerkt, dass doch mehr Schüler der Musik lauschen als ich gedacht habe", sagte Heger. (APA/dpa)

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