Ertrag und Sicherheit gehen schwer zusammen

13. November 2006, 01:00
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Fondsgebundene Lebensversicherungen sollen laut Anbieter beides bieten: Versicherungsschutz und Ertrag - Geeignet sind Fondspolizzen nicht für Anfänger

Wien – Eine klassische Lebensversicherung bringt wohl rund vier Prozent Bruttorendite im Jahr, nach Abzug der Spesen bleiben davon etwa drei Prozent netto übrig. Fondspolizzen dagegen bieten Chancen auf hohe Renditen in der Vorsorge, sagen die Anbieter und stoßen damit offenbar auf offene Ohren. Fondsgebundene Lebensversicherungen (FLV) kamen 2005 bei den Konsumenten gut an. Das FLV-Neugeschäft lag in diesem Jahr bei rund 677 Millionen Euro, eine Steigerung von 42 Prozent gegenüber 2004 ermittelte die Unternehmensberatung Towers Perrin Tillinghast mittels Umfrage unter österreichischen Anbietern fondsgebundener Lebensversicherungen.

Die Versicherungsanbieter setzen auf das Bedürfnis der Österreicher nach Sicherheit. Im dritten Jahr in Folge stieg der Anteil der Fondspolizzen mit Sicherungskomponente. Auf FLV-Produkte mit Garantien entfielen 10,7 nach 9,8 Prozent der neuen Polizzen und 37,5 Prozent der Gesamtprämien, heißt es. Ob die Konsumenten dabei immer die beste Wahl treffen, darf bezweifelt werden. Fondsgebundene Lebensversicherungen - eine Kombination aus Ablebensversicherung und Ansparen in Investmentfonds - werden in vielen Varianten angeboten. Der Kunde kann dabei unter verschiedenen Risikokategorien wählen. "In einem intensiven Analysegespräch muss man mit dem Kunden die Ziele, die er mit dieser Fondspolizze verfolgt (Eigenvorsorge für das Alter, Sparen, Kindervorsorge, Finanzierung), seine Risikoneigung und etwaige gewünschte bzw. benötigte Zusatzabsicherungen (z.B. Berufsunfähigkeitsabsicherung) herausfinden", heißt es etwa bei der MLP Vermögensberatung.

Komplizierte Materie

Es folgt eine lange Liste an Dingen, die es bei der Auswahl des Anlageprodukts zu beachten gilt: "Ein in den letzten Jahren immer wichtiger gewordener Punkt ist die Flexibilität der Tarife (nicht nur im fondsgebundenen Bereich). Das betrifft sowohl die Startphase des Vertrags, wo viele Kunden mit einer geringeren Prämie einsteigen möchten, und analog zu ihren Gehaltssteigerungen auch die Prämien erhöhen wollen. In der Bestandsphase des Vertrages sind Zuzahlungsmöglichkeiten in den Vertrag (z.B. bei Erbschaften oder Firmenbonifikationen) und Teilauszahlungsmöglichkeiten (bei kurzfristigem Finanzbedarf) sowie immer mehr auch die Möglichkeit mit der Prämie für eine gewisse Zeit aussetzen zu können (z.B Arbeitslosigkeit, Kinderkarenz) wichtig. In der Ablaufphase ist die Flexibilität bei der Entnahme des angesparten Kapitals besonders wichtig, denn kaum jemand von uns kann sagen, wann er in Pension gehen wird, und ob er dann eine lebenslange Rente, unregelmäßige Kapitalentnahmen oder vielleicht sogar eine Mischung aus beiden benötigen wird."

So weit so kompliziert. Klar ist, wie immer bei solchen Produkten kosten Sicherheit und Garantien Geld. Die Erträge, die in Aussicht gestellt werden sind fiktiv. "Eine verlässliche Aussage über Performanceentwicklungen von Fonds kann seriöserweise nicht gemacht werden. Im Aktienbereich ist über 10 Jahre eine Performance von 6 Prozent realistisch, im Rentenfondsbereich von ca 5 Prozent, lässt die Wiener Städtische wissen. Uniqa rechnet in den reinen Aktienportefeuilles mit einer langfristigen Performance von rund 8 bis 9 Prozent, das decke sich auch mit der Erfahrung der letzten zehn Jahre. In den reinen Garantiefonds gehen die Uniqa-Versicherer von 5 bis 6 Prozent aus. Daneben ist Transparenz bei den Kosten auch in Sachen Fondspolizzen nicht immer gegeben, die Anbieter lassen sich hier nicht gerne in die Karten schauen. Konsument hat etwa in einem Test vor einigen Jahren beispielhafte Kosten errechnet. Ergebnis: Für eine Prämiensumme von 38.400 Euro, angespart über 32 Jahre, betrugen die Kosten im günstigsten Fall 6.780 Euro – in schlechteren waren bis zu 9.219 Euro für Produktspesen, Risikoprämie und Versicherungssteuer zu berappen. Erträge in Höhe dieser Kosten müssen über die Fondsveranlagung mindestens erzielt werden, damit es am Ende der Laufzeit kein bitteres Erwachen gibt. Die Ankaufskosten betragen in der Regel drei Prozent, laufende Kosten pro Jahr rund 1,5 bis zwei Prozent. Dabei fallen die unterschiedlichen Kosten enorm ins Gewicht: Beispielsweise machen 0,5 Prozent jährlicher Kostenunterschied (20-jähriger Vertrag, jährliche Einzahlung 2000 Euro, angenommene Wertentwicklung fünf Prozent) 4430 Euro bis zum Ende der Laufzeit aus.

Kosten schlank halten

Dass Sicherheit und ertragreich schwer zusammengehen gibt auch Christan Brandstätter, Vertriebsdirektor Österreich des deutschen Versicherungsverbundes Continentale zu: "Wenn ich 50 Prozent Rentenfonds und 50 Prozent Aktienfonds auswähle, kann ich mich gleich für eine Erlebens- und Ablebensversicherung entscheiden. Bei Rentenfonds in der Ansparphase komme ich nicht auf den Ertrag. Wer mehr Ertrag will muss die Kosten schlank halten." Continentale verzichtet deswegen etwa auch auf gemanagte Fonds. Der Kunde kann sich oft nämlich auch entscheiden, ob er eigenständig die Investmentfonds zur Veranlagung auswählt, oder ob er damit ein Fonds-Management beauftragt, das Auswahl und Kauf der Fondsanteile sowie die laufende Marktbeobachtung durchführt. Für dieses Service fallen zwischen 0,4 bis 0,6 Prozent einer Jahresprämie an.

In Fondspolizzen sollte nur investieren, wer risikofähig und risikofreudig ist und einen langen Atem hat. Die Laufzeit einer Fondspolizze sollte nicht unter 15 - 20 Jahren liegen, rät MLP. Skandia rät – für den Fall der Vorsorge - zu einer mindestens 25 jährigen Laufzeit. Langfristig gesehen ist die Auswahl der geeigneten Fonds weitaus wichtiger als die Höhe der Spesen. Dazu bedarf es allerdings einiges Wissen über das Funktionieren des Wertpapiermarktes. Die meisten Gesellschaften ermöglichen die Wahl zwischen Einzelfonds und gemanagten Gesamtdepots, bei denen der Kunde sich für eine Risikostufe entscheiden muss. Manche Anbieter bieten eine Auswahl von Einzelfonds mit bis zu 100 Produkten. Solch umfangreiche Fondspaletten sind vor allem für aktive Anleger geeignet. Von Bedeutung ist aber vor allem die Qualität der Fonds.

Hochrechnung mit 0-Prozent-Performance

Lothar Strouhal von MLP schlägt in Sachen Vorsorge den Tarif FU06 der Gerling-Konzern Lebensversicherung-AG vor. Mindestbeitrag sind hier 75 Euro pro Monat bzw. 5.000 Einmalbeitrag. Bei einem 30-jährigen Vertrag sollte laut Strouhal bei einem Start mit 100 Prozent Aktienanteil und sukzessiver Umschichtung gegen Laufzeitende eine p.a. Nettorendite von ca. 5,5 Prozent (bei 7 Prozent Wertentwicklung) gelingen. Warnender Nachsatz: "Diese Zahlen beziehen sich aber auf die Entwicklung in der Vergangenheit und können für die Zukunft nicht garantiert werden. Im schlimmsten Fall muss man bei einer Fondspolizze ohne Garantien mit dem Totalverlust des Kapitals rechnen." "Fonds müssen 9 Prozent Performance machen, damit langfristig abzüglich der Kosten Ertrag herausschaut", glaubt Christan Brandstätter.

Generali schickt als Vorschlag MAXX Invest, eine fondsgebundene Lebensversicherung mit dem Garantiefondskonzept DWS FlexPension mit Höchststandgarantie (Wertzuwächse mit Garantie). Laufende Prämie: mindestens 35 Euro p.m. inkl. VSt., Einmalzahlung: mind. 700 Euro inkl. VSt. Was dabei herauskommen kann, rechnet die Generali wie folgt vor: Beispiel: Mann, 40 Jahre, Vertragslaufzeit und Prämienzahlungsdauer 25 Jahre, monatliche Prämie 100 Euro, 10 Prozent Mindesttodesfallsumme, Dynamik 4 Prozent: Sollte die jährliche Performance über die gesamte Laufzeit 0 Prozent betragen, so beläuft der sich der prognostizierte Erlebenswert inkl. Gewinnanteil auf 41.892,43 Euro. Bei einer jährlichen Performance über die gesamte Laufzeit von 8 Prozent beträgt der prognostizierte Erlebenswert inkl. Gewinnanteil auf 107.483,53.

"Bei Angeboten in der Fondsgebundenen Lebensversicherung raten wir den Verbrauchern, sich unbedingt eine Hochrechnung mit einer 0-Prozent-Performance aushändigen zu lassen. Das macht die Kostenbelastung deutlich - was schaut am Ende raus, wenn das eingesetzte Kapital keinen Ertrag abwirft", empfiehlt auch Gabi Riener vom Verein für Konsumenteninformation. (Regina Bruckner)

Wissen: Das Fondspolizzengeschäft wird von unabhängigen Vermittlern dominiert. Mit 33,6 Prozent - knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahr - stellen Makler und ungebundene Vertriebsgesellschaften den wichtigsten Vertriebsweg dar. Vertriebsanteile verloren Banken und der gebundene Strukturvertrieb. Über Banken wurden 2005 nur noch 30,2 (34) Prozent, über den gebundenen Strukturvertrieb 4 (9) Prozent abgeschlossen. Über den Ausschließlichkeitsvertrieb wurden 31,7 Prozent - plus 4 Prozent - der Verträge abgeschlossen.
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    In Fondspolizzen sollte nur investieren, wer risikofähig und risikofreudig ist und einen langen Atem hat.

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