Integration heute

Redaktion, 31. Jänner 2007, 19:27

Die Migranten mitsamt ihren diversen Kulturen sind längst ein integraler Teil der hiesigen Gesellschaft, nur wir haben es nicht bemerkt

Integration und der Umgang mit Zuwanderern ist wohl dasjenige "große Projekt", das im gegenwärtigen Regierungskuddelmuddel als Erstes unter die Räder kommen wird. Aber: Ist die Regierungspolitik in dieser Frage wirklich das Alleinseligmachende?

Neuerdings kommt mir die Integrationsdiskussion, selbst unter so genannten Gutmenschen, seltsam irrelevant vor. Die Migranten selbst haben sie nämlich mittlerweile in die Hand genommen und zeigen vor, wie es gehen kann.

Zwei Beispiele dafür: die neue Zeitschrift Biber, gestaltet von Zuwanderern der zweiten Generation mit der Geburtshilfe des jungen Kurier-Redakteurs Simon Krawagna, und der Film "Exile Family Movie" des Wiener Regisseurs iranischer Herkunft Arash T. Riahi. In beiden Produkten kommt das Wort Integration so gut wie nicht vor.

Die "family in exile" - es ist die eigene des Regisseurs -, der Vater ein vor der Repression in der Heimat geflohener Intellektueller, die erwachsenen Kinder in Wien erfolgreich berufstätig, lebt selbstbewusst und unbefangen ihre eigene Kultur, ohne Feindseligkeit und ohne Minderwertigkeitskomplexe gegenüber der neuen Heimat.

Die schöne und kluge Tochter, frisch promovierte Medizinerin, spricht, isst und lebt privat iranisch. Aber als sie auf einer Mekka-Reise, unternommen, um die Großfamilie aus Teheran wiederzusehen, notgedrungen das Kopftuch anzieht, sagt sie auf wienerisch: "Urschiach schau ich aus mit dem Zeug." Sind die Riahis integriert? Die Frage stellt sich nicht.

Auch die jungen Redakteure des Biber scheinen mit großer Selbstverständlichkeit in beiden Kulturen zu Hause zu sein, in der der alten wie der der neuen Heimat. Biber heißt auf kroatisch Pfeffer, auf türkisch heißt es scharf. Der österreichische Leser - in der Migrantensprache "Schwabo" genannt - lernt einiges über die ihm weithin unbekannte Welt der Zuwandererjugend mitten in Wien. Etwa, dass es auf der "Balkanstraße" (Otta-kringer Straße) neuerdings eine höchst angesagte Partymeile mit vielen boomenden Lokalen und interessanter Musik gibt. "So etwas findest du nirgends in Europa, jedenfalls nicht in Deutschland und nicht in der Schweiz, das gibt's nur in Wien", schwärmt eine Studentin aus Belgrad. Nicht die Politik, so scheint es, die Stadt selbst beweist ihre Integrationskraft.

Jeder achte Österreicher, jeder vierte Wiener hat einen so genannten Migrationshintergrund. Ein gewaltiges Potenzial, quantitativ wie qualitativ, von dem das offizielle Österreich außer mit Angstparolen bisher erstaunlich wenig Notiz genommen hat. Die Wirtschaft war da, wie immer, der Politik voraus.

Arashs Film und Biber (die Zeitschrift sieht sich als kommerzielles Projekt und verzichtet bewusst auf Subventionen) machen nachdenklich. Was für Talentreserven lässt sich die österreichische Gesellschaft entgehen, indem sie die Migranten mehr oder minder auf jene Berufssparten reduziert, die "echte Österreicher" nicht ausfüllen wollen! Wo sind die Zuwanderersöhne und -töchter im öffentlichen Dienst? Im ORF - und zwar nicht als Moderator von "Heimat, fremde Heimat", sondern der "ZiB"? Wo sind sie im Parlament? Bei den letzten Wahlen stellten zwar alle Parteien Kandidaten und Kandidatinnen mit Migrationshintergrund zwecks Stimmenfang in ihrem Milieu auf, aber alle an unwählbarer Stelle.

Die Migranten mitsamt ihren diversen Kulturen sind längst ein integraler Teil der hiesigen Gesellschaft, nur wir haben es nicht bemerkt. Der Dönerstand gehört zum Wiener Stadtbild wie der Würstelstand. Die Jugos (Selbstbezeichnung) und Türken sind aufgewacht. Höchste Zeit, dass auch die Schwabos aufwachen. (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2006)

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Huber, Huber...

Nun, ich habe fünf Jahre im Amazonasgebiet gelebt, bin mit einer Amazonasindianerin verheiratet und mußte irgendwann feststellen, daß sich die dort weder heute noch in der Geschichte mehr oder gemeiner umgebracht haben als wir bzw. unsere Vorfahren.
Fahren Sie mal hin und schauen sie sich die Indianer dort an, dann werden Sie schon merken, was Sie kulturell von denen lernen können. Aus Ihrer primitiven Polarisierungsrhethorik heraus zu schließen wäre das wohl eine ganze Menge.

Dieses Erbe gehört nicht uns allein. So wie die gesamte Vergangenheit niemanden allein gehört. Wir können von jedem Volk und von jeder Zeit nehmen und uns aneignen, was wir wollen.

Aus der Sicht der Indianer: Da gibt es ein Volk, das immer wieder Weltkriege anfängt und Millionen Menschen umbringt. Später waren sie nie dabei. Was könnte uns dieses Volk, das sich Österreicher nennt, uns geben?

Zum Teil richtig.

Was mir auffällt, ist die völlige Absenz von Zuwanderern im Rundfunk. Nicht nur, was Moderatoren angeht, sondern vor allem interviewte Hörer/Teilnehmer bei Gewinnspielen etc. Wenn man Radio Wien oder Ö3 hört, könnte man meinen, in ganz Österreich wohne keine einzige Türkin. Seltsam, oder?

Ein Kulturprojekt wie eine Zeitschrift extra für/von Immigranten ist meines Erachtens das Gegenteil von Integration. Die Ottakringer Straße sowieso.

Anmerkung: Frau C-C weiss offenbar nicht, dass der Öffentliche Dienst - außer für ganz gewisse Söhne und Töchter - seit Jahren einen Aufnahmestopp verfügt hat. Nicht nur für Immigranten.

Yeap, Ö das europäische Australien!

Australien hat aber bald Migrationsstopp aufgrund Knappheit von Trinkwasser.

Kommts alle nach Ö ausreichend Wasser, Geld, Jobs, Wohnungen,..vorhanden und most important das einzige Land der Erde, in dem sich Einheimische an Zuwanderern anpassen,
MU

Das verstehe ich jetzt nicht, ...

... warum Sie mir diese Antwort schreiben.

Meinen Sie, dass nur akzentfreies Deutsch im Radio zu hören sein soll, wenn es um Teilnehmer bei Gewinnspielen geht?

Oder haben Sie sich verklickt?

Nein, habe lange in Australien gelebt und gearbeitet- großartiges Land, aber ich war stets durstig und Wasser hat soooo viel gekostet, konnte durstigen Kängurus im Outback kein Wasser geben, ...ist Tatsache!

Die wissen nicht wohers das Wasser nehmen sollen, die physikalisch, chemische Umwandlung von Meereswasser in Trinkwasser kostet etwa gleich viel wie Erdöl.
Großes Land, kein Wasser! Ist wirklich das größte Problem der Australier.
Aus mit dem Immigrieren!

Kleines Land Ö, schlechte Ausbildung, keine Jobs, betrifft ganz besonders Jugendliche. In Wien macht man bereits einige Krankenpflegeschulen dicht, weiß ich von der Gewerkschaft. Warum wohl? Ausbildung kostet Geld!
Wir wollen aber nnicht mehr ausbilden, weil wir es bevorzugen Billigpersonal fertig zu übernehmen.

Kein Wasser, keine Jobs, keine MIGRATION!

Aber was rede ich da, wir haben doch massenhaft Jobs u. beste Ausbildung in Ö. Jaja, diese Pseudopolitik in Ö,
MU
MU

Wenn einem gar nix mehr einfällt, dann braucht man als Beispiel für gelungene Integration nur irgendwas über´s Fressen (Döner, Pizza, Sushi und der schicke Nobelinder) schreiben.

Prost !

Werte Frau Coudenhove-Kalergi, ich freue mich auch soetwas zu lesen, aber "die Jugos" und "die Türken" sind genausowenig aufgewacht wie "die Schwabos" schlafen,

weil es allesamt in dieser Verallgemeinerung und Vereinfachung einfach nicht gibt. Bei "den Jugos" hatte ich bisher übrigens nie den Eindruck, dass es irgendwie an gelungener Integration mangelt. Bei vielen Türken übrigens auch nicht, wenn nicht oft genug unsere Vorurteile und einige selbsternannte Kultur und Sittenwächter innerhalb der türkischen Gemeinschaft darauf achten würden, dass sich da ja nicht zuviel tut.
Die Kinder geflohener Intellektueller haben da sicherlich weniger Probleme, als die Kinder einer stinknormalen Gastarbeiterfamilie. Es ist sicher leichter sich als StudentIn zu integrieren, als als jungete/r TürkeIn der/die nur in die Disco will und weder die Eltern noch die unerträglichen Türsteher dies erlauben.

mir kommt vor,

das ist das sachlichste posting hier. ein grüner strich von mir.

Echt total hip, die schöne kluge Tochter auf der angesagten Party-Meile auf der Otta-kringer Straße.

Aber bitte: es muß schon MigrantInnen heissen. Sonst lachen sich die FaschistInnen wieder ins Fäustchen.

DIE Faust ist antimännlich rassistisch, bitte!

Das Fäustchen ist eine Ausflucht ins Ungefähre.

Der muß DER Faust heissen.


:-)))

Ist auch DIE Faust eines Faschisten antifa ?

Oder nur der Faust einer antifaschistischen Antifaschtistin.

Gott sei Dank gibt es noch DAS faschierte Laberl.

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