Wie man einem Vermögensberater auf den Leim gehen kann

24. November 2006, 19:14
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Ein Opfer erzählt, wie man trotz intensiver Rechere einem "Vermögensberater" auf den Leim gehen kann

Wien - Am 5. Dezember wird der Wiener Betriebswirtin und Beraterin Ilse L. nicht zum Feiern zumute sein. Da ist es dann genau ein Jahr her, dass die Alleinerzieherin von zwei Schulkindern 42.000 Euro an ihren Vermögensverwalter überwiesen hat.

Der Plan, den die frisch geschiedene Frau ausgetüftelt hatte, klang nicht unvernünftig: Nachdem sie bei ihrer Scheidung mit 100.000 Euro abgefertigt wurde, sollte rund die Hälfte des Geldes "langfristig veranlagt werden", die andere Hälfte in einen "sicheren Pensionsfonds" veranlagt werden. "Daraus sollte ich, solange die Kinder in die Schule gehen, monatlich tausend Euro im Monat ausbezahlt bekommen. Als Polster zu meinem Einkommen, für Urlaube und unerwartete, größere Ausgaben", erklärt die Wienerin. Es sollte beim Sollen bleiben.

Denn die Frau landete beim Wiener Vermögensberater Klaus Moshammer und seiner Concept Finanz. Ihre 42.000 Euro sind perdu. Dem Unternehmen wurde am 10. Oktober von der Finanzmarktaufsicht FMA die Konzession entzogen, inzwischen ist das Unternehmen in Konkurs. Moshammer hatte Anfang Oktober Selbstanzeige bei der FMA erstattet: Er habe rund 4,9 Mio. Euro von 84 Kunden veruntreut. Das Strafverfahren ist eingeleitet.

Kein Schutz

Am Fall der Ilse L. lässt sich trefflich beschreiben, dass manchmal auch intensive Recherchen und Erkundigungen nicht davor schützen, sich eine blutige Nase zu holen. "Ich habe drei Monate lang Angebote von Banken und Fonds studiert, hatte beste Beratung und viele Termine - Moshammer wurde mir auch von zwei Banken empfohlen." Nachdem sie das - wie sich herausstellen sollte: vermeintliche - Pensionsfonds-Angebot der Concept Finanz inhaltlich mit Bankberatern besprochen habe, habe sie sich für Moshammer entschieden.

Heute kennt L. ihren Fehler: "Ich habe nur über die Inhalte des Angebots geredet, war nicht konkret genug und habe nicht dazu gesagt, wer mir das unterbreitet hat." Zur Erklärung: Moshammer hat sich als Vermögensverwalter geriert und Gelder entgegengenommen (hatte aber nur die Konzession zur Vermögensberatung).

Jene Summen, die Moshammers insgesamt rund 700 Kunden in die Fonds Fidelity und Apollo zahlten, sind nicht von der Pleite betroffen.

Was L. damals nicht wusste: Sie zahlte die 42.000 Euro auf ein Privatkonto Moshammers ein, das Geld hat sozusagen dessen Geldbörse nie verlassen. Ein paar Monate lang bekam L. ihre "Scheidungsrente" ausbezahlt, im Oktober erwies sich der Finanzpolster als Nagelbrett. Ein Anruf beim "sehr sympathischen Moshammer, der allerdings oft große Urlaube gemacht hat", brachte die Erklärung: "Die Sekretärin hat mir gesagt, dass gerade die FMA im Haus ist und die Konten gesperrt sind."

Alle betrogen

Moshammer selbst beichtete das "für Sie Katastrophale und Traurige" seinen Kunden brieflich. "Ich habe alle betrogen, sogar meinen eigenen Vater ... Wir werden in eine kleine Mietwohnung ziehen."

Seine Ex-Kundin L. auf die Frage, ob sie Moshammer aufgrund von Naivität auf den Leim gegangen ist: "Heute denke ich über vieles nach. Aber er hat auch viel Fachkundigere als mich gelinkt." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.11.2006)

  • Der Vermögensberater Klaus Moshammer hat laut eigenen Angaben 84 Kunden um rund fünf Millionen Euro gebracht.
    foto: standard/faksimile: beigelbeck

    Der Vermögensberater Klaus Moshammer hat laut eigenen Angaben 84 Kunden um rund fünf Millionen Euro gebracht.

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