Duckmäuser und Anpasser als Manager

3. Jänner 2007, 16:56
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In der mittleren Führungsebene agieren einer neuen Studie zufolge Duckmäuser und Anpasser - Kritik äußern sie allenfalls hinter vorgehaltener Hand

Hamburg - Die Mehrheit der deutschen Manager in der mittleren Führungsebene sind einer neuen Studie zufolge Duckmäuser und Anpasser. "Nur knapp 20 Prozent der Führungskräfte unterhalb der Vorstandsebene beziehen eindeutig Position und trauen sich zu sagen, was sie denken", erklärt der Freiburger Personalberater und Urheber der Studie, Wolfgang Saaman. Der Rest weicht nach seiner Ansicht Konflikten mit Vorgesetzten und der Chefetage aus.

"Wir haben es im Mittelmanagement heute mit einer Gehorsams- und Anpassungsmentalität zu tun. Rückgrat gehört nicht zur Stärke unserer Führungskräfte", fasst der Gründer der Personalberatung Saaman AG in einer Erklärung vom Sonntag die Ergebnisse mehrerer tausend Gespräche mit Managern zusammen.

Die Personalberatung hatte in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben mehrere tausend so genannte Potenzial-Analysen und Management-Prüfungen im mittleren Führungsbereich durchgeführt. Dabei wurden auch Beweggründe und Werte der Kandidaten untersucht.

Hinter vorgehaltener Hand

Gleichzeitig beobachtete Saaman nach eigenen Angaben, dass Kritik am Verhalten der Topmanager von Seiten der Manager im Mittelbau durchaus heftig ist. Sie werde jedoch eher hinter vorgehaltener Hand laut. Auf die Frage "Was würden Sie anders machen, wenn Sie morgen den Vorsitz der Unternehmensleitung übernehmen würden?", antworten über 80 Prozent des mittleren Managements mit deutlich abweichenden Meinungen von der herrschenden Praxis. Auf die Frage jedoch, ob beispielsweise der direkt an den Vorstand berichtende Bereichsleiter bereit wäre, diese Meinungen nach oben zu vertreten, antworteten den Angaben zufolge nur noch rund 30 Prozent mit "auf jeden Fall".

Kein Raum für Ethik

Eine ethische Verankerung des eigenen Verhaltens findet sich laut Saaman allenfalls noch bei wenigen Managern. "Wo es um Ergebnis und Börsenkurs geht, bleibt in der Welt der Wirtschaft für Ethik kein Raum", erklärt Saaman. Auf die Frage nach ihren Werten nennen 89 Prozent der Manager materialistische Kategorien wie Zielerreichung, Unternehmensgewinn, Wettbewerbsvorteile oder die Karriere an erster Stelle. Nur von 11 Prozent werden Werte wie menschliches Miteinander, Unternehmenskultur, Humanität oder Lebensqualität nach vorne gestellt. (APA/AP)

  • Kein besonders erbauliches Urteil: Viele Manager sind Duckmäuser.
    foto: standard/gottlieb

    Kein besonders erbauliches Urteil: Viele Manager sind Duckmäuser.

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